Mädcheninternat statt Schlachtfeld

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Nach dem Willen der Eltern soll Friedrich (rechts) lernen und nicht Fußball spielen. Deshalb melden sie ihn ausgerechnet an einem Mädcheninternat an.

Kierspe - Der Stadtrat von Weimar war schuld. Nach Goethes Tod errichteten die Stadtväter dem Dichterfürsten ein Denkmal in Lebendgröße und arbeiteten sein letztes, unvollendetes Werk mit ein. Knapp 200 Jahre später wird das einer Schulklasse zum Verhängnis.

Von Birgitta Negel-Täuber 

Denn der 16-jährige Friedrich beschädigt die Statue, wodurch die Schrift wieder zum Vorschein kommt, kontaminiert mit original Goethe-Spucke. Friedrich bekommt versehentlich einen Fetzen der Schrift in den Mund und erkrankt an „Goethis“, zu deutsch: krankhafte Reimsucht. Die Krankheit macht die Runde und von da an sprechen alle Schülerinnen nur noch in Reimen.

45 Schüler am Theaterprojekt beteiligt

Beim Theaterprojekt der Gesamtschule war diesmal alles anders. Mit 45 Schülern waren nur halb so viele wie sonst an dem größten Projekt innerhalb der Projektwoche beteiligt.

Drei weitere Aufführung, davon zwei schulinterne, wird es in dieser Woche noch geben. Alle, die am Samstag nicht dabei sein konnten, haben noch eine zweite Chance. Am Mittwochabend ab 19 Uhr wird „Goethis“ noch einmal für die Öffentlichkeit aufgeführt.

Und die hatten auch nur halb so viel Zeit zur Verfügung und führten ihr Stück bereits am Samstagabend auf. Die drei Regisseure Claudia Voswinkel, Astrid Hettesheimer und Tobias Voswinkel wurden von ihren Kollegen Hans Hein und Daniela Peplinski unterstützt, die für Bühnenbild, Technik und Kostüme zuständig waren. Die Schüler Jaques Fischer und Bastian Gumtow zeichneten für Ton und Beleuchtung verantwortlich.

Für die jungen Schauspieler bedeutete das Theaterprojekt ebenfalls viel Arbeit. 50 Seiten umfasste das Manuskript, vor allem Leon Menberg, der den Friedrich spielte, hatte viel Text zu lernen. Er überzeugte in seiner Rolle ebenso wie Bayram Akbal (Herr Grafenstein), Larissa Müller (Friedrichs Freundin Lina) und Mareike Falz (Fräulein Käufig). Die Choreinlagen, sonst ein Markenzeichen der Kiersper Schüleraufführungen, mussten wegen anderer Projekte diesmal entfallen. Statt dessen sprang Musiklehrer Peter Hoberg kurzfristig ein und begleitete das Geschehen auf der Bühne am Klavier.

Mittwochabend noch eine Vorführung

Eigentlich hatte Drehbuchautor Tobias Voswinkel ein Stück über den Ersten Weltkrieg geplant, gewissermaßen die Vorgeschichte zu „Spring – Frühling – Spring“. Aber für ein Kriegsstück braucht man männliche Schauspieler, angemeldet hatten sich aber fast ausschließlich Mädchen. Voswinkel griff deshalb eine alte Idee auf und siedelte das Geschehen in einem Mädcheninternat an.

Großer Beifall war der verdiente Lohn des Theaterteams. Rektor Johannes Heintges hatte sich wohl ebenfalls mit dem Reim-Bakterium angesteckt und begann seine Dankesrede in gebundener Form. Für die Unterstützung von allen Seiten bedankte sich auch Tobias Voswinkel, wobei er sich besonders über die Rückendeckung durch die Schulleitung freute. Weil der Kostümfundus inzwischen in die Jahre gekommen ist, bat er um Kleiderspenden. Wer einen gut erhaltenen Anzug, ein etwas schickeres Kleid, Hüte oder Handtaschen abzugeben hat, kann sich mit der Gesamtschule in Verbindung setzen. Am Ausgang wurde um Spenden für die Theaterkasse gebeten.

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