6,40 Meter lange Ahnengalerie birgt Überraschungen

Seit 2008 arbeitete Marlen Vedder, die im Heimatverein für das Fritz-Linde-Museum zuständig ist, an ihrem Stammbaum. Nun ist das imposante Werk fertig. Dank der Hilfe einer Druckerei wurde die Ahnengalerie auf eine 6,40 Meter lange Folie gedruckt. - Fotos: Schüller

KIERSPE -  Er ist 6,40 Meter lang, gespickt mit vielen farbigen Porträtfotos und zeigt das Ergebnis von sechs Jahren Ahnenforschung – der Stammbaum, den Marlen Vedder von ihrer Familie erstellt hat.

Von Petra Schüller

Dass die Ortsgeschichte für die Kiersperin, die im Heimatverein für das Fritz-Linde-Museum zuständig ist, eine Herzensangelegenheit ist, liegt auf der Hand – nun widmete sie sich ebenso leidenschaftlich den Wurzeln ihrer Familie. Sie zapfte alle verfügbaren Quellen an, führte Gespräche mit vielen auch entfernten Verwandten und sammelte Stammbücher, Fotos, Ahnenpässe oder Todesanzeigen, die sie wie Puzzlestücke zusammenfügte. Dabei half ihr ein Computerprogramm, das für diese Zwecke entwickelt wurde.

Die Reise in die Vergangenheit führte sie schließlich bis ins Jahr 1704, als ihr Urahn Peter Sessinghaus „auf dem Acker im Dorf“ in Kierspe geboren wurde. „Dieser Vorfahr hat seinerzeit den Schwanker Hammer in Mühlenschmidthausen betrieben“, berichtet Marlen Vedder von dem frühesten Vorfahren, den sie ermitteln konnte. Immer wieder traf die engagierte Forscherin auf überraschende Erkenntnisse. Zuletzt vor wenigen Tagen: „Als ich wieder einmal Zeit fand, weitere Dokumente zu sichten und auszuwerten, stellte ich fest, dass es eine familiäre Verbindung zum Heimatdichter Fritz Linde gibt“, so Vedder. „Mein Urgroßvater und der Schwiegervater von Fritz Linde waren Geschwister.“

Das ist nur eine von zahlreichen besonders interessanten Erkenntnissen, die die Nachforschungen aufdeckten. So zählt auch der frühere stellvertretende Außenminister der ehemaligen DDR, Dr. Heinz-Dieter Winter, zur weiteren Verwandtschaft – der Vater von Marlen Vedder war ein Cousin seines Vaters.

Dass das heutige Wohnhaus von Marlen und Horst Vedder in Höferhof in seiner wechselvollen Geschichte zunächst Eigentum der Familienseite von Marlen Vedder, geborene Köllenbach, war und wenige Monate nach einem tragischen Unglück im Jahr 1911 in den Besitz eines Vorfahren von Horst Vedder überging, zählt ebenfalls zu den ungewöhnlichen Erkenntnissen aus der Familienforschung. „Damals bewohnten meine Urgroßeltern mit sieben ihrer neun Kinder das Haus“, erzählt die Kiersperin. Zwei Kinder waren schon verheiratet. Im Dezember des Jahres sei ihr Urgroßvater, der als Schreiner arbeitete, auf tragische Weise ums Leben gekommen. „Beim Ausliefern eines Schranks, der eine steile Treppe hinaufgetragen werden musste, passierte es: Der Lehrling, der vorweg ging, konnte das schwere Stück nicht mehr halten. So kippte der Schrank hintenüber und mit dem Urgroßvater die Treppe hinunter“, berichtet Marlen Vedder. Das Schicksal meinte es in dieser Zeit nicht gut mit der Familie. Nur fünf Monate später starb auch seine Frau. Die Kinder wurden auf die Verwandtschaft verteilt, das Haus versteigert. Das höchste Gebot gab Gustaf Wiegold ab – der Großvater mütterlicherseits von Horst Vedder. Damals ahnte niemand, dass beide Familien später eine gemeinsame Linie vereinen würde.

Wie Marlen Vedder berichtet, hat der Stammbaum in Familienkreisen schon großes Interesse geweckt. Auch wenn es eine echte Herausforderung darstellt, ihn in voller Länge auszubreiten, so wurde er dennoch einmal im großen Kreis gezeigt. Das war bei den Feierlichkeiten zur Goldhochzeit von Marlen und Horst Vedder vor zwei Wochen. „Wir haben die Kunststoffbahn an Stellwänden befestigen können“, so Vedder. Versteht sich von selbst, dass der Stammbaum zum Hingucker des Abends wurde und Anstoß gab für so manches Gespräch über Erinnerungen und Anekdoten aus längst vergangener Zeit.

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