Weniger Großbrände durch Vorbeugung

Elf Stunden waren die Wehrleute im Einsatz, als im August ein Lkw im Kerspetal von der Straße abkam, den Hang hinabstürzte und im Trinkwasserschutzgebiet liegen blieb.

KIERSPE ▪ Mit rund 260 Einsätzen, darunter zwei Großbrände, ein Lkw-Unfall im Trinkwasserschutzgebiet und zahlreichen technischen Hilfeleistungen liegt ein arbeitsreiches aber letztlich durchschnittliches Jahr hinter den Mitgliedern der Kiersper Feuerwehr. Doch es gab auch herausragende Ereignisse – dazu gehört zweifellos die Gründung der Kinderfeuerwehr, deren Warteliste immer noch länger ist als das Verzeichnis der Aktiven.

Rund elf Stunden waren die Kiersper Wehrleute im August im Einsatz, als ein Lastwagen im Kerspetal die Böschung hinabstürzte und samt Ladung im Trinkwasserschutzgebiet landete. Sicher die spektakuläste technische Hilfeleistung, zu der die ehrenamtlichen Helfer im vergangenen Jahr gerufen wurden. Ein Dachstuhlbrand im April in Rönsahl und der Gebäudebrand in Quabecke im Oktober des vergangenen Jahres banden die Feuerwehrleute ebenfalls über Stunden am Einsatzort.

„Es scheint so, als würde die Zahl der Großbrände durch den sogenannten vorbeugenden Brandschutz zurückgehen“, ist Wehrleiter Georg Würth vorsichtig optimistisch. So seien zahlreiche Brände kurz nach ihrem Entstehen bereits entdeckt worden, weil die Wohnungen mit Rauchgasmeldern ausgerüstet gewesen seien. Häufig seien dann schon die Löschversuche der Bewohner erfolgreich gewesen. Aus diesem Grund rät Würth den Wohnungs- und Hausbesitzern dazu, einen Nasslöscher und eine Löschdecke bereitszuhalten, letztere, um Fettbrände zu ersticken.

Natürlich mussten im vergangenen Jahr wieder etliche Abfall- und Papierbehälter gelöscht werden, die meist vorsätzlich angesteckt wurden.

Auch bei der Öffnung von Türen und als Tragehilfe für den Rettungsdienst waren die Wehrleute stark gefragt. Einsätze, die nach der Erfahrung von Würth, den Helfern unter die Haut gehen, da meist ältere, einsame hilfelose Menschen hinter den verschlossenen Türen auf Hilfe warteten – und das oft bereits längere Zeit.

Um all diese Aufgaben erledigen zu können, ist die Wehr auf immer neue Freiwillige und gutes Material angewiesen. Zwei Bereiche, in denen sich im vergangenen Jahr wieder viel getan hat.

So hätten rund 20 Wehrleute, die ab 2011 den Grundlehrgang besuchten, ihren Dienst in den Zügen aufnehmen können. Und auch in diesem Jahr startet ein neuer Grundlehrgang – diesmal mit 15 bis 17 Nachwuchskräften, von denen auch wieder zahlreiche aus der Jugendfeuerwehr kommen. Würth: „Damit haben wir mehr Zu- als Abgänge, zumindest bei den Leuten, die aus Altersgründen nicht mehr für den aktiven Dienst zur Verfügung stehen.“ Rund 154 Einsatzkräfte versehen derzeit in vier Löschzügen ihren Dienst. Das reicht zwar bei weitem nicht an den Höchststand von 190 Wehrleuten heran, die in den 80er Jahren Dienst taten, sind aber doch deutlich mehr als noch 2008, wo Würth weniger als 130 Wehrleute zählen konnte.

„Allerdings haben wir eine etwas ungünstige Verteilung. Während im Löschzug Neuenhaus-Vollme und Stadtmitte deutlicher Zuwachs herrscht, tut sich in den Zügen Wehestraße und Rönsahl nicht sehr viel“, erklärt Würth.

Zumindest innerhalb des Stadtgebiets würde sich dieses Problem nach Einschätzung des Wehrleiters erledigen, wenn es zum Bau des neuen Gerätehauses käme, doch dafür steht immer noch kein geeignetes Grundstück zur Verfügung.

Gebaut wird aber dennoch, wenn auch in Neuenhaus. Dort wird an dem bestehenden Gerätehaus eine neue Fahrzeughalle errichtet, um Platz für die neue Generation Löschfahrzeuge zu schaffen. Außerdem erhalten die Mitglieder des Löschzuges dann auch endlich entsprechende Umkleide- und Sozialräume.

Investiert wird aber nicht nur in diesem Jahr, sondern auch auch im vergangenen Jahr hat die Stadt etliche Mittel in die Wehr gesteckt. So wurden für ein Drittel der Mannschaft neue digitale Melder angeschafft, um Geräte zu ersetzen, die nach rund zehn Jahren nicht mehr zuverlässig arbeiten. Ebenfalls ersetzt wurden 14 Atemschutzgeräte aus den 1970er Jahren, für die es keine Ersatzteile mehr gibt.

Vergeblich gewartet haben die Mitglieder des Rönsahler Löschzuges auf ihr neues Löschfahrzeug. Der rund 190 000 Euro teure Wagen sollte eigentlich im November des vergangenen Jahres fertiggestellt werden, jetzt wird es wohl doch Ende März. Dann bekommt auch der Löschzug 1 sein Fahrzeug wieder, das den Rönsahlern zur Verfügung gestellt wurde, um die Wartezeit zu überbrücken, nachdem bereits 2010 ein Löschfahrzeug nach fast 30 Einsatzjahren vom Tüv stillgelegt wurde.

Erfreulich für die Kiersper Wehr ist auch die Entwicklung bei den Löschzwergen. Die Kinderfeuerwehr, die am Wochenende erstmals in ihren neuen Uniformen bei der Weihnachtsbaumsammlung teilnimmt, wird in Kürze ein Jahr alt. Und von den 33 Mitgliedern hat noch kein Kind die neue Gruppe verlassen. Weitere 50 Kinder stehen bereits auf einer Warteliste. Und in diesem Jahr können die ersten nachrücken, denn nun werden die ersten Löschzwerge in die Jugendfeuerwehr wechseln und damit ihren Platz freimachen. ▪ Johannes Becker

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