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Das lange Warten aufs neue Auto

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Von: Johannes Becker

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Gut kaschiert ist der Leerstand beim Autohaus Bengelsträter in Rönsahl. Die wenigen Neuwagen stehen in der ersten Reihe, der Parkplatz dahinter ist fast leer. Ein Bild, das man so nicht kennt.
Gut kaschiert ist der Leerstand beim Autohaus Bengelsträter in Rönsahl. Die wenigen Neuwagen stehen in der ersten Reihe, der Parkplatz dahinter ist fast leer. Ein Bild, das man so nicht kennt. © Becker, Johannes

„Normalerweise stehen bei uns gut 20 Neuwagen im Autohaus und auf dem Hof. Im Moment sind es noch fünf, von denen wir aber auch bereits drei verkauft haben. Im Schaufenster steht gar nichts mehr“, erzählt Karl-Friedrich Bengelsträter, Eigentümer des gleichnamigen Autohauses in Rönsahl.

Kierspe - Die Ursache für die ungewöhnliche Situation liegt an den Lieferschwierigkeiten der Hersteller, die vor allem Probleme haben, Halbleiter zu bekommen. „Hat man früher zwischen 14 Tagen und acht Wochen auf einen Neuwagen warten müssen, ist nun Geduld gefragt. Vor März oder April werden die Neuwagen, die jetzt bestellt werden, nicht da sein“, so der Rönsahler Autohändler.

Problematisch wirken sich die Lieferprobleme jedoch nicht nur bei den Neuwagen aus, sondern auch auf das Angebot der Gebrauchten. „Viele, die aufgrund von ablaufenden Leasingverträgen ihren Wagen wieder zurückgeben wollten, müssen die Verträge verlängern, da ihr Neuwagen noch nicht da ist. Diese Gebrauchten fehlen uns natürlich“, sagt Bengelsträter.

Ein paar Kilometer weiter sieht es im Kiersper Autohaus Knabe nicht anders aus. Wobei dort sicher ganz andere Stückzahlen gehandelt werden und weitere Faktoren das Geschäft mit Gebraucht- und Neuwagen beeinflussen. Fabian Knabe, Mitglied in der Geschäftsführung, erzählt: „Gerade erst musste ich dem Käufer eines Audi Q4 sagen, dass sein Wagen nicht – wie geplant – im November kommt, sondern wohl erst im Juni.“

Nutzfahrzeuge

Generell würden sich im Moment alle Lieferzeiten stark verzögern. „Wo wir früher von vier bis sechs Monaten Wartezeit sprachen, können es nun auch schon mal zehn Monate werden. Aber mit letzter Sicherheit lässt sich das nicht sagen. Entspannt sich die Situation bei den Halbleitern, kann auch wieder schneller geliefert werden“, so Knabe. Mit Sicherheit könne er aber sagen, dass es bei den Nutzfahrzeugen noch problematischer sei und die Lieferengpässe sich dort deutlich stärker auswirken würden.

Auf den ersten Blick fällt beim Autohaus Knabe gar nicht auf, dass deutlich weniger Neu- und Gebrauchtwagen zur Verfügung stehen. Doch der Eindruck täuscht, auch das Kiersper Autohaus hat mit den Lieferproblemen der Hersteller zu kämpfen.
Auf den ersten Blick fällt beim Autohaus Knabe gar nicht auf, dass deutlich weniger Neu- und Gebrauchtwagen zur Verfügung stehen. Doch der Eindruck täuscht, auch das Kiersper Autohaus hat mit den Lieferproblemen der Hersteller zu kämpfen. © Becker, Johannes

Das habe, so Knabe, natürlich auch Auswirkungen auf den Gebrauchtwagenmarkt: „Unsere Höfe werden immer leerer.“ Nicht nur die Leasingfahrzeuge der Privatkunden kämen deutlich später in den Verkauf, auch die großen Rückläufe durch Geschäfts- und Mietwagen würden fehlen.

