Roman der Kiersperin Christel Müller erschienen

Im Alter „60 plus“ die Partnersuche im Netz wagen? Von diesem Abenteuer und von kuriosen oder amüsanten Begegnungen, die damit verbunden sind, handelt der erste Roman der Kiersperin Christel Müller. - Fotos: Schüller

Kierspe -  Bevor Christel Müller beschloss, ein Buch zu schreiben, hatte sie schon vieles von dem, was später einfloss, zu Papier gebracht. Erlebnisse, die sie bei ihrer Partnersuche im Internet machte, die so kurios und komisch waren, dass sie dachte: „Das musst du sofort aufschreiben, sonst vergisst du das.“

von Petra Schüller

Als sie die eine oder andere Episode bei einem Gläschen Sekt mit ihren Freundinnen zum Besten gab, konnten die sich vor Lachen kaum noch halten. „Da musst du unbedingt was draus machen“, so der Rat einer Freundin.

Gesagt, getan: Die lebensfrohe Kiersperin nahm ihre Aufzeichnungen zur Hand und fügte sie zu einem 80-seitigen Roman mit dem Titel „Liebe 60 plus“ zusammen. „Ich habe das Manuskript einfach mal auf gut Glück an zwei Verlage geschickt“, erzählt sie schmunzelnd. „Mit einem positiven Bescheid habe ich aber nicht ernsthaft gerechnet.“ Entsprechend begeistert war die Autorin, als eine Zusage des Wagner-Verlags in ihren Briefkasten flatterte. Das Taschenbuch erzählt die Geschichte von Martha, die, nachdem sie schon im Alter von 50 Jahren Witwe wurde, mit „60 plus“ entscheidet, noch einmal nach der Liebe zu suchen.

Was liegt da näher, als die unendlichen Weiten des Internets zu nutzen: Über eine kostenpflichtige seriöse Partnervermittlung hat sie Zugriff auf hunderte Profile von Männern im „besten Alter“. Nach dem Motto „Ein Blick, ein Klick“ kann sie aus dem Vollen schöpfen und erste zarte Bande knüpfen.

Schon zu diesem frühen Zeitpunkt entdeckt Martha, dass diese Art der Partnersuche auch ein höchst amüsanter Zeitvertreib ist. Gibt es doch nicht wenige Profile, die eindeutig ein wenig „aufgemotzt“ sind, um die Dame des Herzens, die die Herren zu finden wünschen, ganz besonders zu betören. „Wer auf jedem Foto Hut oder Kappe trägt, möchte meist mehr Haarpracht vortäuschen, als vorhanden ist. Bei Kopfporträts wird oft versucht, die Leibesfülle zu unterschlagen“, berichtet die Autorin von eigenen Erfahrungen. Als sie den Herren, der immer Hut trug, nach einem Foto ohne Kopfbedeckung fragt, schickt der ihr Aktaufnahmen. „Die wollte ich gar nicht sehen“, sagt die Kiersperin lachend. Auch die Ansprüche manches Rosenkavaliers reizen die Suchende eher zum Lachen, als zum Flirten. Da gibt es „den ,lebenslustigen Otto’, der gern die Bekanntschaft einer betuchten Dame machen würde, um sich mit ihr seine Wünsche zu erfüllen.“ – Martha beschließt spontan, sich lieber ihre eigenen Wünsche ohne einen Otto an ihrer Seite zu erfüllen. „Hugo der Starke“ möchte alles nur keinen „Blümchensex“, und der „einsame Wolf“ lässt wissen, dass er es schätzt, wenn das Essen pünktlich auf dem Tisch steht. „Ohne mich“, denkt Martha, die über die Zeit viele weitere amüsante, manchmal aber auch enttäuschende Erlebnisse hat. Zu guter Letzt wird ihre Geduld belohnt – sie findet die Liebe nach der sie gesucht hat.

Natürlich ist Persönliches in den Roman eingeflossen, „anderes habe ich mir ausgedacht“, so Müller, die früher als Kauffrau im Groß- und Einzelhandel arbeitete. Auch sie wurde früh Witwe. Nachdem sie mit ihrem Mann und ihrem Sohn rund 30 Jahre lang in der Nähe von Hannover gelebt hatte, beschloss sie 2009 nach dem Tod ihres Mannes, zurück in ihre Heimatstadt Kierspe zu kommen. Für sie war die Suche im Netz eine spannende Sache. „Man sollte das aber nicht allzu ernst sehen“, rät sie. Sie selber habe keine überzogenen Erwartungen gehabt. „Ich wollte nicht unbedingt die große Liebe finden. Nette Kontakte haben und interessante Menschen kennenlernen – das war mein Hauptanliegen.“

Der Roman „Liebe 60 Plus“ ist im Wagner-Verlag erschienen, ISBN 978-3-95630-109-4, 8,90 Euro.

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