Löschzwerge treten zum Dienst an

KIERSPE ▪ Dort, wo sonst Martinshörner erklingen, erfüllte am Mittwochabend das Plappern zahlreicher Kinder und ihrer Eltern den Raum. Im Gerätehaus Stadtmitte der Kiersper Feuerwehr fanden sich viele Interessierte ein, um an der Auftaktveranstaltung für die vor ungefähr zwei Wochen offiziell gegründete Kinderfeuerwehr teilzunehmen.

Erst einmal stand hauptsächlich Organisatorisches auf dem Programm. Während die Eltern Schlange stehen mussten, um sich bei Claudia Grau, die das Ganze zusammen mit mehreren anderen Feuerwehrleuten betreut, anzumelden, konnten die Kinder schon einmal zu Schere und Stift greifen und Namensschilder basteln. Die sollten das Kennenlernen der zukünftigen Feuerwehrmädchen und -jungen erleichtern. So schnell wie möglich sollen auch alle mit ihren Uniformen, roten T-Shirts mit der Aufschrift „Löschzwerge“, ausgestattet werden. Spezielle Helme für Kinder dürfen natürlich auch nicht fehlen.

Nach einiger Zeit hatten die Eltern dann auch die Registrierung hinter sich gebracht. Und das eigentliche Programm konnte losgehen. Zusammen mit dem restlichen Leitungsteam, bestehend aus Michael Wern, Margit Schulenberg und Mike Soehl begrüßte Claudia Grau die Anwesenden, die sich viel von der Kinderfeuerwehr versprechen. „Die Kinder werden hier an Notfallsituationen herangeführt“, meinte zum Beispiel Monika Nettemeyer. Ihr achtjähriger Sohn Marvin freute sich schon auf seinen Einsatz bei den Löschzwergen, „weil das Spaß macht“. Außerdem hat er ein Faible für die großen, roten Autos. Sein Großvater war 41 Jahre bei der Feuerwehr aktiv und seine Familie engagiert sich im Spielmannszug.

Damit der Nachwuchs direkt eine Ahnung davon bekam, wie die Arbeit bei der Feuerwehr organisiert ist, gab es gleich zu Beginn den Dienstplan für die nächsten Monate. Alle zwei Wochen treffen sich die jungen Feuerwehrleute für eineinhalb Stunden. Auf Grund der hohen Teilnehmerzahl werden die Kinder dann wahrscheinlich je nach Alter in Gruppen eingeteilt. „Dann gibt es eine Mischung aus Theorie und Praxis“, erklärte Stadtbrandmeister Georg Würth. Zum einen erfahren die Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren dann einiges über die Feuerwehr. Sie lernen wie ein Notruf richtig abgesetzt wird und können bei einem Besuch in der Leitstelle sehen, wo dieser überhaupt ankommt. Sie dürfen außerdem kleinere Löschangriffe durchführen. Darauf freute sich der neunjährige Max ganz besonders. Er kam eigens aus Lüdenscheid, um das Angebot der Kinderfeuerwehr zu nutzen. Sein Onkel ist ebenfalls bei der Feuerwehr und Max’ Mutter findet es vor allem gut, dass auch erste Hilfe vermittelt wird. Dazu ist zusammen mit dem DRK ein kleiner Kurs geplant. Darin wird zum Beispiel erklärt, wie ein Pflaster richtig angelegt wird oder was bei einer Brandverletzung zu tun ist. Die Mädchen und Jungen sollen „Boten rein in die Familien sein“ und auch Eltern oder Geschwistern Wissenswertes vermitteln, beschreibte Würth den Ansatz, der hinter dem ganzen Projekt steckt. Das alles soll auf spielerischer Basis passieren, damit sich auch die Jüngsten dafür begeistern können.

Zum anderen sind aber auch jede Menge Ausflüge geplant, zum Beispiel zum Bahnhof. Würth kann sich auch vorstellen, dass mal eine Schnitzeljagd oder ein Grillfest angeboten wird. Einen Basteltag wird es ebenso geben wie jede Menge Sport und Bewegung. „Wir wollen auch allgemeine Jugendarbeit leisten“, so Würth.

Das Projekt Kinderfeuerwehr sei für die Region einmalig, erklärt der Stadtbrandmeister weiter. Zwar gebe es in anderen Städten zum Teil AGs an Schulen, mit denen die jeweiligen Feuerwehren zusammenarbeite. Würth hält es aber für sinnvoll, das Ganze von den Schulen zu lösen.

Zur Vorbereitung auf die Gründung der Kinderfeuerwehr informierten sich die Kiersper in Rheinland-Pfalz und Hessen, wo es das Modell bereits seit längerem gibt. Dort ist seit Jahren gesetzlich festgelegt, dass Kinder ab sechs Jahren einer solchen Mini-, Bambini- oder Kinderfeuerwehr beitreten können.

In Kierspe „muss sich alles noch finden“. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Aktion auch auf lange Sicht gesehen entwickelt. Für die Feuerwehr ist es aber vor allem ein erster wichtiger Schritt, um auch in Zukunft junge Menschen für diese Arbeit zum Wohle der Allgemeinheit zu begeistern. „Und wenn am Ende einer merkt, dass er eher in die medizinische Richtung will und dann dem DRK beitritt, ist das auch gut“, meinte Georg Würth. Zum Abschluss gab es dann noch einmal strahlende Augen bei dein Löschzwergen: Sie durften in eines der großen Löschfahrzeuge klettern und es ganz aus der Nähe bestaunen.

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