Neuer Stundenplan für 1400 Schüler und 115 Lehrer steht

Das Organisationsteam der Gesamtschule, bestehend aus Stefan Müller und Claudia Koll, hat es wieder einmal geschafft: Der neue Stundenplan steht und wurde den Kollegen per E-Mail zugeschickt. - Fotos: Haase

KIERSPE - Die Gestaltung des Stundenplans für eine so große weiterführende Bildungseinrichtung wie die Gesamtschule Kierspe ist jedes Mal wieder ein schwieriges Unterfangen: Der Unterricht muss vom Organisationsleiter Stefan Müller und seiner Assistentin Claudia Koll passgenau auf rund 1400 Schüler in 41 Klassen zuzüglich der Oberstufe sowie 115 Lehrer verteilt werden. Besonders die zunehmende Differenzierung in den oberen Jahrgängen erschwert dies noch, weil dadurch immer mehr Unterricht parallel stattfindet.

Von Rolf Haase

„Wir mussten für das neue Schuljahr 2013/14 2200 bis 2300 Unterrichtsstunden verteilen“, informiert Müller, der sich aber gestern einigermaßen entspannt in seinen Schreibtischstuhl zurücklehnt, denn der Stundenplan steht und wurde gerade per E-Mail an die Kollegen verschickt. Allerdings weiß er aus den vergangenen Jahren, dass immer noch ein paar Lehrer mit Änderungswünschen kommen. Damit rechnet er am kommenden Montag, wenn die Konferenzen beginnen.

Dabei ist der Spielraum erfahrungsgemäß gering, seit das Organisationsteam das Computerprogramm Untis zur Hilfe hat, das vor zwei Jahren eingeführt wurde. „Zu Beginn werden die Unterrichtsverteilung, die Klassen, die Räume und die Lehrer mit ihren Fächern eingegeben und auf der Basis beginnt das Programm dann zu rechnen und unterbreitet einen ersten Vorschlag. Da passiert es dann schon mal, dass im Fach Sport die Turnhallenkapazitäten scheinbar nicht reichen, weil es fünf parallele Kurse gibt, oder auch ein Referendar unterrichten soll, der eigentlich zu der Zeit im Lehrerseminar ist. Hier greifen wir dann manuell ein“, beschreibt Müller die Vorgehensweise und, was alles passieren kann, bis der Stundenplan fertig ist.

Nach dem ersten Vorschlag von Untis gibt es mehrere Optimierungsdurchgänge. So ist es ein Ziel, dass die Lehrer möglichst nicht so viele Springstunden haben, sondern die Stunden weitgehend hintereinander liegen. Auch regelmäßige Termine von Lehrern wie beispielsweise bei Physiotherapeuten werden, wenn möglich, berücksichtigt und als Vorgabe eingegeben. Stefan Müller schränkt jedoch ein: „In erster Linie stehen die Schüler im Fokus und die Schaffung möglichst optimaler Rahmenbedingungen für sie, denn die Schule versteht sich als als Servicebetrieb für sie und nicht für die Lehrer.“

Wenn dann alles so weit steht und alle Vorgaben berücksichtigt sind, wird noch eine zusätzliche Übernachtoptimierung gestartet, die diesmal neun Stunden lief. Während dieser Zeit rechnet der Computer viele 100 000 Möglichkeiten durch, um dann die beste Variante herauszufiltern. Das passierte vor eineinhalb Wochen. Laut der Erfahrung von Müller ist danach kaum noch etwas zu verbessern und Änderungen sind nur sehr schwer möglich.

Inzwischen haben die Abteilungsleiter den Stundenplan geprüft: Weder Sigrun Wolf als Leiterin der Stufe 5/6 oder auch Andreas Plate als Stufenleiter 7/8 noch der kommissarische Stufenleiter 9/10, Hans Georg Englmann, der diese Aufgabe noch einmal übernimmt, nachdem Johannes Gläser als stellvertretender Schulleiter an eine andere Schule gewechselt ist, oder auch Oberstufenleiter Rolf Muck hatten daran viel auszusetzen.

