Frauen an die Macht – aber nicht in Kierspe

+
Die Stimmen der Frauen werden von allen Parteien gerne genommen. Als Kandidaten spielen sie für die meisten Parteien vor Ort aber keine große Rolle.

Kierspe – Deutschland hat eine Kanzlerin, die Grünen eine Frau an der Spitze und die SPD bis vergangenes Jahr eine Vorsitzende. Frauen sind in der deutschen Politik präsent, nehmen wichtige Funktionen ein und werden wahrgenommen. Doch in Kierspe sieht man das für den eigenen Rat ganz anders.

Gerade einmal neun der 37 Ratsmitglieder sind Frauen, also nicht einmal ein Viertel. Und wenn man sich die Voraussetzungen für den nächsten Rat anschaut, dann sieht es wohl nicht viel besser aus. Für das höchste Amt der Stadt und damit auch für den Vorsitz im Rat kandidieren drei Männer. Wie viele Frauen letztlich in den Rat kommen, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch niemand sagen, da sich der Rat aus den Siegern der Wahlkreise und den Kandidaten auf der Reserveliste zusammensetzt.

Schaut man sich die Wahlkreiskandidaten an, dann kandidieren bei der CDU fünf Frauen, vier sind es bei SPD, UWG und FWG – und nur zwei bei der FDP. Spitzenreiter bei den Wahlkreiskandidatinnen sind die Grünen, die gleich mit zehn Frauen in den Wahlkampf um die Nachbarschaften ziehen. Die CDU hat bei den vergangenen Wahlen zwar immer die meisten Wahlkreise gewonnen, doch dass sie alle 17 gewinnt, ist wohl doch eher unwahrscheinlich. So werden auch bei den Christdemokraten einige Ratsmitglieder über die Reserveliste in den Rat kommen, bei den kleineren Parteien sind es wohl ausschließlich die Kandidaten der Reserveliste, die ihren Platz im Rat finden. Dort finden sich bei der CDU dann gerade einmal noch drei Frauen unter den ersten zehn Listenplätzen, bei der SPD ist das Verhältnis mit fünf Plätzen ausgewogen. Die Grünen, bei denen nur acht Kandidaten auf der Liste stehen, finden sich aber weit mehr als 50 Prozent, nämlich genau fünf Frauen. UWG und FWG besetzten immerhin noch ein Fünftel der ersten zehn Listenplätze mit Frauen und bei der FDP reicht es für gerade noch zehn Prozent, oder anders ausgedrückt, sie haben unter den ersten zehn Listenplätzen gerade einmal eine Frau, die sich auf Platz fünf findet – und damit, legt man die Wahlergebnisse der vergangenen Jahre zugrunde, keine Chance auf einen Sitz im höchsten politischen Gremium in Kierspe hat. Überhaupt, wenn man die Sitzverteilung des jetzigen Rates mit den Reservelisten vergleicht, dann sieht es in den allermeisten Parteien und Wählergemeinschaften nicht allzu gut für die Frauen aus. Bei FWG und FDP würde man dann ganz auf Frauen verzichten, keiner der beiden (FDP) beziehungsweise drei (FWG) Plätze ist mit einer Frau besetzt. Bei den Grünen, die ebenfalls im jetzigen Rat mit drei Sitzen vertreten sind, wäre mit einer Frau immerhin ein Drittel weiblich. Im Gegensatz zur SPD, wo sich Frauen und Männer auf den Listenplätzen abwechseln, steht die erste Frau bei den Grünen erst auf dem dritten Platz.

Ebenfalls nur eine Frau würde bei der UWG in den Rat einziehen, wenn die Sitzverteilung wieder so aussehen würde, wie vor sechs Jahren. Damals zogen sechs Unabhängige ins Gremium, kommt es dazu erneut, dann eben wieder nur mit einer Frau, denn so ist das auch jetzt schon in der UWG-Fraktion.

Aber auch die CDU-Fraktion würde unterstreichen, dass sich bei ihr im Bereich der Frauen nichts verändert hat. Derzeit sitzen vier CDUlerinnen im Rat, geht es nach der Reserveliste, sind es im nächsten Rat auch wieder nur vier der 13 Plätze.

Einzig die SPD würde das Verhältnis zwischen Politikern und Politikerinnen verändern. Sitzen auf den neun Fraktionsstühlen im jetzigen Rat vier Frauen, wären es, wenn nur die Reserveliste greift, fünf weibliche Abgeordnete. Das liegt daran, dass die Liste dort mit einer Frau startet und dann kosequent auch jeder zweite Platz mit einer Politikerin besetzt ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare