Matthias Heider besucht Märkische Werkstätten

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Nach einer kurzen Einweisung durch Jan Ostermann (links) montierte der Bundestagsabegordnete Matthias Heider Griffe an Wohnmobilfenster – unter den kritischen Blicken der stellvertretenden Kiersper Bürgermeisterin Marie-Luise Linde.

Kierspe - So einfach wie gedacht ist die Montage des Griffes an ein Dachfenster fürs Wohnmobil dann doch nicht. Doch der CDU-Bundestagsabgeordnete Matthias Heider bekam Unterstützung von Jan Ostermann, der üblicherweise an diesem Arbeitsplatz der Märkischen Werkstätten sitzt.

Die kleine praktische Übung war aber nur ein Randaspekt des Besuchs von Heider in dem Neubau am Kiersperhagen. Bereits seit Jahren ist Matthias Heider den Werkstätten für Menschen mit Behinderung verbunden, er hat die Einrichtung in Lüdenscheid schon mehrfach besucht, hat an Treffen des Gesamtwerkstattrates teilgenommen und lässt jährlich mehrere hundert Weihnachtsgrußkarten in einer solchen Einrichtung in Lennestadt fertigen. Gestern stand nun der erste Besuch in Kierspe an.

Umzug vor ziemlich genau einem Jahr

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass die mehr als 130 Beschäftigten samt der rund 25 Mitarbeiter des Johanneswerkes von Rönsahl in den Neubau zogen. Für den Politprofi war es kein Problem mit den Menschen in der Fertigung ins Gespräch zu kommen. Sicher auch deshalb, weil diese jedem Besucher sehr offen entgegentreten, stolz von ihrer Arbeit berichten und sich auch über die Abwechslung freuen.

Werkstatt zu mehr als 100 Prozent ausgelastet

Vor Ort erfuhr der Abgeordnete dann, dass die Werkstatt derzeit zu mehr als 100 Prozent ausgelastet sei. Das liege zum einen an einem „Großauftrag“, der Firma Weck, die die gleichnamigen Gläser derzeit in großer Stückzahl in Kierspe für den Handel verpacken lasse, zum anderen aber auch an dem Mindestlohn, der viele Firmen dazu bewogen habe, Heimarbeitsplätze abzubauen und diese Arbeit an die Werkstätten für Menschen mit Behinderung zu geben, erklärt Einrichtungsleiter Wolfgang Lill. Lill war es auch, der den Politiker gemeinsam mit Geschäftsführer Christoph Pasch und Peter Ojdyn vom Sozialdienst durch das Gebäude führte.

Einladung nicht ohne Hintergedanken

Gruppenleiterin Jennifer Thürmer erklärte Marie-Luise Linde und Matthias Heider die Aufgaben und Bedeutung des Berufsbildungsbereichs.

Eingeladen hatte das Führungsteam den Bundestagsabgeordneten nicht ganz ohne Hintergedanken, wird doch derzeit das Bundesteilhabegesetz neu beraten. Dieses will die Leistungen stärker an den Menschen binden – für die Werkstätten könnte das folgrenreich sein. Durch das Gesetz sollen die Menschen mit Behinderung mehr Möglichkeiten bekommen, über Maßnahmen selbst zu entscheiden. „Das bedeutet aber auch, dass es das Gesetz alternativen Anbietern leichter machen könnte, Menschen mit Behinderung einzustellen, da es dafür dann mehr Geld gibt“, erklärt Pasch. Damit diese Menschen dann besser klarkommen auf den ersten Arbeitsmarkt, müssen sie entsprechend qualifiziert werden.

Qualifizierung im Berufsbildungsbereich

Das geschieht unter anderem im Berufsbildungsbereich der Werkstätten, wie Gruppenleiterin Jennifer Thürmer anschaulich erklärte. Ziel der Bildungsarbeit sei es, die Menschen für bestimmte Tätigkeiten zu qualifizieren, idealerweise in dem Bereich, den sich der Mitarbeiter selbst ausgesucht habe. Thürmer: „Das Wunsch- und Wahlrecht des Mitarbeiters steht im Mittelpunkt, natürlich müssen da Wunsch und Wirklichkeit zusammenpassen.“ Damit das so ist, wird am Anfang von jedem neuen Mitarbeiter ein Kompetenzprofil erstellt.

Fragen des Werkstattrates gestellt

Zum Schluss des mehrstündigen Besuchs stellte sich Heider noch den Fragen des Werkstattrates – der Interessenvertretung der Mitarbeiter. Volker Lippke und Wolfgang Falkus hatten sich gut vorbereitet. Sie fragten nicht nur nach Ergebnissen aus Gesprächen mit Heider im Gesamtwerkstattrat, sondern regten auch an, dass die Politik Geld für eine Gleichstellungsbeauftragte bereitstelle. Außerdem war es ihnen ein Anliegen, darauf hinzuweisen, dass die Menschen mit Behinderung mit 65 Jahren aus dem Erwerbsleben ausscheiden müssten, auch dann, wenn sie gerne noch arbeiten möchten.

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