Wobei es schon einige Probleme gibt, wie Stefan Müller berichtet, die sich jedoch leider nicht ausräumen ließen: So gibt es im neunten Schuljahr einen Mathematikblock nachmittags und auch Lehrerpläne, die wegen der zu vielen Springstunden objektiv als schlecht einzustufen sind. „Wenn die Betreffenden vorsprechen, versuchen wir natürlich händisch noch etwas zu verbessern und die eine oder andere Stunde zu tauschen, oft geht es aber nicht“, der 55-jährige Müller weiß, wie zuverlässig Untis da arbeitet.

Nach dem ersten Durchlauf lag die Bewertungszahl des Stundenplanvorschlags noch bei 19 000, inzwischen wurde 4700 erreicht. Damit zeigt sich der Organisationsleiter sehr zufrieden. „Im vergangenen Jahr lagen wir am Ende bei eine Bewertungszahl von 8700“, erinnert er sich. Stefan Müller macht den Job jetzt schon im elften Jahr, denn er kam 2003 an die Gesamtschule und löste dasmals Siegfried Wommer ab. Seine Kollegin Claudia Koll kam ein Jahr später und übernahm die Stelle von Klaus Renner.

Neben dem Stundenplan am Anfang des Schuljahres werden von den beiden auch die Halbjahrespläne erarbeitet, was bloß geringfügig weniger Arbeit mit sich bringt.

„Ich mache diese Arbeit gerne, sie macht mir Spaß. Die Gestaltung des Stundenplans ist immer eine Herausforderung“, sagt Claudia Koll, die Müller in der ersten Zeit natürlich viel über die Schulter geschaut hat, um sich einzuarbeiten. Stundenplangestaltung lernte sie bereits als Kind bei ihrem Vater, der ebenfalls Lehrer war, kennen. „Ich weiß noch wie der immer mit farbigen Steinen an der Wand hin und her geschoben hat“, erzählt die 53-Jährige, die von dieser Aufgabe damals fasziniert war. So hat sie selbst aber nie mehr gearbeitet. Vor Untis habe es das Computerprogramm Stupas gegeben, wo noch viel mehr manuell einzugeben war.

Farben spielen auch bei dem aktuellen Programm eine Rolle, damit der Plan übersichtlicher wird: So hat jedes Fach eine bestimmte Farbe wie Türkis für Deutsch, Orange für Englisch und Grün für Naturwissenschaften. Durch die Differenzierung, für Englisch und Mathematik ab Jahrgang 7 sowie für Deutsch und Chemie ab Jahrgang 9, werden die Stundenpläne immer bunter. Wegen der großen Zahl verschiedener Kurse parallel nebeneinander sind die Oberstufenpläne am buntesten.

Die Vorbereitungen für den neuen Stundenplan begannen schon im alten Schuljahr vor den Ferien, als die Unterrichtsverteilung festgelegt wurde und die Klassenlehrer und Zweitklassenlehrer. Dabei ist wichtig, dass die Klassenlehrer auch Fachlehrer in den Klassen sein müssen. Die Tutoren in der Oberstufe sind an den Leistungskursen festgemacht. Für diese Phase benötigten Stefan Müller und Claudia Koll vier bis fünf Nachmittage. Mit der eigentlichen Arbeit am Stundenplan begann Müller erst nach seinem Urlaub vor drei Wochen.

„Ein Ziel ist es immer, dass die Fachlehrer im fünften Schuljahr ebenfalls die Fachlehrer im sechsten Jahrgang sind. Das Bemühen um Kontinuität war aber diesmal schwierig, weil sechs Kollegen aus Altersgründen oder wegen Versetzung die Schule verlassen haben und sechs neue kommen“, informiert er.

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