Vom Schreibtisch auf die Showbühne

Magische Verwandlung: Arnd Clever verzaubert

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Arnd Clever, der ehemalige Sparkassen-Marketingleiter, hat sich Zauberkünstler vor genau einem Jahr selbstständig gemacht.

Kierspe - Dass es Bankkaufleuten möglich ist, nahezu jede beliebige Menge Geld verschwinden zu lassen, haben diese vor rund zehn Jahren eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Doch Arnd Clever kann auch Dinge hervorzaubern, die vorher nicht da waren. Seit einem Jahr hat der frühere Marketingleiter der Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen dem Bankgeschäft den Rücken zugekehrt, um sich ganz seiner Leidenschaft, der Magie, zu widmen.

Es ist zum Verrücktwerden: Arnd Clever hält das simple schwarze Holzstäbchen nur wenige Zentimeter von den Augen seiner Zuschauer entfernt. Drei Kreidestriche, die er dort aufgebracht hat, verschwinden und erscheinen gerade so, wie der Zauberer das möchte, aber ohne, dass der aufmerksame Beobachter eine Chance hat, hinter den Trick zu schauen. Was bleibt, ist Verblüffung. 

Das sind die Augenblicke, die Clever liebt. „Menschen zu überraschen, Ihnen Freude zu bereiten und ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, dafür lohnt sich jeder Auftritt“, da ist sich der 46-Jährige ganz sicher. Dass er den sicheren Job bei der Bank gegen die Bühne mit all ihren wirtschaftlichen Risiken eingetauscht hat, war auch für den Lüdenscheider nicht selbstverständlich, doch bereut hat er diesen Schritt an keinem der zurückliegenden 365 Tage. 

Start als Alleinunterhalter

Der gebürtige Halveraner hatte schon vor dem Abitur als Alleinunterhalter sein Taschengeld aufgebessert und erste Bühnenerfahrung gesammelt. Mit seinem Keyboard war er bei Hochzeiten, Firmen- und Familienfeiern der Erste – und meist auch der Letzte. „Dabei fand ich so manches Mal ein Publikum vor, das so gar keine Freude an der Feier zeigte. Damals habe ich mir schon gewünscht, mehr machen zu können, um die Menschen zu erfreuen. Ich habe das immer als Aufgabe des Alleinunterhalters gesehen“, sagt Clever. 

Doch bevor der Zauberstab zum Werkzeug wurde, wurde es erst einmal die Computer-Tastatur. Nach dem Abitur hatte sich der junge Halveraner in Lüdenscheid und Kierspe bei den jeweiligen Sparkassen um einen Ausbildungsplatz beworben – geklappt hat es dann bei beiden. 

„Ich habe mich für Kierspe entschieden, da meine Eltern, die ein Einzelhandelsgeschäft in Oberbrügge betrieben, bereits geschäftliche Beziehungen zur Kasse in Kierspe hatten“, erinnert er sich. Unterschrieben hat er 1992 seinen Vertrag noch bei der Sparkasse Kierspe, seine Ausbildung begonnen hat er jedoch bei der gerade fusionierten Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen. 

Drei Jahre später entschied sich Clever für den Zivildienst und eine Stelle im Lebenshilfe-Wohnheim in Lüdenscheid. „Das war eine wertvolle Zeit und ein prägendes Jahr“, sagt er heute – und erzählt, dass er sich damals zum ersten Mal gefragt hat, wie es beruflich weitergehen soll.

Interesse hatte er an Marketing und Werbung, und zum Glück einen Arbeitgeber, der ihm dort alle Möglichkeiten zur Weiterbildung und Entwicklung gab. Bereits Mitte der 2000er-Jahre übernahm er die entsprechende Abteilung. Parallel dazu hat er aber immer auch als Alleinunterhalter gearbeitet – und bereits seit Anfang der 1990er-Jahre auch gezaubert. Clever: „Ich hatte natürlich als Kind schon einen Zauberkasten. Aber als Jugendlicher hat sich das Interesse an der Magie auch wieder gelegt.“

Magie begann mit David Copperfield

Letztlich war es David Copperfield, der Clever begeisterte. Anfang der 1990er-Jahre war der Amerikaner nach Dortmund gekommen. In der zehnten Reihe saß damals Clever – und hatte für die Karte rund 100 Mark bezahlt. „So etwas hatte ich noch nie gesehen“, zeigt er sich noch heute begeistert. In der Folgezeit war der Bankkaufmann oft in Bibliotheken anzutreffen, wo er viel über Zauberei gelesen hat. 

