2018: Neuer Rekord in Kierspe mit 62 Sommertagen

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Die eigene Messstation im Garten: Marc Thiessenhusen hat Temperatur, Niederschlag und Wind genau im Blick.

Kierspe – So viele Sommertage und so wenig Niederschlag wie noch nie – das ist die Bilanz des Sommers. Auch in Kierspe treffen diese Daten zu – erhoben von Marc Thiessenhusen, der bereits seit deutlich mehr als zehn Jahren die lokalen Wetterdaten erfasst.

Fast jeder zweite Tag ein Regentag – man will es kaum glauben, dass es im vergangenen Jahr 161 Niederschlagstage in Kierspe gab. Was viel klingt, ist für den Fachmann extrem wenig. „In den vergangenen 12 Jahren hatten wir immer zwischen 205 und 215 Niederschlagstage“, sagt Marc Thiessenhusen.

Bereits als Jugendlicher hat sich Thiessenhusen für die Meteorologie begeistert, seit 2004 besitzt er eine eigene Wetterstation, die seit 2005 Daten für ganze Jahre liefert. Erfasst werden dort Temperatur, Niederschlag, Luftdruck, Feuchtigkeit, Windrichtung und -stärke. Jahrelang hat Thiessenhusen auch die Schneehöhe gemessen, das geht aber mittlerweile nicht mehr, da er nicht mehr in Kierspe lebt. Der 30-Jährige befindet sich derzeit im Referendariat in Lippetal.

Alle anderen Daten stehen aber auch weiterhin zur Verfügung, da die Station alle Messwerte speichert. Ist Thissenhusen dann vor Ort, kann er die Daten auf seinen Rechner übertragen. Parameter, die er selbst nicht erfasst, holt er sich von der Station des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Lüdenscheid. „Die liegt ungefähr auf der gleichen Höhe wie meine. Dadurch werden die Ergebnisse vergleichbar“, erklärt Thiessenhusen. Der DWD ist es auch, der gerade mitgeteilt hat, dass das Sauerland im vergangenen Jahr die sonnenärmste Region in Deutschland war. Und Thiessenhusen ergänzt, dass es auch in Kierspe das niederschlagsärmste Jahr seit dem Beginn seiner Aufzeichnungen war. „Mit nur 883,8 Litern auf den Quadratmeter liegen wir erstmals unter 1000 Litern pro Quadratmeter. Zum Vergleich: im Jahr 2007 gab es 1765,9 Liter Niederschlag“, so der Hobby-Meteorologe. Allerdings sei 2007 auch ein Ausnahmejahr mit vielen Wetterextremen und Starkregenereignissen gewesen.

Thiessenhusen macht aber auch klar, dass das Jahr noch viel trockener gewesen wäre, wenn der Dezember nicht viel Regen gebracht hätte. So fielen in diesem Monat immerhin 183,8 Liter Regen und trotzdem weniger als in manch anderem Jahr. Im Dezember 2012 hat Thiessenhusen 263,3 Liter Niederschlag gemessen. Der Kiersper macht aber auch klar, dass es in den vergangenen Jahren Monate mit extrem wenig Niederschlag gegeben habe. So erfasste er für den April 2007 gerade einmal 2,1 Liter Regen. „Wobei der April sowieso immer einer der trockensten Monate ist.“

Marc Thiessenhusen mit den Zahlen für die vergangenen zwölf Jahre.

In vielen Punkten decken sich Daten bei den Extremen mit denen, die der DWD für die gesamte Republik ermittelt hat. Manchmal zeigt sich aber auch, dass das Sauerland sein ganz eigenes Wetter hat. So teilt der Wetterdienst mit, dass 2018 das wärmste Jahr gewesen ist. In Kierspe war es nur das zweitwärmste in den vergangenen 12 Jahren. Mit 9,3 Grad Celsius Durchschnittstemperatur blieb es kühler als 2014. Damals lag die Durchschnittstemperatur bei 9,7 Grad Celsius.

Der wärmste Tag im Durchschnitt war übrigens im vergangenen Jahr in Kierspe der 26. Juli mit einer Temperatur von 24,6 Grad Celsius im Mittel, die höchste Temperatur wurde am 7. August mit 34,8 Grad Celsius gemessen.

Am kältesten war es übrigens am 28. Februar mit minus 13,2 Grad Celsius. Dieser Tag war auch der kälteste im Mittel mit minus 9,1 Grad Celsius. „Interessant ist auch, dass es an allen 28 Februartagen Frost gab. Das hatte ich bislang noch nie an meiner Station gemessen“, sagt Thiessenhusen.

„Im Grunde waren die Temperaturen im vergangenen Jahr sehr angenehm. Es gab im Mai und Juni keine Tage mit drückender Hitze und auch die Nächte brachten immer eine Abkühlung“, erklärt der Meteororloge. So habe es 2018 keine einzige tropische Nacht gegeben. Denn für eine solche darf die Temeperatur nicht unter 20 Grad Celsius sinken. Im vergangenen Jahr sank die Temperatur aber in der wärmsten Nacht auf 17,6 Grad Celsius. Das war nach den Daten von Thiessenhusen am 24. August.

Doch auch, wenn es nicht extrem heiß wurde, mit 62 Sommertagen (Tage mit einer Durchschnittstemperatur von mehr als 25 Grad Celsius) war das Jahr auch in dieser Richtung alles andere als gewöhnlich. In den Jahren 2003 und 2006 gab es erstaunliche 32 Sommertage, der bisherige Rekord an der Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes in Lüdenscheid. Hitzetage (mehr als 30 Grad Celsius) zählte Thiessenhusen im vergangenen Jahr elf. „An der Wetterstation in Lüdenscheid lag der Rekord bis jetzt ebenfalls bei elf Hitzetagen.“

Weitere Wetterdaten aus Kierspe:

Trotz aller Hitze im Sommer, es gab im vergangenen Jahr auch kalte Tage, nämlich genau 135 (kälter als 10 Grad Celsius) – darüber hinaus wurden 89 Frosttage gezählt. Der Februar war der kälteste seit Beginn der Aufzeichnungen durch Marc Thiessenhusen. Im Oktober wurde zwar nur ein Sommertag (mehr als 25 Grad Celsius) gemessen. Dafür gab es aber elf Tage, an denen die Temperatur zwischen 20 und 24,9 Grad Celsius lag. In der Zeit zwischen dem 19. Juli und dem 9. August gab es 22 Sommertage am Stück. Der Juli war auch der trockenste Monat des Jahres mit einem Niederschlag von 26,8 Litern auf den Quadratmeter.

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