„Mein Körper, der gehört mir allein!“

„Nein!“, schreit das Mädchen zu dem Jungen, als es von ihm ungewollt den Arm über die Schulter gelegt bekommt, denn es ist ihm unangenehm und sie will es nicht.

KIERSPE ▪ „Mein Körper, der gehört mir allein! Du bestimmst über dein' und ich über mein'!“, sangen Ulrike und Rolf am Mittwochabend vor fast 60 Eltern und Lehrern im PZ der Gesamtschule und schon bald sangen alle gemeinsam den Refrain dieses Liedes. Die „Theaterpädagogische Werkstatt“ aus Osnabrück war auf Einladung der Schulpflegschaften der Bismarckschule, Pestalozzischule und der Schanhollenschule gekommen, um an diesen Schulen den Kindern zu vermitteln, wie sie auf sexuelle Gewalt besser reagieren können.

Das Programm, welches die Kinder in den Schulen an drei aufeinander folgenden Wochen vorgespielt bekommen, bekamen die Eltern und Lehrer an einem Abend zusammengefasst zu sehen.

Lebhaft, lustig und einprägsam, so spielten Ulrike und Rolf die unterschiedlichsten Rollen. Da war das Mädchen, das dem Jungen das Haar bürstet. Zuerst ganz sanft, was der Junge mag. Und dann ziemlich kräftig, bis der Junge „Nein!“ sagt und das Mädchen wieder sanfter wird. Oder die Szene mit dem großen Jungen, der dem Mädchen den Arm unaufgefordert auf die Schulter legt, bis es „Nein“ schreit. Zwischendurch gibt es immer wieder Erklärungen an die Erwachsenen, die auch die Reaktionen der Kinder in den Schulen wiedergeben. „Wichtig ist, den Kindern zu vermitteln, dass sie sich drei Fragen stellen müssen, bevor sie mit einem Menschen mitgehen, ob fremd oder bekannt. „Habe ich ein Ja-Gefühl oder ein Nein-Gefühl, weiß eine Person meines Vertrauens, wo ich bin und kann mir jemand helfen, wenn ich Hilfe brauche.“ Wird nur eine Frage mit „Nein“ beantwortet, so sollten die Kinder nicht mitgehen. Ebenso wichtig sei es, den Kindern zu sagen, dass sie zu den Eltern kommen und ihnen alles erzählen können, wenn sie Hilfe brauchen.

Nein zu sagen, ist

oft nicht leicht

Doch „Nein!“ zu sagen, sei oft nicht leicht. Dazu gehören Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen. „Das Programm „Mein Körper gehört mir!“ stärkt die Kinder darin, ihre Gefühle bewusst wahrzunehmen und ihren Signalen zu folgen, auch wenn die Oma die Kinder bedrängt und ihnen das unangenehm ist. Gerade hier sollten die Kinder von ihren Eltern unterstützt werden, „denn wir Erwachsenen mögen es auch nicht, wenn uns Menschen zu nahe kommen, wenn wir ein „Nein-Gefühl“ in uns verspüren.“

Bereits seit zwölf Jahren kommt die „Theaterpädagogische Werkstatt“ nach Kierspe und macht die Kinder der dritten und vierten Schulkassen sensibel für ihr eigenes Körpergefühl. Eine wichtige Vorbeugung, denn statistisch gesehen sitzen in jeder Schulklasse betroffene Kinder, die die Hilfe der Eltern und Lehrer brauchen. ▪ GeG

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