Über den Vater einer Freundin habe er dann Kontakt zum Magischen Zirkel in Lüdenscheid bekommen. Nach einer ersten Überprüfung, ob er fachlich und menschlich in den kleinen Kreis passt, folgte eine einjähriger Anwärterzeit und schließlich noch eine Aufnahmeprüfung, bevor er sich ganz dazu zählen durfte. 

Geheimnisumwitterter Zirkel

Insgesamt gehören rund 15 Mitglieder dem kleinen geheimnisumwitterten Kreis an, längst nicht alle aus der unmittelbaren Umgebung, sondern auch aus Hagen, Schwerte und Nümbrecht. Einmal im Monat treffen sich die Zauberer, um sich ihre neuen Tricks vorzuführen, Tipps auszutauschen und voneinander zu lernen. Jedes Mitglied hat sich so einen Schwerpunkt erarbeitet, bei Arnd Clever ist es die sogenannte Stand-up- und Tischzauberei – kombiniert mit parodistischen Gesangs- und Musikeinlagen. 

Der Zauberkünstler Arnd Clever liebt es, sein Publikum zu fesseln.

„Mir macht es einfach Spaß, so nah vor den Menschen zu zaubern, dass diese es zwar anfassen, aber nicht begreifen können.“ Neben seinem Fulltime-Job und der Familie war Clever nun immer weniger als Alleinunterhalter und immer mehr als Zauberer unterwegs. „Anfang der 2010er-Jahre habe ich angefangen, mich zu fragen, wohin es beruflich gehen soll“, erinnert er sich, „ich fand meinen Job bei der Sparkasse immer gut, aber ich wusste auch, wenn ich dort bleibe, wird sich nicht mehr viel verändern.“ 

Als es dann gravierende Umbrüche in der familiären Situation gab, entschloss sich Clever, der bereits vor Jahren nach Lüdenscheid gezogen war, auch beruflich alles zu verändern. Zum 31. März des vergangenen Jahres kündigte er seinen Arbeitsvertrag bei der Sparkasse und mietete zum 1. April ein Büro in der Kulturfabrik in Lüdenscheid. 

"Am Anfang fühlte es sich ein bisschen wie Urlaub an"

„Ganz am Anfang fühlte sich das alles so ein bisschen wie Urlaub an“, sagt er. Doch seine treuen Kunden und viele neue sorgten dafür, dass dieses Gefühl nicht lange anhielt, aber es sei immer noch ein anderes als zu Zeiten der Festanstellung. Clever: „Heute arbeite ich sicher mehr Stunden als früher, habe aber ein Gefühl von Freiheit und irgendwie auch von mehr Freizeit.“

Dafür sorgt sicher auch die Unregelmäßigkeit, die der neue Beruf so mit sich bringt. Mal habe er zwei Wochen am Stück keinen Auftritt, mal habe er aber auch fünf Auftritte an nur einem Wochenende. Es sind vor allem Familien- und Firmenfeiern, auf denen er auftritt. „Als ich im Januar in den Terminkalender schaute, standen dort schon rund 50 Termine für dieses Jahr“, freut sich der Unternehmer. 

Rund 45 Minuten dauert das Standardprogramm, wobei es Clever im Grunde nicht wichtig ist, ob er auf einer Kleinkunstbühne auftritt oder bei der Vorstellung eines neuen Fahrzeugs im Autohaus, „Hauptsache, das Publikum fühlt sich gut unterhalten.“ 

Die meisten seiner Auftritte finden im Umkreis von rund 100 Kilometern statt, aber auch in Aurich, Halberstadt oder Saarbrücken hat er schon sein Publikum verzaubert. Wenn es die Zeit zulässt, geht der 46-Jährige selbst immer noch gerne in Zaubershows seiner Kollegen, gerne in die kleinen Theater der Region, doch auch schon mal zu einer Show der Ehrlich-Brothers.

Auftritte

Wer Arnd Clever live erleben möchte, hat dazu in den kommenden Monaten reichlich Gelegenheit: Am 28. April tritt er mit seinem neuen Programm „Der Ton macht die Magie“ in der Reha-Klinik in Reichshof auf, am 8. Mai in der Pauke in Bonn, am 14. Mai in Hannover und am 21. Mai im Zaubersalon in Wuppertal. Aber auch Lüdenscheid, Bad Oeynhausen, Oberhausen, Bochum und Köln stehen allein bis Juli noch auf dem Programm. Weitere Informationen zu den Veranstaltungsorten, Zeiten und den Programmen finden sich hier.

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