Mehr als genug Solarenergiel

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Den Kollektor hat der Bauingenieur Ludger Sikora selbst gebaut, um verlässliche Messwerte zu erhalten.

KIERSPE - Die Energiewende ist ins Stocken geraten: Versorger produzieren so viel Strom in Braunkohlekraftwerken wie noch nie und der Bundeswirtschaftsminister will die Windkraftförderung zurückfahren und stattdessen alles durch den Markt regeln lassen.

Von Rolf Haase

Ludger Sikora aus Kierspe hat die aus seiner Sicht „verfahrene Situation“ registriert und sich ganz eigene Gedanken zur Umstellung auf eine nachhaltige Versorgung mit erneuerbarer Energie gemacht.

Der Bauingenieur ist das Thema analytisch angegangen und die von ihm am elterlichen Haus an der Wiesenstraße selbst konstruierte Solarmessanlage hat inzwischen ganz erstaunliche Ergebnisse gebracht. „Man sagt immer, in dieser Region scheine die Sonne nicht ausreichend, doch die vier Sensoren, die ich auf unterschiedlicher Höhe installiert habe, beweisen, dass mein Kollektor bis zu 90 Grad warme Luft liefert, die natürlich nutzbar wäre.“ Seine Vision ist, dass die auf ein Gebäude einwirkende Energie den gesamten Bedarf deckt. Am besten diente dafür die komplette Haushülle zur Energiegewinnung.

Schon heute würden architektonisch sehr interessante Häuser gebaut, bei denen alle Flächen, auch die Fassaden, zur Solareneriegewinnung verwandt werden und nicht nur das optimaler Weise im Winkel von 33 Grad geneigte Dach. „Entscheidend ist die Größe der Fläche. Je größer sie ist, desto mehr Energie fällt an. Außerdem besteht beim Dach das Problem, dass dieses statistisch gesehen an 50 Tagen im Jahr mit Schnee bedeckt ist, so dass gar keine Wärmeenergie ankommt“, erläutert der Fachmann.

Basis für seine Berechnungen ist die allgemein gültige Solarkonstante von 1367 Watt pro Quadratmeter, die jederzeit von der Sonne abgestrahlt wird. „Das ist nicht wenig“, unterstreicht Sikora. Wetter und Sonnenstand sind dafür verantwortlich, wie viel dann tatsächlich zur Verfügung steht. Den Energieeintrag für den Region Südwestfalen hat er mit 1400 bis 1600 Stunden berechnet, wobei Kierspe eher im unteren Bereich liege.

„Ich habe festgestellt, dass mein Kollektor an 985 Stunden im Jahr 35 bis 90 Grad heiße Luft produziert“ , berichtet er, was seine einfach gebaute, aber sehr präzise arbeitende Anlage bislang an Messungen geliefert hat. Im Mai könnten in der Region Maximalwerte von immerhin 800 Watt pro Quadratmeter registriert werden, an anderen Tagen mit geringer Sonnenstrahlung trotzdem aber auch noch 300 Watt pro Quadratmeter. Interessant sei dies besonders in Relation zum jährlichen Heizungs- und Stromenergiebedarf einer vierköpfigen Familie von rund 20 000 bis 25 000 Kilowattstunden. Aus der Solareinstrahlung auf alle Gebäudeflächen eines durchschnittlichen Hauses ergibt sich laut Sikora in Südwestfalen eine Gesamtenergiemenge von 224 000 Kilowattstunden, also annähernd das neun- bis elffache des Bedarfs.

„Daraus müsste sich doch etwas machen lassen“, betont der Kiersper, der aber einschränkt, dass Photovoltaik zur Stromerzeugung nur einen Wirkungsgrad von 13,5 Prozent erreiche, Wärme aber immerhin einen von 80 Prozent. Zwar liefere bei den Fassaden eine Südwand im Mittel die höchsten Erträge, um jedoch abends heißes Wasser verfügbar zu haben, sei am besten eine Westwand, da diese voll die Nachmittagssonne abbekomme.

Technische Lösungen existierten bereits oder seien zumindest vorstellbar. Leider aber sei den Entscheidungsträgern in der Politik der volkswirtschaftliche Nutzen noch nicht präsent, zudem mangele es am Willen. Sikoras Appell: „Hier wird es Zeit, neu nachzudenken.“

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