Märkische Werkstätten können Neubau errichten

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Gleich links hinter der Einfahrt in das Gewerbegebiet Kiersperhagen kann das Johanneswerk nun eine neue Werkstatt errichten. ▪

KIERSPE ▪ Wenn Architekt und Johanneswerk ihre Pläne für den Neubau der Märkischen Werkstätten schnell genug fertigstellen können und sich damit die Zuschüsse des Landschaftsverbandes sichern, dann steht wohl dem Bauvorhaben im Industriegebiet Kiersperhagen nichts mehr im Wege. Mit der Zusage eines Ersatzgrundstückes hat der Stadtrat den Weg zum Neubau freigemacht.

Es war eine mehr als ungewöhnliche Sitzung, die am Dienstag Ratsmitglieder und Besucher erlebten. Allein die Zahl der Besucher war rekordverdächtig. Rund 60 Gäste hatten sich eingefunden, um den Beschlüssen im Ratssaal zu lauschen – darunter zahlreiche Beschäftigte der Werkstätten, die mit ihrer Präsenz die Dringlichkeit ihres Anliegens nach einem Grundstück für den Neubau einer Werkstatt unterstreichen wollten.

Ungewöhnlich, wenn nicht gar einzigartig, war aber auch der eigentliche Sitzungsverlauf. Geplant war die Aussprache über die Grundstücksangelegenheit – wie üblich – für den nichtöffentlichen Teil. Doch unter dem Eindruck des großen Besucherinteresses gab dann die Mehrheit einem Antrag von Martin Kulosa, Grüne, statt, der sich für eine Aussprache, unter Auslassung der Vertragsangelegenheiten, im öffentlichen Teil aussprach.

Nach einem Schlagabtausch, wo es um die Information der Ratsmitglieder durch die Verwaltung und die Sicht der einzelnen Fraktionen ging, wurde der öffentliche Teil der Sitzung schließlich unterbrochen, um hinter verschlossenen Türen die Vertragsangelegenheiten, die mit dem Grundstück in Kiersperhagen einhergingen, zu besprechen.

Mehr als 30 Minuten mussten die Besucher vor der Tür ausharren, bevor ihnen mitgeteilt wurde, dass sich der Rat einstimmig für die Überlassung eines „Ersatzgrundstückes“ im Gewerbegebiet Kiersperhagen entschieden hatte. Das ursprünglich reservierte Grundstück geht, wie bereits vom Hauptausschuss empfohlen, an einen Unternehmer, der in dem Gebiet bereits ein Unternehmen betreut.

„Das ist für uns die zweitbeste Lösung“, erklärte anschließend Dieter Türling, beim Johanneswerk zuständig für die Verwaltung der Liegenschaften, gegenüber der Meinerzhagener Zeitung. „Nun werden wir wohl Tag und Nacht arbeiten, um die Pläne, die bereits für das andere Grundstück vorlagen, an die neuen Gegebenheiten anzupassen“, so Türling weiter, der jedoch zuversichtlich ist, noch vor dem 1. August fertige Planungsunterlagen beim Landschaftsverband einreichen zu können, um sich die Zuschüsse in Höhe von rund 750 000 Euro für den Neubau zu sichern.

Eben diese Frist hatte letztlich für die besondere Dringlichkeit gesorgt. „Ich habe von dieser Ausschlussfrist erst in einem Telefongespräch mit dem Johanneswerk am 29. Juni Kenntnis bekommen. Hätten wir das früher gewusst, hätten wir möglicherweise anders verhandeln müssen“, betonte Bürgermeister Frank Emde im Gespräch mit der MZ.

Dabei widersprach er auch ausdrücklich der Behauptung des Vorsitzenden des Johanneswerkes Dr. Ingo Habenicht, der der Stadt unseriöses Verhalten vorgeworfen hatte (die MZ berichtete).

Emde: „Wir hatten 2008 mit dem Johanneswerk eine Einigung über einen Grundstückstausch Einigkeit erzielt und durch einen Ratsbeschluss den Weg für den Neubau der Werkstätten freigemacht. Doch aufgrund von späteren Forderungen des Johanneswerkes kam der Tausch nicht zustande.“

Dadurch sei bis zum Herbst 2010 nicht passiert. Erst danach seien neue Gespräche aufgenommen worden, die aber unter dem Vorbehalt einer Zustimmung durch den Rat gestanden hätten. „Mitte Mai waren dann die Gespräche so weit gediehen, dass ich von einer Annäherung, nicht aber von einer Einigung sprechen möchte, wie es das Johanneswerk getan hat“, so Emde.

Diese Gespräche hätten schließlich zu einer Einbeziehung des Chefs einer Firma in Kiersperhagen geführt, von dem die Vertreter des Johanneswerkes noch einen Grundstücksteil hätten kaufen wollen. Daraufhin habe dieser Unternehmer seinerseits Interesse an der kompletten Fläche bekundet.

Abschließend befand Emde im Gespräch mit der MZ: „Ich glaube, dass wir nun eine Lösung gefunden haben, mit der die Beschäftigten der Märkischen Werkstätten gut leben können.“ ▪ Johannes Becker

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