Mietstreit: Oft geht es nur um kleine Summen

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Seit elf Jahren ist Christoph Gebauer Vorsitzender des Kiersper Vereins „Haus und Grund“. Als Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht kennt er aber auch die Situation der Mieter.

KIERSPE ▪ „Es sind vor allem die Nebenkostenabrechnungen, die häufig zu einem Streit zwischen Vermieter und Mieter führen“, erklärt Rechtsanwalt Christoph Gebauer, der auch betont, dass solche Mietstreitigkeiten oft sehr emotional geführt würden.

„Meist geht es bei den Geldbeträgen nur um relativ kleine Summen, die es eigentlich nicht wert sein dürften, ein ansonsten intaktes Mietverhältnis zu gefährden. Dann versuche ich möglichst, eine Einigung herbeizuführen, ohne dass dabei die Gerichte eingeschaltet werden müssen“, so Gebauer, der nicht nur Partner einer Rechtsanwaltskanzlei, sondern auch Vorsitzender des Vereins „Haus und Grund“ in Kierspe ist.

In dieser Eigenschaft berät er die rund 650 Mitglieder des Vereins. Etwa 350 Beratungen fallen da jährlich an. Das können kleine Tipps am Telefon sein, aber auch Gespräche, die viel Zeit in Anspruch nehmen. Gebauer: „Häufig geht es um die Formulierung in Mietverträgen, aber auch kleinere Probleme mit dem Mieter, wenn dieser beispielsweise Beschwerden über Schimmel vorbringt, die häufig auf falsches Lüften zurückzuführen sind.“

Viel gravierender seien da schon Mietrückstände. „Das trifft vor allem Vermieter, die nur eine Wohnung vermieten und auf die Einnahmen angewiesen sind, besonders hart“, so der Rechtsanwalt.

Gebauer kennt die Situation der Streitigkeiten zwischen Mietern und Vermietern aber nicht nur aus Sicht der Haus- und Grundeigentümer. Auch Mieter suchen seinen Rat oder bitten um seine Vertretung vor Gericht. Dieses Fachwissen, dass er sich in der Kanzlei und nach elf Jahren als Vorsitzender des Kiersper Vereins angeeignet hat, wollte Gebauer noch vertiefen. Aus diesem Grund entschied er sich im vergangenen Jahr für eine Fortbildung zum Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht. 120 Lehrgangsstunden und drei fünfstündige Klausuren später, darf er den Titel nun führen – als einziger Anwalt in Kierspe.

Zum Nachweis seines Wissens auf diesem Gebiet musste er mehr als 120 Fälle nachweisen, die dieses Gebiet berühren und von ihm betreut wurden.

Dabei ging es auch um das unangenehmste Thema, mit dem sich in diesem Fachgebiet ein Anwalt beschäftigen kann – um Mietnomaden, also Menschen, die mit dem Vorsatz, keine Miete zu zahlen, eine Wohnung anmieten. Oft befinden sich nach dem Auszug die Wohnungen dann auch noch in einem desolaten Zustand. „Aufgrund der Gesetzeslage handeln die Gerichte in einer solchen Situation sehr langsam. Meist hat der Vermieter schon zwei oder drei Monate gewartet, bevor er sich an einen Anwalt wendet, dann dauert es bei Gericht noch einmal zwei Monate, bevor die Räumungsklage entschieden wird. Und professionelle Mietnomaden bleiben so lange im Haus, bis der Gerichtsvollzieher vor der Tür steht.“

Solch eine Auseinandersetzung ist auch nicht preiswert für den Eigentümer. Nach Angaben von Gebauer würden mindestens 1000 bis 1500 Euro Anwalts- und Gerichtskosten fällig – der Vorschuss für den Gerichtsvollzieher läge häufig bei mehr als 3000 Euro. Deshalb rät er jedem Vermieter sich über den neuen „Geschäftspartner“ genau zu informieren, eine Kaution von mindestens zwei, besser drei Monatsmieten zu verlangen und das Geld auf einem Konto auf den Namen des Vermieters anzulegen. „Es kann auch nicht schaden, nach dem Beruf und Arbeitgeber zu fragen. Darauf muss der Mieter zwar nicht antworten. Aber wenn die Antwort verweigert wird, dann kann man sich ja seine eigenen Gedanken machen“, so Gebauer. ▪ Johannes Becker

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