Marihuana-Prozess

Minderjährige sollten Marihuana an der Schule verkaufen

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„In Meinerzhagen und Kierspe ist es ziemlich am Boomen mit dem Kiffen“, sagte der Angeklagte.

Kierspe - Marihuana in Portionen zu 50 und 100 Gramm kaufte ein heute 24-jähriger Meinerzhagener in Köln-Chorweiler, schlug zwei Euro pro Gramm auf und verkaufte den Stoff weiter an teilweise minderjährige Zwischenhändler, die die Ware auch an Endverbraucher in der Gesamtschule Kierspe abgesetzt haben sollen.

Zum Auftakt des Prozesses im Landgericht Hagen legte der Angeklagte gestern ein weitgehendes Geständnis ab.

Insgesamt gut 500 Gramm der Droge soll der 24-Jährige auf diese Weise auf einem offenbar sehr aufnahmebereiten Markt abgesetzt haben. „In Meinerzhagen und Kierspe ist es ziemlich am Boomen mit dem Kiffen“, zeichnete der Angeklagte ein düsteres Bild hochgefährdeter 15- und 16-Jähriger.

 Er selbst wurde auf diesem Markt zwischen Mitte Februar und Ende April 2015 tätig – ohne den Druck eigener Sucht, wie er einräumte. Zwar sei er auch selbst vor ein paar Jahren Marihuana-Konsument gewesen, doch diese Geschäfte habe er lediglich aus Geldmangel betrieben. Über den Weiterverkauf der Ware an die Endkunden habe er nicht viel gewusst.

Zum Zeitpunkt der Geschäfte stand der Angeklagte unter laufender Bewährung

Dass bei seinen Geschäften im Verhältnis zur nun drohenden Strafe nicht allzu viel herumkam, sah er im Gerichtssaal sofort ein: „Es war schwachsinnig, sich wegen ein paar hundert Euro so eine Scheiße ans Bein zu binden.“ Strafrechtlich ist die Lage auch deshalb bedrohlich, weil der Angeklagte zum Zeitpunkt der Geschäfte noch unter laufender Bewährung stand: Im April 2013 hatte ihn ein Jugendschöffengericht im Amtsgericht Lüdenscheid wegen eines Raubüberfalls auf einen Geldboten in Rönsahl zu einer Haftstrafe von fast zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. 

Diese Strafe wurde im Mai 2015 endgültig erlassen, weil die Drogengeschäfte erst später aufgedeckt wurden. Doch auch der Umfang dieser Geschäfte macht eine vollstreckbare Haftstrafe wahrscheinlich: „Es wird ganz schwer mit Bewährung“, dämpfte der Vorsitzende Richter Dr. Christian Voigt entsprechende Hoffnungen. 

Der Angeklagte hatte sich seinerseits ein realistisches Bild von dem gemacht, was ihn nun erwartet, und dabei vor allem den Strafvollzug in der Justizvollzugsanstalt Attendorn studiert. Er hat derzeit viel zu verlieren, weil sein Leben offenbar in erheblich geordneteres Fahrwasser gekommen ist: Neben einer verantwortungsvollen und recht ordentlich bezahlten Arbeitsstelle zeigte sich der 24-Jährige besorgt um „Fußball, Fitness und ein neues soziales Umfeld“. Durch den offenen Vollzug in Attendorn könnte die Arbeitsstelle erhalten bleiben.

Angeklagter brach sein Schweigen

Diese Möglichkeit brachte auch der Vorsitzende ins Spiel. Ihm war es auch zu verdanken, dass der 24-Jährige sein Schweigen zu den Vorwürfen brach und umfassend aussagte. Am Donnerstag seien Zeugen im Halbstundentakt geladen – da bleibe nicht die Zeit für eine Einlassung des Angeklagten, belehrte der Richter den 24-Jährigen. 

Gleichzeitig bot er ihm aber – bei entsprechendem Bedarf – den ganzen gestrigen Verhandlungstag an, um in sich zu gehen und sich zu entscheiden. Er selber sei immer gut damit gefahren, einfach die Wahrheit zu sagen. Im Hinblick auf die Aussagen des Angeklagten geht die 6. große Strafkammer allerdings auf Nummer sicher und hört ab morgen die Zeugen.

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