Letztlich ist der Antrag der Kiersper Grünen als Appell an Land und Bund zu verstehen

Hilfe für die Flüchtlinge aus dem Lager Moria

Nachdem das Lager Moria abgebrannt ist, wurde ein Behelfslager aufgebaut, in dem die Bewohner aber weder vor Stürmen noch vor dem nahenden Winter geschützt sind.
+
Nachdem das Lager Moria abgebrannt ist, wurde ein Behelfslager aufgebaut, in dem die Bewohner aber weder vor Stürmen noch vor dem nahenden Winter geschützt sind.

Kierspe – „Wir wollen mit dem Antrag zeigen, dass es noch Menschlichkeit gibt, letztlich wird der Antrag sicher eher symbolisch sein“, führte Detlef Jungmann (Grüne) in der Aussprache zu dem Antrag (siehe Info-Kasten) seiner Partei aus, der darauf abzielt, Flüchtlinge aus Griechenland aufzunehmen.

Symbolisch deshalb, wie der Beigeordnete Olaf Stelse in einem Gespräch mit der Meinerzhagener Zeitung erklärt, weil die Stadt Kierspe – wie alle anderen Kommunen auch – Flüchtlinge zugewiesen bekommt. „Derzeit erfüllen wir die Aufnahmequote zu 91 Prozent. Wollten wir freiwillig mehr Flüchtlinge aufnehmen, müsste diese Quote erst einmal zu 100 Prozent erfüllt sein.“ Würden also, so Stelse, der Stadt jetzt weitere Flüchtlinge zugewiesen, könne es gut sein, dass sich darunter Menschen befänden, die die Bundesrepublik bereits aus dem Lager Moria aufgenommen habe und die dann in die „ganz normale“ Quote einflössen.

Diese Quote sei aber nicht mit einer konkreten Zahl hinterlegt, sondern richte sich nach der Zahl der Geflüchteten und der Größe der Kommune, damit eine gleichmäßige Verteilung innerhalb des Landes erfolgen könne.

Damit wurde dann die Zustimmung zu dem Antrag letztlich ein Appell an das Land und den Bund, weitere Flüchtlinge von der griechischen Insel aufzunehmen.

Clemens Wieland (UWG) kündigte im Vorfeld der Abstimmung an, das seine Wählergemeinschaft zustimmen werde, verwies aber darauf, dass der Verein „Menschen helfen“ nicht mehr in der Lage sei, weitere Flüchtlinge zu betreuen, „da viele Ehrenamtliche abhanden gekommen sind“.

Das sah Bürgermeister Frank Emde genauso: „Die ehrenamtliche Hilfe ist längst nicht mehr so vorhanden wie noch vor fünf Jahren.“

Wäre es nach Peter Christian Schröder von der FWG gegangen, hätte der Rat erst gar nicht zugestimmt. Nach seiner Meinung macht ein Alleingang keinen Sinn, „wir brauchen eine europäische Lösung“.

„Wenn Menschen in Not sind, dann hilft man und wartet nicht auf eine europäische Lösung“, konterte Oliver Busch (SPD).

Letztlich signalisierte auch Armin Jung (FDP) die Zustimmung seiner Partei und auch die CDU wollte sich keinesfalls verweigern. „Wir stimmen zu. Es wäre nur schön, wenn es nicht bei einem symbolischen Akt bleiben würde, sondern wir wirklich helfen könnten“, so Kerstin Rothstein.

Letztlich stimmten die Ratsmitglieder mit einer überwältigen Mehrheit dafür, dass die Stadtverwaltung prüft, ob eine zusätzliche Aufnahme an Flüchtlingen möglich ist. Lediglich drei Gegenstimmen (alle von der FWG) wurden gezählt.

Der Antrag der Grünen

Im Vorfeld des Rates hatten die Kiersper Grünen einen Antrag eingereicht, in dem sie einen Beschluss fordern, der die Verwaltung beauftragt zu prüfen, ob Kierspe Flüchtlinge aus dem „abgebrannten Flüchtlingslager Moria“ aufnehmen kann. Bei entsprechenden Möglichkeiten soll die Stadt dem Land oder Bund anbieten, eine entsprechende Anzahl an Geflüchteten aufzunehmen.

In der Begründung zu dem Antrag heißt es: „Die Lage auf der griechischen Insel ist durch die verheerenden Brände im Flüchtlingslager Moria katastrophal. Aktuell sind 13 000 Menschen in Gefahr. Die Geflüchteten haben alles verloren. Die Unterbringungsmöglichkeiten sind indiskutabel und für Europa eine Schande.“

Weiter führen die Grünen aus, dass die Stadt Kierspe, besonders durch die Unterstützung der Bevölkerung und der vielen ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen von „Menschen helfen“, gezeigt habe, dass sie gut in der Lage sei, die Geflüchteten aufzunehmen und zu integrieren. Die Begründung endet: „Daher ist es Zeit, aktiv bei der Unterbringung der Geflüchteten zu helfen und an Bund und Land zu appellieren, die Geflüchteten nicht im Stich zu lassen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare