Malerin und Musiker aus Kierspe erleben die Pandemie ganz unterschiedlich

Zwei Künstler – zwei Krisen

Über sich selbst sagt Andreas Koch, dass er viel Glück gehabt habe. Aber das Schicksal vieler anderer Künstler, denen ihr komplettes Einkommen weggebrochen ist, rührt ihn sehr.
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Über sich selbst sagt Andreas Koch, dass er viel Glück gehabt habe. Aber das Schicksal vieler anderer Künstler, denen ihr komplettes Einkommen weggebrochen ist, rührt ihn sehr.

Kierspe – Der eine musste Konzerte absagen, die andere Ausstellungen. Aber während für den Gitarristen Andreas Koch der Unterricht während des gesamten Jahres weiterlief, musste die Malerin Claudia Ackermann in diesem Bereich etliche Einbußen hinnehmen – und jetzt treffen sie die neuen Kontaktbeschränkungen erneut sehr hart.

„Ich habe großes Glück gehabt und wenig Einbußen – weil ich im Grunde die ganze Zeit über unterrichten konnte“, berichtet Andreas Koch über die vergangenen Monate. Und auch bei den jetzigen Kontaktbeschränkungen scheint er Glück zu haben, da die Musikschulen gerade einmal drei Tage schließen mussten.

Komplett ausgefallen sind allerdings die Konzerte, die Koch so gerne gibt. „Ich plane aber jetzt wieder Auftritte ab Dezember, unter anderem in der Kirche St. Josef“, erzählt der Kiersper.

In der Zeit der ersten Kontaktbeschränkung im Frühjahr hat der Gitarrenlehrer seine Schüler, die er an der Clara-Schuhmann-Musikschule, wo Koch eine Dreiviertelstelle hat, betreut, online unterrichtet. Erfahrungen hatte er mit dieser Art des Unterrichts bereits gesammelt, weil er einen Teil seiner Privatschüler, die im Land verstreut sind oder auch im Ausland wohnen, bereits länger auf diese Art uns Weise unterrichtet hatte. Koch: „Letztlich war die Zeit aber gar nicht so lang und dann konnte ich zum Präsenzunterricht zurückkehren.

„Da ist es vielen anderen sehr viel schlechter ergangen“, resümiert er. Koch ist, allein schon beruflich, eher ein Meister der leisen Töne. Doch als er über seine Künstlerkollegen und die Kunst im Allgemeinen in Corona-Zeiten spricht, da kann er seine Verärgerung nicht zurückhalten: „Ich finde es erschreckend und unglaublich, wie die Kultur auf der Strecke bleibt und wie wenig die Kunst in den Gedanken der Verantwortlichen eine Rolle spielt. Die geringe Hilfe des Staates, die bislang gezahlt wurde, reicht da nicht annähernd.“

Eine dieser Künstlerinnen, die die Kontaktbeschränkungen hart getroffen hat, ist Claudia Ackermann. Vor allem, weil sie anfangs nicht wusste, ob sie dieses Jahr wirtschaftlich überstehen wird. Ihren Lebensunterhalt bestreitet die Kiersper Malerin vor allem mit ihrer Malschule, die sie im Frühjahr komplett schließen musste. Da kam die Unterstützung des Landes gerade recht. „Aber das Geld durfte nur für laufende Kosten wie Miete und Heizung des Ateliers verwendet werden. Wovon ich leben sollte, war unklar“, erinnert sich Ackermann, die damals an die eigenen Reserven musste. Später habe es dann vom Land eine Art Ausfallgehalt von 1000 Euro gegeben. Zwei Mal wurde dieser Betrag gezahlt, dann konnte Ackermann ihre Malschule Anfang Mai wieder öffnen. „Ich habe mich natürlich gefreut, vor allem aber die Schüler, das war deutlich zu merken. Viele waren einfach froh, über den Unterricht und den Austausch über die Kunst wieder auf andere Gedanken zu kommen“, so Ackermann.

In Ausstellungen kann Claudia Ackermann ihre Kunst derzeit nicht zeigen. Und die Malschule musste sie jetzt auch erst einmal wieder schließen.

Die Zeit der Kontaktbeschränkungen hatte die Kiersperin genutzt, um ihren Unterrichtsraum für die Zeit der Wiedereröffnung vorzubereiten. Alle Tische wurden möglichst weit auseinandergezogen und, um sieben Malschüler unterzubringen, schaffte sie auch noch weitere Möbel an. Ackermann: „So war es möglich, dass die Schüler ihre Masken abnehmen konnten, wenn sie an ihrem Platz saßen.“

Der nächste, wenn auch kurze Schreck kam in den Sommerferien, in denen die Malschule üblicherweise schließt. „Da haben etliche Eltern ihre Kinder abgemeldet, weil sie ihren Job verloren haben oder ein Ende der Kurzarbeit nicht absehbar ist“, schildert Ackermann die Situation. Doch bereits kurz darauf seien sehr viele Anfragen von Eltern gekommen, die einen Platz in einer Malschule suchten. „Sogar aus Nümbrecht und Waldbröl wurde ich angerufen. Die Eltern waren verzweifelt auf der Suche nach Angeboten für ihre Kinder, weil ganz vieles abgesagt worden ist“, erzählt die Künstlerin, die sich freute, so auch die Kindermalkurse wieder füllen zu können. „Und jetzt kommt der zweite Lockdown“, die Frustration ist Claudia Ackermann deutlich anzuhören, „und das wird sicher nicht der letzte sein.“

Ich habe großes Glück gehabt und wenig Einbußen – weil ich im Grunde die ganze Zeit über unterrichten konnte.

Andreas Koch, Musiker

Auch Ackermann hat das Gefühl, dass die Künstler nicht genügend im Blick der Politik sind: „Man kommt sich vor wie ein Bürger zweiter Klasse.“ Aber nicht nur die Politik habe die Möglichkeit, Künstler zu unterstützen, sondern auch die Menschen vor Ort könnten zeigen, dass ihnen die Kulturszene am Herzen liegt. Ackermann: „Man kann als Weihnachtsgeschenk ja auch ein Werk eines heimischen Künstlers kaufen.“

Diese von ihr erhoffte Solidarität erlebt sie von ihren Malschülern derzeit: „Ich wollte auf den Semesterbeitrag verzichten, weil ich die ausgefallenen Malstunden gar nicht alle nachholen kann. Das haben aber alle erwachsenen Malschüler abgelehnt, mit dem Wunsch, mich unterstützen zu wollen. Das ist schon toll.“

Man kommt sich vor wie ein Bürger zweiter Klasse.

Claudia Ackermann, Malerin

Ähnliches hat sie im Frühjahr mit einem Seniorenheim in Olpe erlebt, in dem sie Malunterricht gibt. „Die Mitarbeiter dort hatten damals ebenfalls angeboten, mich weiter zu bezahlen, ich sollte dann die Stunden nachholen, wenn as wieder möglich ist. Doch diese Zahlung habe ich schnell einstellen lassen, weil völlig unklar war, wann es wieder losgehen würde“, erinnert sie sich. Im Gespräch sei sie mit dem Heim aber geblieben, da dieses nahezu verzweifelt auf der Suche gewesen sei, Angebote für die Bewohner zu finden. Jetzt habe man einen Termin gefunden, doch durch die steigenden Zahlen sehe sie keine Möglichkeiten zu einer Zusammenarbeit: „Ich möchte keinesfalls einen dieser älteren Menschen gefährden. Da werden wir wohl jetzt bis zum Frühjahr warten müssen.“

Hart getroffen wurde Ackermann auch bei den Ausstellungen, die alle abgesagt oder verschoben werden mussten. „Es ist nicht schön für einen Künstler, wenn er seine Kunst nicht mehr zeigen kann“, sagt sie. Glück hat sie mit anderen Auftraggebern gehabt. So konnte sie gerade für einen Verlag weitere Videoanleitungen erstellen und für einen anderen Verlag hat sie mehrere Doppelseiten eines Magazins mit Anleitungen füllen können.

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