Von Luiseneiche geht keine unmittelbare Gefahr aus

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Eine Klopfprobe schaltete Baumexperte Thomas Bette seiner Begutachtung der Luiseneiche vor. ▪

KIERSPE ▪ Wie gefährlich kann ein 400 Jahre alter Baum mitten im Stadtgebiet sein. Mit dieser Frage beschäftigte sich der Baumexperte Thomas Bette und kam zu einem überraschenden Ergebnis.

Nachdem zahlreiche Proteste zur geplanten Fällung der Luiseneiche in Kierspe laut geworden waren, teilte Bürgermeister Frank Emde jüngst mit, dass es eine Begutachtung des Naturdenkmals durch einen unabhängigen Experten geben werde. Mit Fachagrarwirt für Baumpflege und Baumsanierung Thomas Bette aus Halver rückte am Samstagmorgen ein ausgewiesener Fachmann an, der die Luiseneiche einer gründlichen Untersuchung unterzog. Die Kosten des Gutachtens trug der BUND.

Nach einer vorgeschalteten Klopfprobe, schaute sich Bette vor allem die nicht mehr intakten Stellen der Baumrinde sehr genau an. In 20 Zentimeter Höhe brachte er rings um den gewaltigen Stamm, der einen Umfang von 7,36 Metern erreicht, Sensoren für eine schalltomographische Untersuchung an. „Das Arbotom (der Schalltomograph) arbeitet für den Baum völlig verletzungsfrei“, erklärte Thomas Bette. Es zeichne in der untersuchten Höhe einen graphischen Querschnitt durch den Stamm, wobei die Holzfestigkeiten anschließend als unterschiedlich farbige Flächen in einer Graphik erkennbar seien. Die erste Einschätzung des Baumexperten lautete: „Von der Luiseneiche geht keine unmittelbare Gefahr für Passanten, auf dem Spielplatz spielende Kinder und den Verkehr aus.“ Es bedürfe jetzt aber einer fachkundigen Interpretation seiner Untersuchung, unterstützend zur Baumbeurteilung.

Deren Ergebnisse lässt Bette in seinem Gutachten der Stadtverwaltung so schnell wie möglich zukommen, so dass sie dem Hauptausschuss für seine Sitzung im Mai als Beratungsgrundlage zur Verfügung stehen.

Der BUND, der die Kosten des Gutachtens trug, hatte sich bereits 1993 für den Erhalt der Luiseneiche eingesetzt. „Wir möchten alle Möglichkeiten ausschöpfen, um für dieses imposante Naturdenkmal wirklich das Richtige zu tun“, betonte Gudrun Barth. Im „Jahr der Biodiversität“ machte sie auf die herausragende ökologische Bedeutung der Luiseneiche als Lebensraum für viele Arten aufmerksam. Meisen, Kleiber, Spechte, Fledermäuse, Käfer und Insekten hätten dort ihre Behausungen. Ihre heimatgeschichtliche Bedeutung als Zeugnis einer 400-jährigen Vergangenheit unterstrich der ehemalige Ortsheimatpfleger Hans Ludwig Knau. ▪ msh

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