Schlechte Noten für Kiersper Einrichtungen

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Die MDK-Prüfer vergaben mehrfach die Note „Mangelhaft“. ▪

KIERSPE ▪ Deutlich unter dem Landesdurchschnitt liegt die Qualität der beiden stationären Pflegeeinrichtungen in Kierspe. Während in NRW die meisten Pflegeeinrichtungen mit einem „sehr gut“ und einer Durchschnittsnote von 1,2 die Prüfung des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung abschlossen, bekam die Seniorenresidenz von der Kommission nur eine 2,1, das Awo-Seniorenzentrum sogar nur eine 2,2.

Die Schwächen des Seniorenzentrums sahen die Experten insbesondere im Bereich „Pflege und medizinische Versorgung“. Dort gab es für die Einrichtung lediglich ein Befriedigend. Unter den 35 Kriterien dieser Kategorie gab es sogar sieben Mal die Note Mangelhaft. So gibt es beispielsweise Schwächen im Bereich Dekubitus (Wundliegen), Schmerzeinschätzung und regelmäßiger Schulungen der Mitarbeiter im Bereich Erste Hilfe und Notfallmaßnahmen. Eine Stellungnahme bezüglich der schlechten Teilnoten gab es nicht. Trotz mehrfacher Kontaktaufnahme war die Einrichtungsleiterin nicht zu erreichen.

Deutlich besser, nämlich mit einer 2,1, wurde der Umgang mit demenzkranken Bewohnern bewertet. Hier erfüllte das Haus sämtliche Kriterien, lediglich gesicherte Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien fehlten für eine 1,0 in diesem Bereich. Tadellos ist nach Ansicht der Prüfungskommission die soziale Betreuung und die Alltagsgestaltung sowie der Bereich „Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene“. Insgesamt wurden zum Zeitpunkt der Prüfung 84 Bewohner am Haunerbusch versorgt. Neben der Prüfung der Dokumentationen wurden von den Experten des Medizinischen Dienstes auch neun Bewohner in die Prüfung einbezogen, sechs von ihnen ausführlich über die Situation in der Einrichtung befragt. Die Senioren fühlen sich offensichtlich wohl, denn im Bereich „Befragung der Bewohner“ vergab die Jury eine 1,0.

„Die MDK-Prüfung ist keine Prüfung, die etwas über die Qualität eines Hauses aussagt. Überwiegend ist es eine Prüfung der innerbetrieblichen Dokumentation“, beschwert sich Christoph Schmidt, Leiter den Seniorenresidenz. Auch seine Einrichtung hat einige Defizite. Insbesondere im Bereich „Umgang mit demenzkranken Personen, dort vergaben die Prüfer lediglich ein befriedigend. Unter den zehn Kategorieen in diesem Bereich ist gleich dreimal die Note mangelhaft zu finden und zwar bei folgenden Prüfschwerpunkten: „Wird bei Bewohnern mit Demenz die Selbstbestimmung in der Pflegeplanung berücksichtigt?“, „Gibt es identifikationserleichternde Milieugestaltung in Zimmern und Aufenthaltsräumen?“ und „Wird mit individuellen Orientierungshilfen, zum Beispiel Fotos gearbeitet?“

„Das ist totaler Quatsch, wir wurden ziemlich zu Beginn geprüft, da war alles noch nicht fertig, das Team war noch nicht eingespielt. Zudem lebte zu diesem Zeitpunkt kein einziger Demenzkranker in unserem Haus“, erklärte Schmidt. Dem widerspricht aber der Bericht des Medizinischen Dienstes, der zwei Demenzkranke und insgesamt 40 Bewohner auflistet. Eine weiteres Mangelhaft im Bereich Dekubitusrpophylaxe sei entstanden, weil es keine Bewohner mit diesen Schwierigkeiten gab – daher sei es von den Mitarbeitern auch nicht dokumentiert worden. „Das musste sich erst einspielen. Das ist reine Bürokratie und uns geht es nicht ums Papier, sondern um den Bewohner – insofern ist es Schwachsinn, überhaupt darüber zu berichten. Wir gehen davon aus, dass sich das mittlerweile alles eingespielt hat, alles fertig eingerichtet ist und wir die nächste Prüfung auch mit einer 1,0 in der Endnote abschließen werden", gab sich Schmidt gelassen. ▪ lm

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