Hightech im Margarethenkirchendach

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Betreten verboten! Die Zwischendecke im Dachstuhl besteht aus einem nur wenige Zentimeter dicken Geflecht.

Kierspe - Im Dachgewölbe der Margarethenkirche war am Mittwoch viel Betrieb: Der Innenraum des Daches wurde vermessen, um für die geplanten Renovierungsarbeiten Grundlagen für statische Berechnungen zu erhalten. Dabei bewegten die Fachleute sich vorsichtig auf den provisorischen Holzstegen.

Der eigentliche Boden ist ein gerade mal drei bis vier Zentimeter dickes Geflecht. „Wer da drauf tritt, landet im Kirchenraum“, warnte ein Techniker. Die Zwischendecke, vom Kircheninnenraum als Deckenspiegel sichtbar, wurde 1962 eingezogen und ist an ihren Fußpunkten sanierungsbedürftig. 

Die sind für den Laien nicht erkennbar, ihre Tragfähigkeit kann nur mit Hilfe von „Hightech“ exakt bestimmt werden. Eine Treppe höher, im Gebälk des Dachstuhls, installierten die Mitarbeiter des Vermessungsbüros Toralf Schulz aus Lüdenscheid deshalb ein 3D-Messgerät. Von verschiedenen Punkten aus maß der Messkopf des Raumscanners, berührungslos und punktgenau, in Rundum-Sicht Binder, Laufstege und Dachhaut. 

Nach unten wurde ebenfalls gemessen. „Aus dieser riesigen Punktwolke gewinnen wir Geometrie und statisches System des Dachstuhls“, beschrieb Statiker Gerhard Langfeld den Zweck des Verfahrens. Mit Hilfe der so gewonnenen Daten kann er dann die Lasten berechnen, die auf den Fußpunkten ankommen. 

Die eigentliche Renovierung nimmt ein Spezialunternehmen vor. „Wir legen Futterstücke ein und reduzieren dadurch die Feuchtigkeit“, erläuterte Langfeld. Sollte irgendwann, möglichst Jahrzehnte später, die Feuchtigkeit wieder überhand nehmen, brauchen nur diese Futterstücke ausgewechselt zu werden. 

Der auf Baudenkmäler spezialisierte Diplom-Ingenieur war schon bei der Turmsanierung dabei. Einen statisch so komplizierten Dachstuhl habe er noch nie gesehen, meinte er. Architektin Barbara Hemicker und Küsterin Ingrid Kinsky, von Haus aus Bauzeichnerin, zeigten sich ebenfalls begeistert vom Balkengewirr, das Hemicker mit den Spanten und Planken eines Ruderbootes verglich. 

Ein Baubiologe muss noch die bislang nicht untersuchten Fußpunkte begutachten. Messergebnisse und Berechnungen erwartet Barbara Hemicker für das erste Quartal 2018, sie liefern die Grundlage für alle weiteren Planungen. Dazu gehört nicht zuletzt die Finanzierung. Aus eigenen Mitteln kann die Gemeinde die Renovierung nicht stemmen, die Bewilligung von Fördergeldern ist also Voraussetzung für den Beginn der Zimmermannsarbeiten. Die wiederum können nur im Winter stattfinden, im Sommer sei es zu heiß im Dach. 

Die Architektin veranschlagte einen Zeitraum von drei bis vier Jahren für das Gesamtprojekt, 2021 werde man hoffentlich fertig sein. Sorgen um die Sicherheit braucht sich bis dahin niemand zu machen, wie es heißt: „Es besteht keine Einsturzgefahr!“

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