Millioneninvestition ins Kreativquartier

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Der städtische Planer Rainer Schürmann stellt die Regionale-Vorhaben für Kierspe-Bahnhof vor, wozu auch das neue Quartiersmanagement an der Kölner Straße gehört. ▪

KIERSPE ▪ Von dem Quartiersmanagement im Rahmen des Landesstrukturförderungsprogramms Regionale 2013 sollen positive Impulse für die Kölner Straße ausgehen, so dass diese mit neuen Schwerpunkten wieder eine Zukunftsperspektive erhält.

War es früher die Einkaufsmeile von Kierspe, soll daraus im Laufe der Zeit ein Kreativquartier gemacht werden. Das jedenfalls sieht die Konzeption im integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzept des Regionale-Projektes „Oben an der Volme“ für diesen Bereich vor. Das Quartiersmanagement als ein wesentlicher Baustein zum Einstieg ist eines der Starterprojekte vor Ort. Was hier im Einzelnen geplant ist, erläutert der städtische Planer Rainer Schürmann.

Zunächst geht es um die Aktivierung der leerstehenden Ladenlokale, für die eine Umnutzung angedacht ist. Schon haben sich die ersten Kulturschaffenden und anderen kreativ tätigen Unternehmen und Bürger für Ladenlokale interessiert und wollen mit Ateliers, Ausstellungsräumen, Werkstätten und Büros an die Kölner Straße, was natürlich genau die Zielsetzung ist.

Vorgesehen ist zur Begleitung dieses Prozesses in den nächsten Monaten die Einrichtung eines Quartiersbüros in einem leerstehenden Geschäft, das eigens dafür angemietet werden soll. Hier sollen Ideen- und Anregungen gesammelt, Diskussionen begleitet und Informationen transportiert werden. Auch Auskünfte können die Bürger hier an Ort und Stelle erhalten. Besetzt werden soll es durch Vertreter von Gemeinde, Stadtmarketingverein und das das Gesamtprojekt begleitende Büro für Architektur, Stadtplanung und Stadtentwicklung aus Düsseldorf, kurz ASS.

Zur Aktivierung der leerstehenden Ladenlokale wird weiterhin durchaus auch noch an den Handel gedacht, insbesondere an Nischensortimente wie regional erzeugte Lebensmittel oder länderspezifische Angebote. Ein Akzent soll künftig aber auf Künstlerateliers, Produktion, Ausstellung und Verkauf von Objekten aus den Bereichen Fotografie, Malerei und Objektkunst liegen. Platz finden sollen darüber hinaus Kunsthandwerk, darunter Schneiderei, Töpferei und Goldschmiede. Möglich sein sollen zudem Ausstellungen und Anlaufstellen der heimischen Industrie wie der Kunststoffindustrie, sowie von Vereinen und Initiativen. Auch die Schulen wie die Gesamtschule mit ihrem Oberstufenladen könnten sich an der Kölner in einem öffentlich zugänglichen Domizil wiederfinden. Die subventionierte Anmietung ist für maximal drei Jahre geplant und soll im Zuge einer finanziellen Staffelung deutlich unter der Vergleichsmiete möglich sein.

Beabsichtigt ist ein interaktiver Prozess zu den Planungskonzepten mit Diskussion der Konzepte, Erörterung von Vorschlägen, ihrer gemeinsamen Weiterentwicklung, Konkretisierung und Vereinbarungen. Veranstaltungen und Aktionen können gemeinsam geplant werden wie Lesungen und Theater im Leerstand der Kölner Straße. Gedacht ist hier an die Integration in die Art Volmetal als weiteres Regionale-Projekt. Musik mit Gruppen, Musikschule und Kirchgemeinde sind eine Option, verkaufsoffene Sonntage, Mitternachtsshopping mit Modenschau oder auch ein multikulturelles Festival. Denkbar ist die gemeinsame Akquisition.

Eingebunden in das Projekt ist obendrein ein Fassadenprogramm für stadtbildprägende und besonders historisch wertvolle Gebäude. Örtliche Richtlinien werden noch erarbeitet und dem Rat der Stadt zur Beschlussfassung vorgelegt. Private Maßnahmen wie Renovierung und Restaurierung von Fassaden, Rückbau von Fassadenverkleidungen, Erneuerung von Dachdeckungen und Dachgauben sowie Entsiegelung befestigter Flächen werden gefördert.

Weiterhin ist die Einrichtung eines Verfügungsfonds zur Städtebauförderung beabsichtigt. Ein lokales Gremium soll im Rahmen einer Fondsverwaltung über den Mitteleinsatz entscheiden. Die Finanzierung soll zu 50 Prozent aus Mitteln der Städtebauförderung von Bund, Land und Gemeinden erfolgen und zu 50 Prozent aus Mitteln von Wirtschaft Immobilien- und Standortgemeinschaften sowie Privaten. Vergeben werden Mittel für investitionsvorbereitende Maßnahmen und auch nicht-investive Maßnahmen ohne Städtebauförderungsanteil bis zu einer Gesamtsumme von 200 000 Euro. Die in die Förderung eingestellten zuwendungsfähigen Kosten betragen maximal 100 000 Euro. Finanziert werden können Weihnachtsbeleuchtung, Equipment für Veranstaltungen in bestehenden Räumen wie dem ehemaligen Supermarkt und der Firma Helit oder auch im Freien wie im Bereich Bahnhof oder übergangsweise auf dem Tulpenplatz, aber auch Materialien für Werbekampagnen und Akquisition im Bereich des Kunstmarktes.

Die Immobilien- und Standortgemeinschaften gehen auf die Landesgesetzgebung aus dem Jahr 2008 zurück, bei denen sich Partnerschaften von lokalen Händlern, Grundeigentümern und der Stadt zur Gründung von Initiativen bilden können. Zugleich stellen sie eine Plattform für einen zielgruppenorientierten, ganzheitlichen Marketing- und Managementansatz für einen konzentrierten Raum dar. Ziele können die Entwicklung von Ideen und die Finanzierung von Investitionen sein, aber auch die Gestaltung eines Branchenmixes, die Gestaltung und Pflege des öffentlichen Raums, die Bewirtschaftung von Parkplätzen und die verbesserung des Nahverkehrs.

Die Umsetzung passiert in den nächsten Monaten. Ingesamt sollen gut 500 000 Euro an Fördermitteln vergeben werden, wodurch sich bei der Städtebauförderung Erfahrungswerten zufolge ein siebenfacher Multiplikatoreffekt ergibt, so dass davon ausgegangen wird, dass an der Kölner Straße allein durch diesesen Bereich mehr als vier Millionen Euro investiert werden.

Rolf Haase

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