Lesenswertes und Amüsantes aus Alt-Rönsahl

Brunnenwasser galt als heilkräftig

Rönsahl - Brunnen - Servatius
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Kaufmann Leopold Heuser gilt als Erbauer des heutigen Bürgerhauses, das – zentral gelegen – ein gutes Stück der Ortsgeschichte mit erlebt hat. Hier wohnte auch Jann Février und stand seinem Dienstherrren für allerlei Botengänge zur Verfügung.

Reich an Zeugen aus alter Zeit ist das Dorf Rönsahl. Wer mit offenen Augen durch den Ort geht, der – wie es der westfälische Geschichtsforscher von Steinen einmal ausdrückte – „an der äußersten südwestlichen Spitze des Sauerlandes gelegen“, von jeher ein beachtliches Eigenleben geführt hat, der wird unschwer feststellen können, dass sich daran bis auf den Tag noch vieles erhalten hat.

Repräsentative Bürger- und Handwerkerhäuser aus einer Zeit, da unter anderem die florierende Pulverindustrie und im Zusammenhang damit unternehmungsfreudige Kaufleute für einen entsprechenden Wohlstand auch in großen Teilen der Bevölkerung gesorgt hatten, sind noch bis in unsere Tage das Spiegelbild einer Epoche, die manches zu erzählen weiß.

Wie es in alten Aufzeichnungen heißt, hat die Gemeinde Rönsahl beispielsweise durch „Anlegung der Chaussee von Elberfeld nach Frankfurt am Main, welche mitten durch das Dorf führt und im Jahre 1810 angefangen wurde, außerordentlich gewonnen, indem dadurch ein lebhafter Postenzug und großer Verkehr von Reisenden und Frachtfuhrwerken herbeigeführt worden ist..“

Unscheinbar in seinem Erscheinungsbild und heute nur den Wenigsten bekannt, befindet sich im Waldgebiet oberhalb der Ölmühle der Jahrhunderte alte Servatiusbrunnen.

„In diese Zeitepoche“, so heißt es in einer Gemeindechronik, die der damalige Dorfpfarrer Friedrich Walther in den Jahren 1842 und 1844 verfasst hat, „fällt der Bau verschiedener Privathäuser und anmutiger Gartenanlagen, welche dem Dorf ein ungemein freundliches und zum Teil auch imposantes Ansehen geben. Die ersten derselben ließen die Gebrüder Cramer erbauen (Franz, Jakob und Leopold) und wurde das des Herrn Franz Cramer im Jahre 1798, das Jakob Cramersche Haus 1810 und das Leopold Cramers im Jahre 1817 begonnen.

Übersiedlung des Apothekers

Dazwischen fällt jedoch noch der Bau des Kaufmann Leopold Heuserschen Hauses im Jahre 1803, welches gegenwärtig der Apotheker Cobet besitzt. – Endlich ist noch zu erwähnen die Übersiedlung des Apothekers Vormann aus Meinerzhagen mit seiner Offizin nach Rönsahl im Jahr 1825. Ein Ereignis, wofür noch die spätere Nachwelt die göttliche Vorsehung preisen wird, da dieses in Krankheitsfällen den Einwohnern eine so große Beruhigung und Erleichterung gewährt..“

„Hier sei eine Begebenheit erzählt, die, wenn sie auch streng genommen nicht zur Sache gehört, doch als Stimmungsbild der Vergessenheit entrissen zu werden verdient....“, so heißt es an anderer Stelle: „1813, am 1. August wurde öffentlich in der Kirche getauft ein Bastart Hottentotten-Knabe von 14 Jahren, den Herr Leopold Heuser, Sohn des hier verstorbenen Predigers Peter Heuser und Bruder des ebenfalls hier verstorbenen Predigers Wilhelm Heuser, nach einem 25-jährigen Aufenthalt auf dem Vorgebirge der guten Hoffnung (Kap der Guten Hoffnung, Südafrika, -d. Red.) in seinen Geburtsort Rönsahl mit zurückgebracht hatte.

Hottentotte Jean de Février

Der kleine Hottentotte hieß gewöhnlich Jann, sein Vater auf dem Cap hieß Februar. Daher ließ ihm H. Heuser bei der Taufe den Namen Jean de Février beilegen. Herr Pastor Garnefeld auf der Kalkkuhl hatte ihn vorher im Christenthum unterrichtet und zur Taufe vorbereitet, - wird ihn auch in einiger Zeit confirmieren. Er hielt auch an diesem Tage, dem 1. August, die Predigt. Ich selbst als Pastor loci verrichtete die Taufe, und der Hr. Professor und Kirchenrath Schwarz aus Heidelberg hielt eine schöne, gehaltsvolle, geistreiche Schlussrede.

Herr Heusers 13-jähriger Sohn Servatius ist bei ihm in Erziehung und Unterricht, und das war die Veranlassung, dass er Hr. Heuser mit seinem Zögling besuchte und dieser Heidentaufe beiwohnte. – Taufpaten des neuen Christen waren: 1. Servatius und 2. Carl, beide Söhne des H. Leopold Heuser: 3. Gottfried Heuser in Frankfurt a. M., Bruder des H. Leopold Heuser. In seiner Abwesenheit stand H. Friedr. Voswinkel auf der Laien an seiner Stelle., 4. H.Herm. Voswinkel Vor dem Isern, 5. Madame Leopold Heuser, 6. Frau Pastorin Garnefeld von der Kalkkuhl; 7. Demoiselle Amalie Wirth, ebendaher. Bei dieser Taufe war ein großer Zusammenfluss von Menschen aus anderen benachbarten Gemeinden. Die Kirche war gedrängt voll...“

Zeuge aus alter Zeit: Das Haus Elbers (heute Schröder/Ochmann) an der Ecke Haupt-/Meienbornstraße in Rönsahl.

Jann Février, so weiß das der Volksmund zu erzählen, stand seinem Dienstherren noch lange in dessen Wohnhaus, dem heutigen Bürgerhaus in der Dorfesmitte, zur Verfügung und war für allerlei Botengänge zuständig. Zu seinen Aufgaben gehörte es unter anderem, täglich frisches Wasser aus dem unweit des Dorfes gelegenen Servatiusbrunnen, dem Heilkräfte zur Linderung von Augenleiden nachgesagt wurde, zu holen. Jann entwickelte hierbei eine ganz besondere Technik. Doch das ist nun wiederum eine ganz andere Geschichte.

Dass Wasser aus dem Servatiusbrunnen tatsächlich Heilkräfte besitzt oder besessen hat, ist nie wirklich nachgewiesen worden. Jedenfalls haben sich allerlei Geschichten aus alter Zeit, so auch die, dass zu diesem Servatiusrunnen in längst vergangenen Tagen Wallfahrten unternommen worden seien, um in den Besitz des heilkräftigen Wassers zu kommen, bis heute im Volksmund gehalten. Wenngleich auch heutzutage nicht (mehr) als besonderer Wirtschaftsfaktor bekannt, so wird Wasser aus dem Servatiusbrunnen nach wie vor mit zur Wasserversorgung des Rönsahler Strandbads herangezogen, ist also bis auf den Tag nicht gänzlich ohne Bedeutung.

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