„Für uns ist das nicht nur ärgerlich, sondern auch teuer. Denn üblicherweise bekommen die Verkäufer ihre Provision, wenn der Wagen übergeben wird. So lange können wir die Mitarbeiter natürlich nicht auf ihr Geld warten lassen und wir müssen in Vorleistung treten“, erzählt der Kiersper Autohändler.

Lieferprobleme

Besonders ärgerlich: Die Lieferprobleme bremsen auch den Verkauf der Elektrofahrzeuge, der gerade richtig Fahrt aufnimmt. „Vor einem Jahr hätte ich noch gesagt, es dauert noch lange, bis diese Fahrzeuge im Massenmarkt ankommen. Mit den neuen Modellen haben VW, Skoda und Audi aber wohl den Nerv der Kunden getroffen. Und durch die hohe Förderung von bis zu 9000 Euro sind die Wagen auch noch einmal interessanter geworden.“ Bei VW heißen die ersten Autos, die als reine Elektrofahrzeuge geplant und gebaut werden, ID.3 und ID. 4. Diese seien nicht mehr vergleichbar mit dem Elektro-Golf, der vor ein paar Jahren in den Verkauf gekommen sei und wenig Begeisterung bei den Kunden ausgelöst habe. „Viele Kunden haben nach wie vor Bedenken bezüglich der Reichweite und der Ladezeiten. Doch diese Bedenken können in den meisten Fällen zerstreut werden. Zum einen sind die Reichweiten viel größer geworden, zum anderen laden die Wagen an dem immer besser werdenden Ladenetz immer schneller. Da reichen schon zehn Minuten Ladezeit an einem Schnellader für 100 Kilometer Reichweite.“

Und Eigenheimbesitzer hätten ja noch zusätzlich die Möglichkeit, zuhause an einer sogenannten Wall-Box ihren Wagen über Nacht zu laden. „Ich habe mit Elektrikern gesprochen, die mir erzählt haben, dass sie im Moment im Grunde nichts anderes tun würden, als Fotovoltaikanlagen und Wall-Boxen zu montieren“, so Knabe.

Große Nachfrage

Elektroautos sind auch in Rönsahl ein großes Thema. Bei Bengelsträter ist es der Nissan Leaf, der mit Strom fährt – mittlerweile schon in der zweiten Generation. Bereits die erste Generation, die vor mehr als zehn Jahren auf den Markt kam, wurde als reines Elektroauto geplant und war über Jahre hinaus das meistverkaufte E-Auto in Deutschland.

„Auch jetzt wird der Wagen noch sehr gut nachgefragt. Es vergeht keine Woche, in der wir nicht mindestens einen Leaf verkaufen. Da haben wir Glück mit der Größe, da der Wagen durchaus Platz für vier Personen oder eine Familie bietet“, sagt Bengelsträter. Er freut sich aber bereits auf das kommende Jahr, denn dann soll der Nissan Ariya zu den Händlern rollen. Dieser sei ein ganzes Stück größer und mit seiner Crossover- oder SUV-Form auch für viele Kunden noch einmal ansprechender, so Bengelsträter.

Halbleiter

Unter einem Halbleiter versteht man einen Festkörper, den man hinsichtlich seiner elektrischen Leitfähigkeit sowohl als Leiter als auch als Nichtleiter betrachten kann. Die Leitfähigkeit ist stark temperaturabhängig. In der Nähe des absoluten Temperaturnullpunktes sind Halbleiter Isolatoren. Bedeutung haben Halbleiter für die Elektrotechnik und insbesondere für die Elektronik, wobei die Möglichkeit, ihre elektrische Leitfähigkeit zu beeinflussen, eine entscheidende Rolle spielt. Ohne Halbleiter gibt es keine Computerchips. In einem durchschnittlichen Mittelklassewagen, so hat es die Fachzeitschrift Chip errechnet, finden sich 1400 Chips – Tendenz steigend

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