Musikschule zieht in die Schanhollenschule

+
In den nächsten Wochen wird Eckhard Grote seinen Raum in der Gesamtschule aufgeben. Danach ertönt der alte Flügel in der Schanhollenschule. ▪

KIERSPE ▪ Von der Musikschule, wie sie 1976 einmal gegründet wurde, ist nicht viel übrig geblieben. Gab es noch in den 1980er Jahren vier hauptamtliche und elf nebenamtliche Musiklehrer, wird heute ausschließlich mit Honorarkräften gearbeitet. Gerade einmal fünf gibt es noch von ihnen und Eckhard Grote, der nach seiner Pensionierung vor zwei Jahren die Einrichtung nur noch kommissarisch leitet – und auch den Umzug der Musikschule von der Gesamtschule in die Schanhollenschule organisiert.

Als studierter Kirchenmusiker war Eckhard Grote in den 1970er Jahren zur Musikschule nach Lüdenscheid gekommen und 1976 wechselte er als Leiter an die gerade eröffnete Kiersper Musikschule. „Im Grunde hatten wir zehn gute Jahre für den Aufbau, doch dann wurde bereits das Geld knapp und damit das Angebot notgedrungen immer weiter zurückgefahren“, so Grote.

Bereits in den 90er Jahren habe die Stadt keine Lehrer mehr anstellen, sondern nur noch mit Honorarkräften den Unterricht sicherstellen wollen. Grote: „Das ist aber für Berufsmusiker nicht besonders reizvoll. Das hat es uns schwer gemacht, entsprechende Kräfte zu finden.“ Und damit setzte auch eine Abkehr von dem Ziel ein, jedem Kind, unabhängig vom Einkommen der Eltern den Besuch einer Musikschule zu ermöglichen. Wurden in den 1980er Jahren noch 300 Kinder in 21 Instrumenten unterrichtet und acht Musikgruppen und Chöre unterhalten, geben die fünf Honorarkräfte und Grote noch Unterricht in Klavier, Gitarre, Schlagzeug, Blockflöte und Klarinette beziehungsweise Saxophon – Angebote die von rund 15 bis 20 Schülern genutzt werden. Als Chor ist nur „Monday, Monday“ übriggeblieben.

Nachdem Eckhard Grote vor zweieinhalb Jahren in den Ruhestand ging und auf Wunsch der Stadt die Leitung kommissarisch übernahm, gab es bis zu diesem Jahr mit Ines Voß noch eine Festangestellte, die aber auch in den Ruhestand gegangen ist. „Und die Zeit, die Marianne Lattenkamp noch hier arbeitet, ist auch absehbar“, so Grote, für den gleiches gilt.

Traurig ist der Leiter der Musikschule, dass vor Jahren die Stadt nicht seinem Drängen nachgegeben habe, um mit der Musikschule Volmetal, die von den Städten Meinerzhagen und Halver sowie der Gemeinde Schalksmühle betrieben wird, zu fusionieren. Grote: „Das war der Stadt zu teuer. Schließlich besuchten rund 40 Kiersper Schüler schon diese Einrichtung. Für die hätte man dann ja zahlen müssen.“

In seinen Sätzen schwingt Verbitterung mit, wenn er über sein Lebenswerk, das er nun vor der Abwicklung sieht, spricht.

In den Herbstferien wird auch noch der Raum aufgegeben, in dem die Schule im Gesamtschulgebäude ihren Rückzugsort gefunden hatte. Die Schule möchte den Platz gerne anderweitig nutzen. Und da in der nebenan liegenden Schanhollenschule noch Platz zur Verfügung steht, wechselt das Team samt seiner Instrumente –kein leichter Schritt nach 36 Jahren in dem GSK-Gebäude.

„Wo und wann welcher Unterricht stattfindet, ist noch unklar, wird aber noch rechtzeitig mitgeteilt“, so Grote. Doch ganz werden die Musikschüler nicht aus der Gesamtschule verschwinden. Zumindest außerhalb der Unterrichtszeiten können die Instrumente der Schule von den Musikschullehrern für den Unterricht mit Schülern genutzt werden. ▪ Johannes Becker

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare