Pfiffige Idee

"Borki-Home": Kiersper baut Hütten aus Borkenkäferholz

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Die Geschwister Lisa und Timo Gelzhäuser haben sich ein kleines Sägewerk zugelegt, mit dem sie Borkenkäfer-Holz selbst zu Bohlen, Balken und Brettern verarbeiten.

Kierspe - Die Preise sind unten, der Export nach China geht nur noch schleppend, daher sind Ideen gefragt, wie die vom Borkenkäfer befallen Bäume aus dem Wald geholt und verarbeitet werden können. Denn es droht ein dritter trockener und heißer Sommer – eine Katastrophe für den Nadelwald.

„Von jedem vom Borkenkäfer befallenen Baum, der im Wald bleibt, werden sieben neue Bäume befallen“, weiß Timo Gelzhäuser. Um also das Borkenkäferholz aus dem Wald zu bekommen und diesen damit zu schützen, war es notwendig, neue Absatzmärkte zu schaffen. Denn die heimischen Sägewerke haben keine Aufnahmekapazitäten mehr, Lagermöglichkeiten gibt es kaum, der Holzpreis liegt am Boden – dies mittlerweile im dritten Jahr – und nach China gehe derzeit nur noch ganz dickes Holz.

Also haben sich Lisa und Timo Gelzhäuser überlegt, auf ihrem Hof in Belkenscheid eine Station „Holz to go“ einzurichten. Dort können alle Interessierten Balken und Bretter nach ihrem Bedarf einkaufen. „Wir haben sogar schon einen kompletten Dachstuhl verkauft“, freut sich Gelzhäuser, dass diese Absatzmöglichkeit ganz gut angelaufen ist. Daher soll in Kürze auch ein Blockhaus aufgestellt und entsprechendes Holz drum herum zum Aussuchen angeboten werden. Womit Lisa und Timo Gelzhäuser bei ihrer zweiten Absatz-Idee sind: Blockhäuser. „Die Idee kam uns bei einem Besuch eines Wikingerdorfes“, erzählt Lisa Gelzhäuser. Dabei wurde deutlich, dass die Blockbauweise zu den ältesten Bauarten der Welt gehört.

Timo Gelzhäuser zeigt die sieben Zentimeter dicke Blockhausbohle mit Nut und Federn.

Wieder zuhause wurde dann ein Plan entwickelt und in der Folgezeit verfeinert, wie man das reichlich zur Verfügung stehende Borkenkäferholz einerseits aus dem Wald bekommt und dann zu einem Blockhaus verarbeitet. Erste Voraussetzung dafür war die Anschaffung eines kleinen Sägewerks, mit dessen Hilfe aus den Stämmen nicht nur Bretter und Balken geschnitten, sondern ebenso sieben Zentimeter starke Bohlen. Diese Bohlen erhalten dann mithilfe einer Fräsmaschine Nut und Feder, erklärt Timo Gelzhäuser, sodass sie dicht aufeinandergesetzt werden können.

Da frisches Holz bekanntlich „arbeitet“, also trocknet und dabei schrumpft, würden die Bohlen an den Ecken des Hauses mit Gewindestangen und Federn miteinander verschraubt. So blieben die Bohlen nicht nur dicht aufeinander, man spare sich auch die ansonsten bekannten Überstände. Das Blockhaus aus Belkenscheid gibt es in zwei Größen und verschiedenen Varianten. Das vier Meter große Blockhaus könne in Nordrhein-Westfalen frei, zum Beispiel als Gartenhaus, aufgestellt werden. Für das sechs Meter große Gebäude ist jedoch eine Genehmigung notwendig, ebenso wenn die beiden Größen miteinander kombiniert werden, was ebenfalls möglich ist.

Erste Blockhäuser sind von Timo Gelzhäuser (links) und seinen Helfern bereits aufgebaut worden.

Das Haus gibt es komplett mit Boden, Dach (EDPM-Plane, künstlicher Kautschuk), Tür(en) und Holzfenstern. Wenn gewünscht, kann das Dach als Terrasse genutzt oder im anderen Fall begrünt werden. Ebenso kann eine Raumaufteilung hergestellt werden. Solch ein Blockhaus kann als Bausatz (mit Aufbauanleitung) zum Selbstaufbau oder auch komplett geliefert und mit einem Kran an die gewünschte Stelle gesetzt werden. Andere individuelle Gestaltungen – Kinder-, Arbeits-, Lese-, Gästezimmer oder Verkaufsladen – seien möglich, ebenso Carports oder andere Holzprojekte.

So kann eine Kombination des kleinen und großen Blockhauses aussehen.

„Wir überlegen auch, hier ein Blockhaus zum Probewohnen aufzustellen“, meint Timo Gelzhäuser. Wichtig ist den Gelzhäusers dabei, dass sie dabei mit Partnern aus der Region – beispielsweise ein Dachdecker aus Meinerzhagen – zusammenarbeiten. Ebenso machen sie deutlich, dass der Borkenkäfer nicht das Holz an sich schädigt, sondern im Bereich zwischen Rinde und Stamm eindringt sowie lebt und dadurch die lebenswichtigen Adern des Baums schädigt.

Der Borkenkäfer hält sich zwischen Rínde und Stamm auf, geht nicht ins tiefe Holz.

Primäres Ziel ist für Lisa und Timo Gelzhäuser, den Wald zu schützen, also vom Borkenkäfer befallene Bäume herauszuholen. Auf die Frage „Wohin damit?“ haben sie eine Antwort gefunden. Gleichwohl zeichne sich jetzt schon ab, dass in diesem Jahr bereits ein Drittel des Waldes vom Borkenkäfer befallen ist – was nichts anderes heißt, als dass genug Material für Blockhäuser, Balken und Bretter vorhanden ist. Man kann sich nicht nur auf Belkenscheid informieren, sondern ebenfalls im Internet unter www.gelzhaeuser-forst.de.

Im Übrigen sollen die damit erzielten Einnahmen unter anderem auch zur Wiederaufforstung verwendet werden. Allerdings stehe bislang noch nicht fest, so Timo Gelzhäuser, mit welcher Baumart. Denn Fichte wird es wohl nicht mehr sein und auch bei der Buche stelle man mittlerweile Probleme fest. Dass offensichtlich nicht nur erste Kunden die Gelzhäuser-Idee gut finden, sondern auch die Lokale Aktionsgruppe, denn die hat das zum Leaderprogramm angemeldete Kleinprojekt positiv beschieden. Zwar seien noch nicht alle Verträge unterschrieben, erklärt Regionalmanagerin Friederike Schriever, doch könnte „Borki-Home“ – so der Titel – durchaus Pilotprojektcharakter haben.

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