Ekkehard Haas geht in den Ruhestand

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In der kommenden Woche wird Schulleiter Ekkehard Haas nach 42 Jahren im Schuldienst seinen Schreibtisch räumen. Am liebsten war der Pädagoge auch in der Klasse bei seinen Schülern.

Kierspe - 42 Jahre im Schuldienst, aber 58 Jahre in der Schule, beziehungsweise den Schulen. Denn mehrere waren es schon, in denen Ekkehard Haas unterrichtete – und auch die, die er selbst besuchte. Jetzt geht der Rektor der Bismarckschule in den Ruhestand, den er selbst wohl nicht so nennen würde.

In knapp einer Woche ist Schluss, dann wird Ekkehard Haas sein Auto nicht mehr vor der Bismarckschule parken. Dort wo nur zwei Autos Platz finden, stand seins immer. Doch wer bereits eine Stunde vor Unterrichtsbeginn im Schulgebäude ist, der kann sich seinen Parkplatz aussuchen.

„Man kann Kinder nicht überfordern, sehr wohl aber unterfordern“, so klingt der Schulleiter, wenn man mit ihm über seinen Beruf, seine Schule und vor allem über seine Schüler spricht. Die nennt er auch als erste, wenn man ihn fragt, was ihm fehlen wird, wenn es in den Ruhestand geht. Danach kommen die Kollegen. Aber eben erst danach. Denn die Kinder waren es, die ihm immer am Herzen lagen, vor allem die Kleinen, die er mit Leidenschaft unterrichtet hat. „Die sind noch offen und so wissbegierig. Sie saugen den Stoff auf wie ein Schwamm“, schwärmt Haas von „seinen“ Kindern.

Doch „Schuld“ an seiner Entscheidung, Lehrer zu werden, war nicht der Wunsch, Kinder zu unterrichten, sondern die Unfähigkeit seiner eigenen Lehrer. „Am Gymnasium war ich so unzufrieden mit meinen Lehrern, dass ich noch während der Abiturvorbereitungen den Entschluss fasste, selbst Lehrer zu werden und es besser zu machen.

Abgelegt hat Haas sein Abitur in Siegen. In der Großstadt im Süden wurde er auch geboren und besuchte dort selbst die Grundschule.

Nach der Hochschulreife blieb er in der Stadt und studierte an der Pädagogischen Hochschule, die es damals noch gab, Lehramt für Grund- und Hauptschule. Bewusst entschied er sich damals auch „Englisch für Grundschüler“ zu studieren – sehr zur Verwunderung seiner Professoren. Damals war noch keine Rede davon, dass die Fremdsprache jemals Pflichtfach in der Primarstufe werden könnte.

Nach dem Studium folgte das Referendariat an der Pestalozzi-Grundschule in Lüdenscheid, wo er auch seine erste Anstellung bekam. Im Dezember 1991 erfolgte dann der Wechsel als Konrektor an die Bismarckschule in Kierspe. Als dann Rektorin Inge Hupfeld in den Ruhestand ging, übernahm er am 1. November 2000 diese Position.

Im Sommer 2014 sollte es dann noch einmal eine gravierende Veränderung geben, denn am 1. August des genannten Jahres übernahm er die Leitung des neu gegründeten Schulverbundes, zu dem dann auch der Standort Rönsahl mit der Servatiusschule gehörte. Wenn er jetzt diesen Verbund verlässt, dann verabschiedet er sich von 18 Lehrern und rund 310 Schülern.

In den ersten Jahren als Rektor hat Haas noch als Klassenlehrer unterrichtet. Das war ab 2004 dann nicht mehr möglich. Das bedeutete aber nicht, dass er auf das Unterrichten verzichtete. Das hätte er wohl auch nicht gekonnt. Genau wie seine Schüler hat auch Haas Lieblingsfächer. In seinem Fall sind dies neben dem bereits erwähnten Englisch vor allem Deutsch, Mathematik, Kunst und evangelische Religion.

„Ich habe nie bereut, Lehrer zu werden. Das war und ist mein Traumberuf“, sagt er rückblickend. Trotz der 42 Jahre im Schuldienst sieht er gar nicht so große Unterschiede zwischen den Schülern am Anfang seiner Laufbahn und heute. „Natürlich hat sich das Freizeitverhalten verändert. Damals gab es nur drei Programme und das Farbfernsehen feierte noch einstellige Geburtstage. Heute gehen auch die Grundschüler wie selbstverständlich ins Internet, recherchieren dort und verbringen überhaupt viel Zeit in dieser Welt.“

Doch das beeinträchtige nicht sonderlich die Aufmerksamkeit im Unterricht. „Entscheidend für den Lernerfolg der Schüler ist die Person des Lehrers. Präsentiert man die Themen entsprechend, hat man auch die volle Aufmerksamkeit der Kinder“, da ist er sich sicher. Dazu gehöre auch, dass man immer wieder nach einer anderen Darstellungsform suche.

Trotz der Begeisterung für seinen Beruf fürchtet Haas nicht, in ein tiefes Loch zu fallen. Zu vielseitig sind die Interessen, denen er bislang nur eingeschränkt nachgehen konnte. Der golfspielende Dauerkarteninhaber (Schalke) fotografiert, reist und schreibt gerne. Darüber hinaus ist er leidenschaftlicher Philatelist. „Dieses Hobby hat mir immer viel gegeben. Für meinen Beruf, aber auch für mein Privatleben“, sagt Haas. Durch die Motive der Briefmarken habe er angefangen, sich für die Welt zu interessieren. Ein Interesse, das bis heute anhält und sich in der Mitgliedschaft in gleich zwei Vereinen ausdrückt – in Lüdenscheid und in Siegen. Dort gibt er auch eine eigene Fachzeitschrift für Briefmarkenfreunde heraus. Siegen könnte auch die neue alte Heimat von Haas sein. Dort steht sein Elternhaus und dort lebt auch seine Mutter. „Ich werde aber auch nach einem Umzug Kierspe verbunden bleiben, alleine schon durch meine Mitgliedschaft im Golfclub Varmert“, so Haas

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