Liebesleid und Lebensfreud bei Kirchenkonzert

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Liebesleid und Lebensfreud, so hieß es am Samstagabend beim Abschlusskonzert des Semesters im Rahmen der Rönsahler Kirchenkonzertreihe mit „Pindakaas“. Countertenor Joachim Diessener von Isensee stand mit seiner bemerkenswerten und ausdrucksstarken Tenorstimme im Mittelpunkt des Konzertabends in der Servatiuskirche. ▪

RÖNSAHL ▪ Musik aus Renaissance und Barock, dargeboten vom PindakaasSaxophon-Quartett, so hieß es in der Vorankündigung, stand zum Ausklang des Semesters in der Reihe der Rönsahler Kirchenkonzerte auf dem Spielplan. In Rönsahl kam es am Samstagabend zu einem ganz besonderen Konzert.

So weit sicher nichts Außergewöhnliches: Die – und das war sicherlich vor allem dem ersten wirklich schönen und vor allen Dingen milden Frühlingssabend in diesem Jahr geschuldet – diesmal mit rund siebzig Zuhörern zahlenmäßig etwas kleiner als gewöhnlich ausgefallene Zuhörerschar durfte sich indes auch an diesem Abend auf eine musikalische Überraschung der besonderen Art freuen.

Auch das war wieder einmal einer der Gründe, warum sich die nun bereits im 20. Jahr bestehende Reihe der Rönsahler Kirchenkonzerte weit über die Ortsgrenzen der kleinen Gemeinde zwischen dem Märkischen, dem Bergischen und dem Oberbergischen großer Beliebtheit erfreuen kann.

„Pindakaas“, das aus Marcin Langer (Sopransaxophon), Guido Grospietsch (Altsaxophon), Anja Heix (Tenorsaxophon) und Matthias Schröder (Baritonsaxophon) bestehende Ensemble aus dem Münsterland und dem Ruhrgebiet, war vielen der Besucher dieses Abends noch aus einem vor wenigen Jahren an gleicher Stelle gegebenen Konzert in guter Erinnerung. Schon damals wussten die Musiker in eindrucksvoller Weise zu dokumentieren, wie einfühlsam und lebensnah musikalisches Schaffen alter Meister aus längst vergangener Zeit und ursprünglich für ganz andere Instrumente als das Saxophon gedacht – wenn meisterhaft gespielt – gerade durch dieses Instrument zu vermitteln ist.

Countertenor als Clou

Der eigentliche Clou bei diesem Konzertabend war indes weniger das mal fröhlich beschwingt, mal dann wieder melancholisch verbrämt daher kommende Minnelied, das edle Ritter ihren eifrig umworbenen Angebeteten auf der mittelalterlichen Burg darbrachten, sondern vielmehr die Art und Weise, wie das an diesem Abend in der Servatiuskirche zum Ausdruck gebracht wurde.

Liebesleid und Lebensfreud gingen – durchaus gewollt – eine Symbiose ein, die sich sehen lassen konnte, und das nicht zuletzt auch deswegen, weil mit dem Countertenor Joachim Diessner von Isensee ein Sänger mit von der Partie war, der mit seiner außergewöhnlich brillierenden und in höchsten Tonlagen angesiedelten Tenorstimme nicht alltäglich anzutreffende Akzente zu setzen wusste.

Eingebettet in von den Saxophonisten jeweils zu Gehör gebrachten klassische Musikwerke, gleichgültig ob aus der Feder von Georg Friedrich Händel, Johann Sebastian Bach oder auch zeitgenössischen Komponisten stammend, wurden die Zuhörer mitgenommen auf eine mal melancholisch angehauchte, dann wiederum auch mit leicht beschwingten Fußnoten durchsetzte musikalische Reise. In deren Mittelpunkt stand zweifellos das außergewöhnliche Können des Sängers.

Dem nämlich kommt das Verdienst zu, dass auch die vornehmlich in englischer Sprache gesungenen Beiträge aus der Feder von John Dowland das vermittelten, was sie sagen wollten: Liebesleid und Lebensfreud eben. Wobei der durchaus gewollte Brückenschlag vom düsteren Tod auf der einen zum heiteren Leben auf der anderen Seite durchaus gelang – was vom Publikum mit langanhaltendem Beifall bedacht und dann am Schluss natürlich auch mit der einen oder anderen Zugabe auch belohnt wurde. ▪ cr

Musikerlebnis mit Pindakaas-Saxophon-Quartett

und Countertenor in der Rönsahler Servatiuskirche

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