Lebensbäume bereiten Probleme auf Grabflächen

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Trotz seiner Körpergröße von rund 1,90 Meter wachsen ihm viele Pflanzen über den Kopf hinaus: Friedhofsgärtner Jens Volkenrodt hat aufgelistet, welche Gewächse auf dem Friedhof am Büscherweg zu groß geworden sind.

Kierspe - Um rund drei Hektar Friedhofsfläche am Büscherweg muss sich Jens Volkenrodt täglich kümmern. Doch hochwachsende Bäume und Sträucher erschweren dem Friedhofsgärtner seine Arbeit zunehmend. Deshalb sahen er und die Kiersper Friedhofsverwaltung sich nun zum Handeln gezwungen.

„Ich kann keine genauen Zahlen nennen, aber es wurden sehr viele Nutzungsberechtigte schriftlich gebeten, ihre Grabstätten in Ordnung zu bringen“, erklärt Petra Biewald, Sachbearbeiterin für Friedhofsangelegenheiten, im Gespräch mit der MZ.

Vorausgegangen war eine „routinemäßige Begehung“, die Friedhofsgärtner Volkenrodt am 8. Januar unternahm. Dabei listete er sämtliche Gräber auf, auf denen Bäume und Sträucher zu groß geworden sind. In der Friedhofssatzung steht dazu unter anderem geschrieben: „Zur Bepflanzung der Grabstätten sind nur geeignete Gewächse zu verwenden, die die benachbarten Grabstätten und die öffentlichen Anlagen und Wege nicht beeinträchtigen.“ Viele Gewächse entsprechen diesen Vorgaben jedoch nicht: „Viele Pflanzen wachsen extrem in die Breite, oftmals über die Grab-Grenzen hinaus auf andere Gräber und auf die Gehwege, sodass wir teilweise Schwierigkeiten haben, mit dem Bagger durchzukommen“, kritisiert Jens Volkenrodt. 

Trotz seiner Körpergröße von knapp 1,90 Meter wachsen ihm unzählige Lebensbäume – um die es sich vorrangig handelt – über den Kopf hinaus: „Die wuchern unaufhaltsam in die Höhe. Das geht einfach nicht“, ärgert er sich, während er einen rund 2,50 Meter großen Lebensbaum begutachtet, der „noch zu den kleineren Problemfällen“ gehöre. 

Ein weiteres – jedoch unsichtbares – Problem der Pflanzen ist ihr Wurzelwerk: „Das wuchert unterirdisch in einem solchen Ausmaß, dass andere Gräber beschädigt werden und es beim Ausheben große Einschränkungen gibt“, führt Petra Biewald die Problemliste fort. Lebensbäume seien in den Augen der Verwaltungsangestellten „für eine Grabfläche gänzlich ungeeignet.“ Bessere Optionen seien Niedriggewächse.

Das Schreiben, das laut Biewald „als freundliche Bitte“ herausgeschickt wurde, macht die Nutzungsberechtigten auf die Problematik aufmerksam. Sie werden seitens der Friedhofsverwaltung gebeten, die besagten Pflanzen bis zum 31. März zu entfernen. Geschehe dies nicht, gebe es eine Mahnung und die Androhung einer Zwangsmaßnahme – „trägt das alles keine Früchte, entfernt der Friedhofsgärtner die Pflanze und stellt dem Verantwortlichen die Kosten dafür in Rechnung“, erläutert Biewald.

In der Friedhofssatzung steht unter dem zweiten Punkt des 22. Paragraphen nämlich auch, dass „alle gepflanzten Bäume und Sträucher in das Eigentum der Friedhofsverwaltung übergehen“ – laut Satzung ist die Friedhofsverwaltung damit handlungsbefugt.

Nach Eingang des Schreibens haben nach Angaben von Biewald und Volkenrodt viele Nutzungsberechtigte verständnisvoll reagiert und teilweise bereits gehandelt. „Zudem kommt es immer auf den Einzelfall an. In Kierspe gibt es meiner Auffassung nach eine sehr tolerante Friedhofsverwaltung. Es ist ja nicht so, als würden wir nicht mit uns sprechen lassen“, unterstreicht Jens Volkenroth.

Wenig Verständnis zeigt Karl Friedrich Kuhbier, der ebenfalls als Nutzungsberechtigter einer Grabfläche angeschrieben worden ist: „Lebensbäume und immergrüne Sträucher gehören seit eh und je zur typischen Bepflanzung von Friedhöfen und Gräbern. So auch auf unserem Grab, das seit 1903 besteht und als historisch angesehen werden kann. Ich lehne eine Veränderung der Grabfläche ganz entschieden ab.“ Zur Not möchte sich Kuhbier Rechtsbeistand einholen.

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