Marcel Reif liest im Sozialen Bürgerzentrum

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Im Anschluss an den offiziellen Teil signierte Marcel Reif sein neues Buch.

Kierspe - Kurzweilig war der Abend mit dem Fußball-Kommentator Marcel Reif und dem heimischen WDR-Moderator Matthias Bongard im Sozialen Bürgerzentrum Hand in Hand.

Dorthin war der KuK-Verein (Verein für Kommunikation und Kultur in Kierspe und Meinerzhagen) bekanntlich ausgewichen, hatte vom ursprünglichen Plan, die Veranstaltung im PZ der Gesamtschule auszurichten, Abstand genommen, nachdem der Vorverkauf schleppend verlaufen war.

Im Sozialen Bürgerzentrum hatten sich am Freitag dann schließlich rund 70 Besucher eingefunden, die sich Reifs Lesung nicht entgehen lassen wollten.

Es drehte sich allerdings nicht alles um Fußball. „Es wird ein Abend zum Schmunzeln, zum Lachen, es wird auch ein nachdenklicher und voller Überraschungen steckender Abend“, begrüßte Matthias Bongard die Gäste und versprach dabei nicht zu viel. Einen Tag nach dem Erscheinen seines Buches „Nachspielzeit – ein Leben mit dem Fußball“ machte Marcel Reif mit zwei Kapiteln auf sein Werk neugierig, doch am Vergnüglichsten waren die Phasen dazwischen. „Schreiben ist nicht mein Metier“, bekannte der TV-Kommentator. „Im Brandbriefe schreiben, da bin ich brillant, doch für das Buch habe ich mich der Edelfeder von Holger Gertz bedient.“

In Polen geboren, mit sechs Jahren nach Israel gezogen und dann mit acht Jahren nach Kaiserslautern, das war für Marcel Reif eine traumatisierende Zeit. Die fehlenden Sprachkenntnisse machten ihm zu schaffen, bis seine Mutter ihn in Kaiserslautern in den Fußballverein steckte. „Ich konnte kicken. Das Trauma ist umgeschlagen.“

Während des Studiums beim ZDF hospitiert

Während seines Studiums in Mainz hospitierte er beim ZDF, brach seine Promotion ab und arbeitete bei diesem Sender für 22 Jahre. „In einem war ich mir damals ganz sicher, ich werde kein Sportjournalist“, so Reif. „Sport war mein Hobby, das wollte ich mir nicht durch Arbeit versauen.“

Diesen Grundsatz behielt er bei – bis 1984, da wechselte er in die Sportredaktion. Zuerst saß er noch beim ZDF am Mikrofon, dann bei RTL und zuletzt bei Sky. „Als ich vor einem Jahr merkte, dass ich mich in meinen Kommentaren wiederholte, entschloss ich mich aufzuhören, obwohl mir klar ist, dass man als Kommentator nicht immer neu und originell sein kann.“ Umgang mit den Kollegen hatte er wenig, der ist jedoch im Allgemeinen nicht eng. „Die Kritikkultur in unserer Branche ist nicht übermäßig ausgeprägt, daher ist es wichtig, einen Kreis im Privaten zu schaffen“, so Reif.

Die jungen Kollegen sieht er nicht mehr als Kommentatoren an. „Sie haben Schiss vor Shitstorms, das lässt sie flach fliegen. Sie wollen alle schön, reich und berühmt werden.“

Doch auch vor dem Fußball machte Reif nicht halt. Er glaubt, dass dieser Sport beginnt, sich von seinen Fans zu entfernen. Dass junge Fußballer Unsummen verdienen, verstehen viele Fans nicht mehr. Auch was in der Fifa passiert, geht über das erträgliche Maß hinaus.

Der Abend im Sozialen Bürgerzentrum war wie ein gutes Fußballspiel – jedoch eines mit Verlängerung. Marcel Reif und Matthias Bongard spielten sich die Bälle geschickt zu, parierten sie originell oder auch verblüffend. Nichts war vorhersehbar. Und so fühlten sich auch sportferne Gäste sehr gut unterhalten.

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