Martin Schriever regt Baumbestattungen und nichtanonyme Urnengräber auf Kiersper Friedhof an

Mehr Auswahl für die Angehörigen

Martin Schriever möchte, dass die Angehörigen bei der Auswahl der Bestattungsart mehr Freiraum und weitere Möglichkeiten bekommen – auch vor dem Hintergrund, dass die Urnenwände in Kürze vollständig belegt sind.
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Martin Schriever möchte, dass die Angehörigen bei der Auswahl der Bestattungsart mehr Freiraum und weitere Möglichkeiten bekommen – auch vor dem Hintergrund, dass die Urnenwände in Kürze vollständig belegt sind.

Kierspe – Zielsicher geht Bestatter Martin Schriever auf eine Baumreihe des Kiersper Friedhofs zu. Dort, wo vor einigen Jahren noch Gräber ihren Platz hatten, sind jetzt Rasenflächen. Und genau dort würde Schriever gerne Urnen beisetzen. Baumbestattung nennt sich das – bei weitem nicht das einzige, was auf dem Kiersper Friedhof fehlt

„Das Bestattungswesen hat sich in den vergangenen Jahren total verändert. Gab es bis vor rund 15 oder 20 Jahren nahezu ausschließlich Erdbestattungen, sind es mittlerweile in erster Linie Urnenbeisetzungen, die von den Angehörigen gewünscht werden“, sagt der Kiersper Bestatter. Nach seiner Schätzung wollen rund drei Viertel seiner Kunden eine Urne, die anderen setzen weiter auf den Sarg, wobei dieser auch in immer neuen Arten bestattet wird. Eine ähnliche Vielfalt wünscht sich Schriever nun auch bei den Urnen.

Er erzählt von einer Kiersper Familie, die ihre verstorbene Angehörige gerne im Rahmen einer Baumbestattung beisetzen wollte, da es die aber in Kierspe nicht gibt, liegt die Asche nun in Lüdenscheid, andere sind nach Freudenberg ins Siegerland gegangen. Schriever: „Ich würde gerne den Wünschen der Kunden entsprechen, aber das geht hier oft nicht.“ Doch bei den Bäumen ist für den Bestatter nicht Schluss. Gerne würde er den Angehörigen auch sogenannte nichtanonyme Urnengräber anbieten können, da gerade Angehörige, die nicht vor Ort leben, eine Bestattungsform suchen, die wenig Pflegeaufwand erfordert. Bei den Erdbestattungen gibt es diese Form schon lange in Kierspe. Dabei liegen die Grabsteine flach auf der Wiese und die Friedhofsgärtner können darüber hinwegmähen. „Bei den Urnen gibt es da nur die anonyme Bestattung, bei der Urne an Urne bestattet wird, ohne jeden Hinweis darauf, wer dort begraben liegt, das gefällt aber den Angehörigen oft nicht“, erklärt Schriever.

Solch ein Begräbnisfeld für Urnen wie in Heedfeld wünscht sich Martin Schreiver auch für den Kiersper Friedhof.

Derzeit gibt es noch eine Alternative zur nichtanonymen Urnenbestattung auf dem Kiersper Friedhof. Die letzte Urnenwand ist noch nicht voll belegt. Zwölf der 54 Kammern sind besetzt, der verbleibende Raum dürfte noch für einige Monate reichen.

Danach ist, so Schriever, mit dieser Bestattungsform allerdings Schluss, da weitere Wände nicht geplant sind. 2007 wurde der erste Urnenwürfel in Kierspe aufgestellt, wenige Jahre später der nächste. Seit dem sind etliche Urnenwände dazugekommen, nicht zum Gefallen aller Kiersper. „Ich weiß auch gar nicht, was mit den Urnen in den Kammern passiert, wenn die Belegungszeit nach 20 Jahren endet und die Angehörigen diese nicht verlängern.“

Bestatter kommen auf viele Friedhöfe, da schaut man natürlich auch immer mal, wie in anderen Städten mit dem Thema umgegangen wird.

Martin Schriever, Kiersper Bestatter

Seit einigen Jahren gibt es eine Lenkungsgruppe für den Friedhof, der neben Verwaltungsmitarbeitern vor allem Politiker aller Parteien und Wählergemeinschaften aus Kierspe angehören. Konkrete Ergebnisse dieser Arbeitsgruppe liegen aber noch nicht vor. Eigentlich sollten in diesem Jahr auch die Bestatter in diese Gruppe eingeladen werden, um sich mit diesen auszutauschen. „Das war noch vor den Kontaktbeschränkungen im Frühjahr. Doch bis heute ist nichts passiert. Dabei hätte man sich gut im Freien auf dem Friedhof treffen können, dort hätte es keine Gefahr einer Infektion gegeben“, bedauert Schriever, dass es zu dem Treffen nicht gekommen ist.

An den bestehenden Bäumen auf dem Friedhof sieht der Kiersper Bestatter Platz für Baumbestattungen.

Zu sagen hätte er der Stadt und den Mitgliedern der Gruppe vieles, da ist er sich sicher. „Bestatter kommen auf viele Friedhöfe, da schaut man natürlich auch immer mal, wie in anderen Städten mit dem Thema umgegangen wird.“ Neben den Baumbestattungen, die es beispielsweise in Lüdenscheid gibt, verweist er auf eine Anlage auf dem Friedhof in Heedfeld, auf der Urnen beigesetzt werden – die Anlage an sich werde professionell gepflegt. Dort wechseln sich ansprechende Blumenbeete mit Wiese ab – und zum Gedenken an die Verstorbenen werden deren Namen in „Stelen“ verewigt. Schriever: „So etwas muss ja nicht zwingend von den Friedhofsgärtnern betreut werden. Man kann eine solche Fläche ja auch an Fachbetriebe abgeben, die sich dann um die dauerhafte Pflege kümmern.“

Neben den schon beschriebenen neuen Bestattungsformen kann sich der Kiersper auch Baumbestattungen an noch zu pflanzenden Bäumen vorstellen. Von der städtischen Idee, zukünftig Urnen in Edelstahlröhren, die dann verschlossen und nach Jahrzehnten erneut belegt werden können, hält er wenig. „Kierspe verfügt über ein Bohrgerät, mit dem sich sehr schnell ein neues Loch öffnen lässt, um eine Urne beizusetzen. Wenn die Liegezeit abgelaufen ist, sind auch die allermeisten Urnen und auch die Kapsel, in der sich die Asche befinden, längst verrottet, da die Kapsel auf jeden Fall und auch die allermeisten Urnen aus einem Naturmaterial bestehen, das sich zersetzt“, erklärt der Bestattungs-Fachmann.

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