Schwankungen auf Weltmarkt trüben Landwirtschafts-Idylle in Kierspe

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Insgesamt 17 landwirtschaftliche Betriebe gibt es in Kierspe. Viele von ihnen haben mit den Auswirkungen auf dem Weltmarkt – etwa mit dem Handelsembargo gegen Russland – zu kämpfen.

Kierspe - Ein schwieriges Jahr liegt hinter den Kiersper Bauern. Der Kampf um die Preise für Milch und Kälber, das unbeständige Wetter und wartende Investitionen waren Dinge, mit denen sich Reiner Grafe, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins, und seine Kollegen in 2016 beschäftigen mussten.

Wie stark sich Schwankungen auf dem Weltmarkt selbst im beschaulichen Kierspe auswirken, das haben die heimischen Landwirte deutlich zu spüren bekommen. „Die Preise für Milch und auch für Kälber bewegen sich derzeit auf einem so niedrigen Niveau, dass man davon nicht leben kann“, erklärt Reiner Grafe mit Blick auf das auslaufende Jahr.

Dem können seine Kollegen, Fabian Hedfeld, Marc Feltens und Björn Hettesheimer nur beipflichten. Die Kosten seien höher als die Erlöse, Investitionen derzeit nicht möglich. Auf der anderen Seite stünden laufende Kosten, etwa für die Mitarbeiter auf den Höfen.

Die Gründe für den ernüchternden Blick der Landwirte auf die wirtschaftliche Lage seien unter anderem im fernen Russland und China zu suchen, da sind sich die vier einig. Das Handelsembargo gegen die Russische Föderation und die schwächelnde Kaufkraft der Volksrepublik hätten die Bauern getroffen.

Die Kiersper Landwirte (von links) Björn Hettesheimer, Marc Feltens, Reiner Grafe und Fabian Hedfeld schauen auf das auslaufende Jahr zurück und wagen einen Ausblick auf 2017.

„Wir können nicht so flexibel reagieren, wie etwa die Autoindustrie. Wir arbeiten mit Tieren, da können wir nicht viel regulieren“, sagt Marc Feltens. Der Fortschritt in der Landwirtschaft habe dazu geführt, dass nicht mehr Kühe in den Ställen stehen, die Tiere aber durch verbesserte Haltung und Früherkennung von Krankheiten produktiver geworden seien. Dabei steht die Arbeit der Milchproduzenten unter einer klaren Devise. „Die Milch muss raus. Der Export ist wichtig, da der deutsche Markt nahezu gesättigt ist“, so Reiner Grafe.

Witterung verringert Ernteertrag

Doch nicht nur der globalisierte Markt habe den Kiersper Landwirten teilweise einen Strich durch die Rechnung gemacht, sagt Björn Hettesheimer. Mit Blick auf das wechselhafte Wetter habe man auch einen schlechten Start in die Erntesaison gehabt. „Die alten Bauernregeln von Oma und Opa haben nicht gegriffen.“ Die Folge seien geringe Erträge gewesen. Zumindest sei die Qualität des Tierfutters gut, versucht Fabian Hedfeld dem Witterungs-Durcheinander etwas Positives abzugewinnen.

Einer Neuerung in der Düngemittelverordnung, die die Bundesregierung im kommenden Jahr einbringen möchte, sehen die Bauern gelassen entgegen. „Wir sind in der Region gut gerüstet. Wir haben eine eigene Kreislaufwirtschaft“, sagt Björn Hettesheimer, der keine Auswirkungen etwa durch neue Begrenzung der Düngung und Reduzierung von Nährstoffüberschüssen oder durch Vorgaben zur Verlängerung der Sperrfristen für die Ausbringung von stickstoffhaltigen Düngemitteln im Herbst und Winter sieht.

Blick auf den Ölpreis

Auch angesichts der möglichen Änderungen im Bezug auf die Düngung in der Nähe von Wasserläufen und im hängigen Gelände sei man nicht besorgt. „Wir arbeiten gut mit dem Wupperverband zusammen. Die Werte an der Kerspetalsperre werden immer besser“, erklärt Reiner Grafe.

Der Blick auf das neue Jahr stimmt die Bauern etwas versöhnlicher. Bereits zum Ende dieses Jahres zeichnete sich ein Aufwärtstrend bei den Preisen ab. Und die Wellen, die der Markt möglicherweise schlagen wird, werden sich auch auf Kierspe auswirken. Sollte der Ölpreis in 2017 steigen, dann werde es auch mit dem Milchpreis aufwärts gehen, ist sich Marc Feltens sicher. Schließlich könnten sich die Schwellenländer, wenn sie mehr Geld haben, auch wieder den Import von deutschen Milchprodukten leisten.

Termine des Kiersper Ortsvereins: Dienstag, 17. Januar, ab 10.30 Uhr Winterversammlung und im Februar Schlepper-Tüv (genauer Termin steht noch nicht fest) – beides am Funkenhof.

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