Messias als Gesamtwerk in der St. Josef-Kirche

Der Chor Cantamus präsentiert sein nächstes großes Chorkonzert mit dem Gesamtwerk des Messias von Händel. Dargeboten wird dieses am 3. Dezember in der katholischen St. Josef-Kirche.

KIERSPE ▪ Kierspe J Vor 270 Jahren, genau 1741, wurde von Georg Friedrich Händel innerhalb von bloß drei Wochen in London ein Meisterwerk komponiert, das zu den seither am meisten aufgeführten Oratorien gehört.

Der Chor Cantamus führt jetzt den Messias auf. Das Konzert findet am Samstag, 3. Dezember, um 19.30 Uhr in der katholischen St. Josef-Kirche statt. Mitwirkende sind mehrere Solisten wie Antje Bischof (Sopran), Elvira Bill (Mezzosopran), Ulrich Cordes (Tenor) und Christian Palm (Bass) sowie außerdem das Kourion-Orchester Münster. Die Gesamtleitung hat Frank Bisterfeld. Eine kleine Kostprobe gibt es bereits morgen um 11 Uhr im Gottesdienst in der Margarethenkirche, denn dann werden drei Stücke aus dem großen Werk von einem kleinen Kammerchor aus dem großen Chor dargeboten.

Im Herbst 1741 reiste der Komponist nach Dublin, wo er nach seiner Ankunft am 18. November die Uraufführung des „Messiah“ für die Karwoche des folgenden Jahres vorbereitete. Die Erfolgsgeschichte Händels würde einem modernen Pop-Titan alle Ehre machen. Allein die Liste der Messias-Aufführungen in Großbritannien unter seinem Dirigat liest sich wie der Tourplan moderner Klassik- und Pop-Größen: Dublin, London, Bath, Bristol, Church-Langton, Gloucester, Hereford, Oxford, Salisbury, Worcester. Hinzu kommen unzählige europa- und weltweite Aufführungen durch andere Meister und in anderen Zeiten.

Zunächst hatte Händel in London als Komponist der italienischen Oper Furore und gute Geschäfte gemacht. Aber nachdem sich ein englischsprachiges Konkurrenzunternehmen in London etabliert hatte, musste er seine Opernakademie aufgeben und wandte sich vollständig dem Oratorium zu.

„Angestiftet“ zur Vertonung des „Messias“ wurde er von dem Musik-Mäzen Charles Jennens, einem überzeugten Christen, der dem in England aufkommenden Deismus ein Bekenntnis zur christlichen Offenbarung entgegensetzen wollte. Größtenteils aus der St. James-Bibel stammt die Textsammlung, die Jennens seinem Freund Händel zur Vertonung sandte. In seinem Libretto steht nicht der bisher in Oratorien übliche chronologische Ablauf von biblischen Ereignissen im Zentrum der Darstellung, sondern die Wirkung dieser Ereignisse für die gläubige Menschheit. In drei Teilen werden der ursprüngliche Advent, die Passion und die Apotheose Christi thematisiert. Das macht den Messias geeignet für Aufführungen sowohl in der vorweihnachtlichen als auch in der vorösterlichen Zeit. In den Kernstücken der Teile I und II werden Stationen aus dem Leben Christi vorgestellt, die Anlass zu Reflexion und Kontemplation in den übrigen Musikstücken geben. Im ersten Teil ist es die Verkündigung der Geburt Jesu bei den Hirten auf dem Felde, im zweiten Teil Jesu Leiden und Sterben, aber auch seine Himmelfahrt und die Verbreitung der christlichen Lehre gegen alle Widerstände. Wie eine natürliche Konsequenz aus dieser überwältigenden Botschaft entfaltet sich die Monumentalität des gewaltigen Halleluja-Chores.

Der dritte Teil wird eröffnet mit der berühmten Sopran-Arie „Ich weiß, dass mein Erlöser lebet“ und feiert in allen weiteren Musikstücken eben diese Glaubensgewissheit, die mit einem großen Amen bezeugt wird. Genau diese Arie musste im Deutschen Requiem von Brahms, dem letzten vom ChorCantamus gesungenen Werk - eingeschoben werden, sonst hätte Brahms von der Kirchenleitung nicht die Erlaubnis bekommen, sein Werk im kirchlichen Bereich aufzuführen.

Wenn Chorleiter Frank Bisterfeld das Erfolgs-Oratorium am 3. Dezember mit Cantamus in Kierspe zur Aufführung bringt, so wird sich diese in mancherlei Hinsicht von der Aufführungspraxis des Urhebers unterscheiden: Erstens wird dem heimischen Publikum eine deutschsprachige Version in der Bearbeitung von Arnold Schering präsentiert, während der Urtext in englischer Sprache verfasst ist. Außerdem musizieren in Bisterfelds Chor erheblich mehr Sänger und vor allem Sängerinnen als in der Uraufführung, nämlich insgesamt 53 Chormitglieder. Unter Händels Leitung wurden die Sopran- und Altparts der Chorstücke von Knaben und Männern dargeboten. Insgesamt 32 Sänger standen dem Meister zur Verfügung, und zwar 16 Knaben im Sopran und 16 Männer in Alt, Tenor und Bass. Auch das Orchester war deutlich kleiner als das Kourion-Orchester aus Münster, das die Kiersper Aufführung bestreiten wird. Mit fünf Streichern, zwei Trompeten und einer Pauke musste Händel sich begnügen. Erst in späteren Aufführungen konnte er Oboen, Fagott und Hörner einsetzen. Das Kourion-Orchester wird in einer Besetzung von 22 Musikern (14 Streicher, vier Bläser, zwei Pauken sowie Cembalo und Orgel) auftreten. Es ist inzwischen das vierte Werk, das Bisterfeld in jeweils zwei Aufführungen mit diesem Ensemble gestaltet – ein Beweis für die Qualität der Zusammenarbeit. Ebenso sind zwei der Gesangssolisten keine Unbekannten, nämlich Antje Bischof und Christian Palm.

Für die Sopranistin ist das Kiersper Konzert ein Heimspiel, denn hier hat sie jahrelang gewohnt und konzertiert. Zusammen mit ihr ist auch der Bassist dem Kiersper Publikum durch seinen Part in der Matthäuspassion von Bach noch in guter Erinnerung. Auf zwei neue Begegnungen mit herausragendem musikalischem Potenzial dürfen sich Chor und heimische Konzert-Liebhaber freuen. Die Altistin Elvira Bill und der Tenor Ulrich Cordes stellen sich zum ersten Mal in Kierspe vor. Beide sind versierte Oratoriensolisten, aber auch im Operngenre zu Hause, wie ihre Engagements in Münster in der vergangenen beziehungsweise der laufenden Spielzeit zeigen.

Der Eintritt zu dem Konzert beträgt 15 Euro, ermäßigt für Schüler und Studenten 10 Euro. Der Vorverkauf findet in den Buchhandlungen Timpe (Kierspe) und Schmitz (Meinerzhagen) sowie und bei den Chormitgliedern statt. Online-Reservierungen sind ebenfalls möglich (siehe Unterseite „Karten“ auf der Homepage).

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