Messerscharfe Kritik und rasante Wortsalven

Er ist seit drei Jahrzehnten auf Kabarett-Tour durch Deutschland, erhielt bereits zweimal den deutschen Kleinkunstpreis, außerdem den deutschen Kabarettpreis und den Prix Pantheon.

KIERSPE ▪ Frei nach dem Motto Prügel, wem Prügel gebührt, gab’s am Samstagabend wortgewaltige Schmickler-Schelte für politische Wendehälse, die „Koalitionäre des Stillstands“, für jede Form von Borniertheit und Intoleranz. Der vielfach ausgezeichnete Kabarettist gastierte auf Einladung des Vereins für Kommunikation und Kultur KuK in Kierspe. Im vollbesetzten PZ der Gesamtschule präsentierte er anlässlich seines 30-jährigen Bühnenjubiläums sein viertes Solo-Programm „Es war nicht alles schlecht”.

Er wolle gleich mal Dampf ablassen, so Schmickler: Nach 100 Tagen schwarz-gelber Koalition sei das wirklich nötig. Westerwelle sei nur ein „Klingelton für Besserverdienende”, Merkel ein „Pudding im Kostüm”, beide zusammen ein echtes Albtraumpaar und der „schwarz-gelbe Tiger” ein Rohrkrepierer. Die aktuelle Politik skizzierte er mit den Worten: „Jeder stößt in ein anderes Horn, und dann geht’s auf der Stelle rückwärts durch die Mitte nach vorn.“

Sein pointierter Rückblick auf die vergangenen drei Jahrzehnte löste immer wieder großes Gelächter und spontanen Applaus aus. Die einzigen, die am liebsten nur noch auf frühere Zeiten zurückblickten seien die Sozialdemokraten: „Was waren das damals für glorreiche Zeiten mit Brandt, Wehner und Schmidt.” Letzterer sei zwar allen Frischluftfanatikern ein Dorn im Auge und atme nur Luft, die er auch sehen kann, „aber immerhin lebt er noch – im Gegensatz zu seiner Partei.” Wenn die Sozialdemokraten damals jedoch gewusst hätten, dass hinter dem Stacheldraht die neue Königin von Deutschland heranwächst, „hätten die sich das mit dem Wandel durch Annäherung sicher noch mal überlegt,” stichelte Schmickler. „Und was war das für ein Spektakel, als die Grünen 1983 in den Bundestag eingefallen sind und sogar Grünpflanzen mitbrachten. Da wusste man manchmal nicht, wer von beiden die Pflanze ist.”

Bei der Deutschen Bahn gab’s früher eine Auskunft, heute gehen die Kunden zum Service Point. „Danach sind sie auch nicht schlauer, aber das hat ja auch keiner versprochen.“

Der Kabarettist fand den richtigen Ausgleich zwischen hochamüsanten Wortspitzen und der Art von pointierter Kritik, bei der das Lachen fast im Halse stecken bleibt, weil sie auf Missstände abzielt, hinter denen sich menschliche Schicksale verbergen. Seine Wut über soziale Ungerechtigkeit, politische Arroganz und den tagtäglichen Wahnsinn des blindwütigen Egoismus wurde in seinen bissigen, sarkastischen und oftmals rasend schnellen Wortsalven spürbar.

Wenn er nicht gerade stichelte und schimpfte, dann griff er zum Mikrophon und trug mit leidenschaftlicher Geste, mal sanft und spöttisch, dann wieder temperamentvoll seine ironischen Lieder und Gedichte vor. Und so hielt er auch dieses Mal, was er seit 30 Jahren verspricht: „Einritt muss sich wieder lohnen.” Und wer nach diesem gelungenen Abend immer noch nicht genug hatte, konnte nach der Veranstaltung an einem Stand im Foyer die handsignierten CDs und Bücher des Kabaresttisten erwerben und mit ihm ins Gespräch kommen.

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