Aus Volkslied lassen sich Jazzfunken schlagen

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Matthias Strucken demonstrierte eindrucksvoll, wie gut sich das Vibrafon im Jazz eingesetzt werden kann.

Rönsahl - Auf den Spuren des legendären Vibrafonisten des Modern Jazz Quartet wandelt das „Milt Jackson Project“ des Kölner Musikers Matthias Strucken. Auf Einladung des Vereins für Kommunikation und Kultur (Kuk) Kierspe-Meinerzhagen trat der Vibrafonist am Sonntag in der Historischen Brennerei in Rönsahl auf. Begleitet wurde er von drei weiteren hervorragenden Musikern: Martin Sasse (Piano), Matthias Nowak (Kontrabass) und Matthias Kornmaier (Schlagzeug).

Zwei Einführungen erreichten das Publikum: Die eine betraf Milt Jackson, dem Matthias Strucken nachsagte, den Jazz in den 1950er- und 60er-Jahren salonfähig gemacht zu haben bei einem Publikum, das zuvor eher klassische Musik gehört hatte. Als Vibrafonist bereicherte Jackson den Klang des Modern Jazz Quartet um ein ganz entscheidendes Instrument.

In Jazzkonzerten ist es heute eher selten zu hören, sodass sich Matthias Strucken berufen fühlte, dem versammelten Publikum die Technik zu erläutern. Die angeschlagenen Metallplatten entfalteten einen erstaunlich präsenten und kraftvollen Klang im alten Gemäuer der Brennerei. Durch den „eingebauten Propeller“ bekam er zusätzlich das charakteristische Vibrato. Neben Milt Jackson war es Lionel Hampton, der das Vibrafon für den Jazz dienstbar machte.

Glücklicherweise komponierte Milt Jackson viele Titel für das Modern Jazz Quartet: Allen voran sein „Bags’ Groove“. Die (Tränen)-Säcke spielen auf seinen Spitznamen an, den er sich in den langen Nächten eines Jazzmusikers redlich verdiente. Ein Tempo-Stück, bei dem Matthias Strucken und seine Mitspieler ihre Virtuosität und den nötigen Groove ausspielen konnten. Die Finger fliegen ließ auch der Klassiker „Fungi Mama“ von Blue Mitchell. Aus der Feder von Jimmy Giuffre stammte „Four Brothers“, das einst durch die Woody Herman Big Band berühmt wurde. George Gershwin stellte sein berühmtes „I love you Porgy“ für Variationen aller Art zur Verfügung.

Matthias Struckens Bemühungen, auch den Stil von Milt Jacksons Musik weiterzuführen, bescherten dem Publikum Kompositionen aus seiner Feder: Ganz entspannt kam das fröhliche Geklimper von „Plunk“ daher – einem Lied, das Struckens Nachbar offenbar bei der Welturaufführung nicht so recht zu schätzen wusste: „Es war um drei Uhr nachts schon fertig, als der Nachbar kam, um sich zu beschweren.“ Einen blumigen Ausflug nach Südamerika unternahmen die Musiker mit dem Bossa nova „Floração“. Den Reigen der jahreszeitlich passenden Musik komplettierte ein deutsches Volkslied. Auch aus „Komm lieber Mai und mache“ lassen sich vortreffliche Jazzfunken schlagen.

Neben dem virtuosen Vibrafonisten hatte Pianist Martin Sasse viel Entfaltungsraum für seine wunderbaren Improvisationsläufe auf den 160 Tasten. Bass und Schlagzeug traten seltener aus dem Schatten der Begleitung heraus – die Rhythmusgruppe war aber bestens präsent und dabei wunderbar entspannt. Ein schönes Konzert, das großen Appetit macht auf mehr Jazz in der Historischen Brennerei.

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