Darum ist "Camouflage" an der Gesamtschule verboten

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Camouflage lautet der Begriff für diese Gestaltung von Farben und Formen, die aus dem Militärbereich kommt. In der Gesamtschule ist das Tragen solcher Kleidung laut Schulordnung verboten.

Kierspe - In der Schulordnung der Gesamtschule Kierspe findet sich auch der Ansatz einer Kleiderordnung. Was verboten ist und was nicht.

In der der Gesamtschule Kierspe (GSK) ist unter den allgemeinen Umgangsformen in der Schulordnung auch ein Ansatz einer Kleiderordnung zu lesen: „Wir tragen keine militärisch anmutende oder zu freizügige Kleidung“. Schulleiter Johannes Heintges schickt aber vorweg, dass in der GSK die Demokratie, das demokratische Verständnis ganz oben stehe.

Dies drücke sich insbesondere durch die verschiedenen Mitbestimmungsgremien, vom Schülerrat bis zur Schulkonferenz, aus. „Wir sind liberal hoch 10“, drückt Heintges aus, dass die Schüler – im Rahmen der Gesetze – die Freiheit haben, sich zu kleiden oder zu gestalten, wie sie wollen, sich also selbst zu verwirklichen. Mit einer Ausnahme, die nicht nur in der pazifistischen und antimilitaristischen Tradition der Schule begründet liegt, sondern auch in der Pragmatik.

50 Schüler aus Kriegsgebieten geflüchtet

Aktuell würde es 50 Schüler an der Gesamtschule geben, die aus Kriegsgebieten – teilweise sogar ohne (erwachsene) Begleitung – geflüchtet sind. Diese Schüler hätten ihre Erfahrungen mit Militär gemacht, seinen traumatisiert. Sie müssten daher nicht mit militärischer Kleidung konfrontiert werden, auch wenn „Camouflage“ (gefleckte Kleidung in Militärfarben) seit etwa drei Jahren wieder stärker Einzug in die Mode gehalten habe.

Gleichzeitig macht der Schulleiter deutlich, dass „wir kein Problem mit der Armee haben“. Doch diese habe auch nicht mit Schule zu tun. Aus diesen Gründen ist das Tragen militärisch anmutender Kleidung in der GSK nicht erlaubt – auf diese Kleiderordnung werden die Eltern der Kinder, die neu zur Gesamtschule kommen, hingewiesen. Die Schulordnung kann ebenso im Internet auf der Homepage der Bildungseinrichtung nachgelesen, und wenn es der Schulleiter für notwendig erachten sollte, werden die Kolleginnen und Kollegen angewiesen, die Ordnung zum Thema im Unterricht zu machen.

"Pädagogisches Fingerspitzengefühl" ist gefragt

Und in den verschiedenen Mitbestimmungsgremien kann es jederzeit auf die Tagesordnung gesetzt und neu diskutiert werden. Gleichwohl: Von Verstößen gegen die Schulordnung wegen zu freizügiger Kleidung kann Johannes Heintges nicht berichten. „Ich will es aber nicht ausschließen, dass die eine oder andere Kollegin eine Schülerin beiseitenimmt und sie fragt, willst du wirklich so hier herumlaufen“.

Gemeint damit ist, dass bei Verstößen an erster Stelle das pädagogische Gespräch steht. Das gilt auch für das Tragen von Camouflage-Kleidung, das in vereinzelten Fällen an der Gesamtschule vorgekommen ist. Beispielsweise ist solch eine Jacke dann auszuziehen.

Hat der betreffende Schüler zwei Tage später wieder diese Jacke an, wird sie ihm für die Unterrichtszeit abgenommen oder auch das Gespräch mit den Eltern gesucht. „Das Ganze geschieht aber mit pädagogischem Fingerspitzengefühl“, betont Johannes Heintges.

Nur ein Verweis in vier Jahren

Lediglich ganz renitente Schüler werden zum Umziehen nach Hause geschickt oder erhalten einen schriftlichen Verweis – solch einen Verweis habe es in den vier Jahren, seit er Schulleiter ist, nur ein einziges Mal gegeben. Andere Ordnungsmaßnahmen mussten bislang noch nicht ergriffen werden. Andere „Militärkleidung“ wie Bomberjacke oder auch Springerstiefel – die nicht selten Ausdruck einer bestimmten politischen Einstellung sind – hat der Schulleiter noch nicht an der GSK gesehen.

Als „niederschwellig“ bezeichnet Johannes Heintges das Ganze und verweist auch wieder auf die Freizügigkeiten: „Ein olivgrünes T-Shirt ist keine militärische Kleidung, sondern ein olivgrünes T-Shirt!“, macht der Schulleiter deutlich, dass dies nicht ein Verstoß gegen die Schulordnung darstellt. „Für mich ist der Diskussionsprozess entscheidend“, hebt Johannes Heintges abschließend noch einmal hervor, welchen Stellenwert das Thema „Demokratie“ in der Gesamtschule Kierspe hat.

Dagegen kann man aber nicht über das Rauchverbot auf dem gesamten Schulgelände und das absolute Alkoholverbot diskutieren. Für letzteres gibt es einige ganz wenige Ausnahmen: Bier, Wein und Sekt dürfen bei der 10er Entlassfeier, Abiturfeier und Theateraufführungen mit außerschulischen Partnern, Konzerten und O-Feten ausgeschenkt werden, allerdings keine branntweinhaltigen Getränke.

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