Ärztehaus

Hülsenbusch als Vorbild für Kierspe?

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Die Bauendabnahme ist gerade erfolgt: Derzeit sind Ärzte, Tagespflege und Logopäden sowie die Besitzer der beiden Wohnungen (im Obergeschoss) damit beschäftigt, ihre Räume einzurichten.

Kierspe – „Die Leute hier haben gelernt, dass es sich lohnt, etwas selbstständig in die Hand zu nehmen“, berichtet Bernd Baßfeld, Vorstand der neuen Genossenschaft „Ärztehaus Hülsenbusch eG“.

Die Genossenschaft hat mittlerweile 250 Mitglieder und verfügt über Kapital von fast 800000 Euro. Die Hälfte davon habe gereicht, um die Finanzierung des neuen Ärztehauses inmitten des Gummersbacher Ortsteils Hülsenbusch sicherzustellen.

Modern und barrierefrei

Zwei Millionen Euro sind für das moderne und barrierefreie Gebäude mit großzügig bemessenen Parkplätzen vor und hinter dem Haus, das auf beiden Seiten Eingänge hat, aufgebracht worden. 400 000 Euro stehen auf der Einnahmeseite, denn die beiden Wohnungen im Obergeschoss sind bereits verkauft.

UWG-Vorsitzender Clemens Wieland

Über diese Erfahrungen der Immobilien-Genossenschaft im 800-Seelen-Dorf, das früher zu Gimborn zählte, aber inzwischen Gummersbach zugeordnet ist, hat sich jetzt der Kiersper UWG-Vorsitzende Clemens Wieland informiert. Der Unabhängige gehört zu den Kommunalpolitikern, die im Rahmen der Beratungen und Gespräche eines Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) in Kierspe – und gemeinsam mit Halver – das Thema „Genossenschaft“ eingebracht hatte.

Zwei genossenschaftliche Projekte

Wieland erfuhr von Bernd Baßfeld auch, dass es in Hülsenbusch bereits zwei genossenschaftliche Projekte gibt: Durch eins wurde die Schließung einer Kneipe verhindert – dort kümmert sich ein 40-köpfiges Team der Genossenschaft um den Thekenbetrieb – , durch das andere ein Dorfmarkt errichtet. So war es eigentlich nicht verwunderlich, dass bei einer Bürgerversammlung mit rund 100 Teilnehmern die Frage „Glauben Sie, dass so etwas funktioniert?“, von den meisten mit ja beantwortet wurde.

Clemens Wieland konnte einen Blick in die Kinderarztpraxis werfen.


Bernd Baßfeld hat bei dieser Versammlung bereits teilweise detaillierte Pläne vorgestellt. Ursprünglich hatte er initiieren wollen, dass das ehemalige Gimborner Rathaus in Hülsenbusch, das viele Jahre leer stand, mit Leben gefüllt wird – der neue Besitzer hat dies mittlerweile in Angriff genommen. Daher wurde vielleicht 100 Meter weiter eine Wiese genommen, auf der nun das Ärztehaus steht. Vorausgegangen war die Gründung der Genossenschaft und später die Einbindung der Ärzte und anderer Mieter in die konkrete Innenplanung.

Mieter sind nun eine Tagespflegeeinrichtung mit 14 Plätzen, eine logopädische, eine Kinderarzt- und eine Hausarztpraxis. Beim Besuch des Ärztehauses konnte der UWG-Vorsitzende (zufällig) auch mit dem Kinderarzt Volker Toelstede sprechen. Toelstede lebt in Hülsenbusch, praktiziert bislang mitten in Gummersbach. Für den Kinderarzt war es daher keine Frage, dass der Standort in seinem Wohnort deutlich besser ist. Er hat ebenso wie die anderen einen langfristigen Mietvertrag (zehn Jahre) unterzeichnet.

Finanziell auf sicherer Seite

Dass die Genossenschaft finanziell auf der sicheren Seite stehe, so Baßfeld, liege unter anderem auch daran, dass die Genossen mit einer ein- oder zweiprozentigen Dividende zufrieden sind. Was gleichzeitig bedeutet: „Reine Kapitalanleger wollten wir nicht“, sagt der Genossenschaftsvorstand. War so gesehen auch nicht notwendig, da „alle, auch Studenten und alte Menschen dabei sein“ wollten, auch wenn sie sich den Anteil von 500 Euro eigentlich nicht leisten konnten, so Baßfeld.

70 Prozent der Genossenschaftsmitglieder kommt aus Hülsenbusch, der Rest sind teilweise ehemalige Hülsenbuscher, die heute woanders leben, aber auch einige Marienheider, denen ein Arzt dort verkündete, „ihr könnt bald auch nach Hülsenbusch kommen“. Dass es letztlich auch so viele Mitglieder geworden sind, liege daran, dass eine Reihe ihre Anteile zeichneten, als sie sahen, dass das Projekt funktioniert, weiß Bernd Baßfeld.

Informationen über das neu errichtete Ärztehaus erhielt der UWG-Vorsitzende von Bernd Baßfeld und Kinderarzt Volker Toelstede (von links).


Und auch Politik und Verwaltung der Stadt Gummersbach stehen hinter dem Projekt, erklärt der Vorstand der Genossenschaft. Besonders weist er aber auf den Mehrwert für die Menschen in Hülsenbusch hin, die einerseits selbst etwas für ihre medizinische Versorgung getan haben. Auf der anderen Seite stärkt es – nach Genossenschafts-Kneipe und Dorfmarkt – weiter das Zusammengehörigkeitsgefühl. „Denn es kommt aus uns selbst heraus!“

Clemens Wieland folgert daraus, dass Hülsenbusch durchaus ein Vorbild für Kierspe sein könne – für die Gründung einer Immobiliengenossenschaft, in der auch die Stadt Mitglied wird. Als Anteil, so eine Idee, könnte sie das Gerätehaus an der Friedrich-Ebert-Straße einbringen. Ein Umbau lohne sich nicht, aber man könnte es abreißen und ein neues Ärztehaus errichten. Ob dort dann Mediziner auf eigene Rechnung praktizieren oder man das Modell einer Betreibergesellschaft wählt, müsse noch geklärt werden. Auch bei einer Betreibergesellschaft sei die Genossenschaftsform möglich, die dürfe allerdings nur aus Medizinern bestehen.

Mit Ärzten sprechen

Letztlich wird man mit den Ärzten in Kierspe, Halver und darüber hinaus sprechen müssen, ob sie in ein Ärztehaus als Mieter oder als Angestellte einer Betreibergesellschaft gehen würden. Denn es gebe Ärzte, die ihre Eigenständigkeit nicht aufgeben wollen, so betonte Bernd Baßfeld, aber froh sind, „dass sie mit der Immobilie nichts mehr zu tun haben“. Ob solche Modelle auch in Kierspe greifen können, muss in Gesprächen und Untersuchungen geklärt werden.

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