Marie arbeitet drei Wochen in einer Werft bei St. Tropez

KIERSPE ▪ Alles ist bereit und die junge Frau freut sich schon riesig auf die nächsten drei Wochen. Gestern hatte sie noch ihre beigefarbene Schreinerlatzhose an und stand an den Maschinen in der Tischlerei von Udo Schmale in Elbringhausen, wo Marie Groß ihre Ausbildung absolviert. Heute dann schon will sie sich ins Auto setzen, um Richtung St. Tropez an die französische Mittelmeerküste zu starten.

Dort macht sie ein Auslandspraktikum bei einem Bootsbauer, bleibt also in der Branche und wird auch dort mit Holz als Werkstoff arbeiten.

Die 21-jährige hat ein Stipendium im Rahmen des EU-Förderprogramms „Leonardo da Vinci“ bekommen, das sich an Schüler, Studenten und auch Auszubildende wendet. „Mit ’Let’s go Azubi’ gibt es einen Bereich, der sich gezielt an Handwerkslehrlinge wendet“, erzählt sie. Ein Berufsschullehrer hatte sie 2009 dazu ermuntert, sich für das Stipendium zu bewerben – und dann hatte es tatsächlich geklappt. „Möglich ist es, dass einem Praktikumsstellen vermittelt werden, aber man kann sich auch selbst darum kümmern. Was ich dann gemacht habe“, schildert sie. Marie Groß’ Vater baut in seinem Unternehmen in Meinerzhagen selbst Schiffsmasten und vor geraumer Zeit hatte er einen Praktikanten aus Erftstadt, der später nach Frankreich gegangen ist. Über diesen Kontakt kam sie an die Praktikumsstelle in der gleichen Firma, in der dieser heute beschäftigt ist. Es geht für Marie nach Cogolin. Das sei ein Ort, wie sie beschreibt, in der Umgebung von St. Tropez, wo sich auch der Yachtservice Mordziol befindet. Unterkommen wird sie dort in einer Ferienwohnung. Es gab eine drei- bis viermonatige Vorbereitungszeit, in der sie alles klären konnte.

Und der Chef der Tischlerei in Elbringhausen beschäftigt mit Benjamin Kröcker derzeit sogar noch einen weiteren Auszubildenden, der für einige Zeit im Ausland tätig war, was natürlich passt: Udo Schmale hat seinen zwei Auszubildenden, wie er betont, die Verwirklichung ihrer Pläne gerne ermöglicht, als er davon hörte und auch merkte, wie ernst es ihnen damit war. So war der 19-Jährige Anfang des vergangenen Jahres in Brasilien, um Missionsarbeit zu leisten. „Ich habe auf dem Bau geholfen. Wir haben Fliesen gelegt, Innenausbauten vorgenommen und angestrichen“, berichtet er von seiner Tätigkeit, bei der er seine Kenntnisse als angehender Schreiner natürlich prima nutzen konnte. Er gehörte zu einer Gruppe des christlichen Missionswerks Hoffnungsstrahl aus Hamm, das in Queimadas, rund 160 Kilometer von der Zwei-Millionen-Metropole Curitiba entfernt, Mission betreibt. „Natürlich steht auch Evangelisation auf dem Programm. Vor allem aber werden die Menschen mit Lebensmitteln versorgt, die durch Spenden aus Deutschland vor Ort gekauft werden, und es werden Häuser und Wohnungen gebaut. Denn viele leben dort noch in einfachen Hütten“, berichtet der junge Mann, der bei Udo Schmale inzwischen im dritten Lehrjahr ist.

Elebnisse, die

man nicht vergisst

Seinem Chef ist Benjamin Kröcker dankbar, dass dieser ihm die Zeit ermöglicht hat. „Es war für mich ein tolles Erlebnis. Ich würde das gerne nochmals machen und dann vielleicht länger nach Brasilien gehen“, sagt er und informiert, dass es inzwischen in Queimadas eine kleine evangelische Gemeinde von vielleicht rund 30 Gläubigen gebe. Die Begegnung mit den Indios und der fremden Kultur fand er hochinteressant. Ebenso, dass es eine insgesamt sehr sinnvolle Aufgabe war. Er half in den drei Wochen dabei, erst einmal den Wohnraum für die Missionshelfer herzurichten.

Marie Groß ist durch die Ausbildung in der Schreinerei Schmale natürlich fit im Umgang mit Holz und schon richtig gespannt, wie sie ihre Kenntnisse nun in der französischen Bootswerft einbringen kann. Ganz neu ist der Schiffsbau für sie obendrein nicht, wenn sie sich in Elbringhausen auch stärker mit dem Ausbau von Räumen und Gebäuden oder der Herstellung von Mobilar und anderen Schreinerarbeiten befassen muss. „Meine Eltern haben zuhause einige Jahre lang ein Holzboot ausgebaut und hergerichtet, das heute in Holland steht. Dort segele ich seitdem auch selbst“, erklärt Marie. Daher wird sie sich wohl recht leicht bei Mordziol in Cogolin zurechtfinden und bestimmt klarkommen.

Ängstlich ist sie überhaupt nicht, sondern blickt den nächsten drei Wochen voller Erwartungen entgegen. Dass sie selbst mit dem Auto fährt, kam nicht von ungefähr: „Denn ich möchte mir nebenbei die Gegend anschauen“, lächelt sie. Für die Zeit musste sie nur eine Woche Urlaub nehmen, für den Rest kann sie Überstunden abbauen. Natürlich hofft sie sehr, dass sie schönes Wetter haben und die Sonne scheinen wird. Doch auch am Mittelmeer ist das längst nicht immer garantiert: „Derzeit herrscht dort Sturm und Hochwasser“, hat sie sich bereits erkundigt. „Aber nächste Woche soll es besser werden.“ ▪ rh

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