Marli Fricke feiert runden Geburtstag

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Die Kommunalpolitikerin und frühere Bürgermeisterin Marli Fricke feiert am Montag ihren 70. Geburtstag. –

KIERSPE – Auf ein bewegtes Politikerleben kann Marie-Luise Fricke, genannt Marli, an ihrem 70. Geburtstag, den sie am Montag begeht, zurückblicken. Bei dem Wunsch, der eigenen politischen und persönlichen Linie treu zu bleiben, nahm sie manchen Bruch im Lebenslauf in Kauf. Von Johannes Becker

Geboren in einem sozialdemokratisch geprägten Elternhaus am Haunerbusch, wuchs Marli Fricke mit politischen Idealen auf. 1977 wurde der Großvater, der stellvertretender Bürgermeister in Marienheide war, an seinem 100. Geburtstag von Willy Brandt für 80-jährige Mitgliedschaft in der SPD persönlich geehrt. Zwei Jahre später trat die Kiersperin selbst den Sozialdemokraten bei. Später war sie eine der drei Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen und auch sechs Jahre lang die erste Vorsitzende des SPD-Ortsvereins ihrer Heimatstadt. Ihre kommunalpolitischen Schwerpunkte waren und sind bis heute Bauen, Umwelt und Stadtplanung, wobei sie „erst“ seit 1984 kommunalpolitisch tätig ist.

Bereits fünf Jahre später wurde sie Ratsmitglied und stellvertretende Bürgermeisterin. Während der Ratsperiode und nach dem Rücktritt von Heinz-Willi Potthoff erste Bürgermeisterin der Stadt Kierspe. Und aufgrund der damals üblichen Doppelspitze war sie somit auch Sitzungsleiterin des Rates – wobei seinerzeit neben ihr noch Stadtdirektor Lipphardt Platz nahm.

„Nach der für die SPD verlorenen Kommunalwahl 1994 wurde mir persönlich die Verantwortung angelastet, dass die Sozialdemokraten nicht den ersten hauptamtlichen Bürgermeister stellten, ein Grund dafür war, dass die Sozialdemokraten sich für eine Besetzung dieser Position ausgesprochen hatten, obwohl das zu einem späteren Zeitpunkt noch möglich gewesen wäre. Eine damals kurz zuvor in die SPD eingetretene Genossin riet mir, doch ,jetzt mit Anstand abzudanken‘.“

1999 Bruch mit SPD und Annäherung an CDU

In der Konsequenz legte sie den Parteivorsitz nieder, blieb aber noch sechs Jahre für die SPD im Rat, obwohl ihre Fraktion damals nicht sie sondern Erich Mürmann zum stellvertretenden Bürgermeister wählte. Diese Jahre waren auch von ernsten gesundheitlichen und privaten Problemen geprägt. Hinzu kam eine berufliche Veränderung.

1999 kam es zum Bruch mit der SPD und der Annäherung an die CDU. „Ich wurde von dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Jürgen Tofote und den anderen Fraktionsmitgliedern herzlich aufgenommen.“ Als Gründe für diesen Schritt nennt sie heute nicht nur die gestörte Beziehung zu den Kiersper Sozialdemokraten: „Es war neben der kommunalpolitischen Enttäuschung auch die Wandlung der CDU zu einer Partei der Mitte, während sich zugleich die SPD unter Schröder zu einer reinen Wirtschaftspartei wandelte – mit seiner unverständlichen Freundschaft zu dem ,lupenreinen Demokraten‘ Putin. Auch das hat mich dazu bewogen, der CDU-Fraktion zunächst parteilos beizutreten und eineinhalb Jahre später auch CDU-Mitglied zu werden.“ Eine Entscheidung, die Fricke bis heute nicht bereut hat: „Ich arbeite gerne mit den Kollegen der Kiersper CDU-Fraktion zusammen und gehöre ihr als sachkundige Bürgerin im Ausschuss für Stadtplanung und Wirtschaftsförderung an.“

Nie habe sie ein Problem damit gehabt, sich der Fraktionsmehrheit unterzuordnen, wenn es um weniger wichtige oder kaum beeinflussbare Inhalte gehe. „Handelt es sich allerdings um meine Heimat Kierspe, gehe ich auf die Barrikaden. Wenn das Abholzen alter Kastanien, der Abbruch erhaltenswerter Gebäude oder der Neubau einer Spielhalle im Gespräch sind, dann fühle ich mich nur meinem Wissen und Gewissen gegenüber verantwortlich.“

„Große Achtung vor Bundeskanzlerin Merkel“

Auch bundespolitisch findet sie sich bis heute in der CDU wieder: „Ich habe große Achtung vor Bundeskanzlerin Merkel und wünsche mir die Zeiten der großen Koalition unter ihrer Führung zurück. Merkel ist es gelungen, sich gegen die CDU-Fürsten durchzusetzen. Die Frau ist als Naturwissenschaftlerin sachlich, klug, mutig und finanziell unabhängig. Sie hat es nicht nötig, ihren Partner für pressewirksame Auftritte zu nutzen. Meiner Meinung hat die Kanzlerin einen guten Stand und handelt klug für Europa und Deutschland.“

Auch gesellschaftlich hat Fricke ihre Aufgabe gefunden. Als Hobby bezeichnet sie ihre Arbeit für den „Verein Historische Brennerei Rönsahl“ als Schriftführerin und Mit-Organisatorin. „Es gibt viele Dinge im Leben, die man auch ab dem 70. Lebensjahr noch verantwortlich und sinnvoll erledigen kann. Ich akzeptiere mein Alter, fühle mich aber nicht so. Vor der Zukunft habe ich keine Angst und noch manche Idee“, so Fricke abschließend.

Gefeiert wird am Mittwoch mit der Familie, engen Freunden und guten Bekannten in dem zur gemütlichen Kneipe gestalteten Braukeller der Historischen Brennerei.

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