Der lange Weg zum Traumberuf

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„Mein Traum ist es, etwas Künstlerisches zu machen“, berichtet Sarah Lehmann. Die 18-Jährige überlegt Kunstlehrerin zu werden. ▪

KIERSPE ▪ Prinzessin, Pirat oder doch lieber Pilot? Fragt man Kinder nach ihren Berufswünschen, erhält man die fantasievollsten Antworten. Heute sehen die beruflichen Ziele von Jugendlichen ein wenig realistischer aus. Viele 17- bis 19-Jährige wissen schon jetzt, in welchem Bereich sie nach ihrem Abschluss arbeiten möchten. Allerdings stellen sich auch jetzt noch Fragen, die die Jugendlichen mit einigen Problemen konfrontieren. Was ist mein Ziel? Wo bekomme ich genug Informationen her? Welchen Weg schlage ich ein, um dies zu erreichen? Will ich wirklich in Kierspe bleiben?

„Mein Traum ist es, etwas Künstlerisches zu machen“, berichtet Sarah Lehmann. In welchem Bereich sie tätig sein möchte, ist noch unklar. „Vielleicht studiere ich Kunst auf Lehramt, um dann Kunstlehrerin zu werden. Ich bin mir aber noch nicht sicher, ob der Lehrerberuf wirklich etwas für mich ist“, räumt Sarah ihre Zweifel ein.

Über den Studiengang Kunst hat sie sich weitreichend informiert. „Ich habe im Internet recherchiert. Meistens auf den Websites der Universitäten selbst, die viele Informationen bieten. Wenn mir ein Angebot gefallen hat, habe ich die Uni am Tag der offenen Tür besucht.“ Sich vor Ort über eine Universität zu informieren findet die 18-Jährige sehr wichtig: „Man kann seine Fragen loswerden und sogar eine individuelle Studienberatung wahrnehmen. Das hilft einem ungemein bei der Entscheidung für einen Studiengang.“

Bisher gefällt Sarah die Bergische Universität in Wuppertal am besten. Ihre Kunstmappe hat sie sogar schon einmal in Hamburg vorgestellt: „Um in einen künstlerischen Studiengang aufgenommen zu werden, muss man seine Kunstmappe mit verschiedenen Beispielarbeiten abgeben. Dafür arbeite ich jetzt schon sehr viel, um später bei den Einstellungstests und den Vorstellungsgesprächen eine gute Mappe vorzeigen zu können. Gute Vorbereitung ist alles.“ In Kierspe bleiben will sie nicht unbedingt. „Wo ich wohnen werde, weiß ich noch nicht. Das kommt ganz auf die Uni an, bei der ich angenommen werde“, erklärt die Abiturientin.

Auch Solveig Borlinghaus möchte später aus Kierspe wegziehen: „Ich würde gerne in den Medien- oder Tourismusbereich gehen. In Kierspe gibt es nicht viele Möglichkeiten dafür.“ Die Schülerin ist sich noch nicht sicher, für welchen Weg sie sich entscheiden soll. „Ich würde gerne ein Freies-Soziales-Ökologisches Jahr im Ausland machen. Darüber habe ich schon mit Freunden geredet, die diese Erfahrung gemacht haben. Außerdem recherchiere ich viel im Internet“, erzählt Solveig. Ein Studium ist ebenfalls reizvoll für sie. So besuchte die 18-Jährige schon zahlreiche Unis, absolvierte eine Studienberatung und nahm an Berufsmessen teil. Sie möchte sich alles offen halten: „Um meinen Traumberuf zu finden, versuche ich mit Praktika viel Erfahrung zu sammeln. So kann ich Berufe, die nichts für mich sind besser ausfiltern.“

Alina Jung hat auf die Frage, was sie mal werden will, immer noch keine passende Antwort gefunden: „Interessieren würden mich einige Sachen. Der Lehrerberuf gefällt mir und Fächer wie Musik und Kunst sowie Pädagogik oder Deutsch interessieren mich sehr.“ Auch Psychologie und Architektur stehen zur Auswahl. „In der Architektur könnte ich meiner kreativen Ader freien Lauf lassen. Aber leider habe ich in dem Bereich wohl eher Chancen in der Stadt und ich bin doch eher ein Landei“, gesteht die Schülerin schmunzelnd.

Um sich endgültig entscheiden zu können, spricht sie oft mit Bekannten und wägt die Vor- und Nachteile der verschiedenen Tätigkeiten gegeneinander ab. Zudem besuchte die 18-Jährige schon oft die Universität in Siegen, da ihre Schwester dort studiert. „In einer richtigen Vorlesung war ich noch nicht, aber das wird sich in den Ferien ändern. Ich möchte die Zeit nutzen, um eine Studienberatung in Köln wahrzunehmen und noch mehr Infomaterial zu sammeln“, berichtet sie.

Valentina Wengefeld setzt ebenfalls alles daran, so viele Informationen wie möglich zu sammeln: „Ich habe gemerkt, wie wichtig es ist, sich über die Ausbildung oder einen Studiengang zu informieren, da man dabei schon erkennen kann, ob man die Anforderungen erfüllen kann und ob es der Beruf ist, der zu einem passt und der die Zukunft weitestgehend bestimmen soll.“

Ihr Traum ist es, Modejournalistin zu werden. „Für mich stand schon früh fest, dass mein Wunschberuf in den kreativen Bereich gehen wird, da ich einfach das Bedürfnis danach verspüre, einen Beruf auszuüben, bei dem ich das Gefühl bekomme, etwas geschaffen zu haben. Ein handfestes Resultat, bei dem ich sagen kann „das ist von mir“, ist mir wichtig. Da ich mich sehr für Mode und deren Facetten interessiere, war dies schon einmal ein Punkt, der für meinen Berufswunsch ausschlaggebend war“, berichtet die Abiturientin. In ihrer Freizeit interessiert Valentina sich sehr für Mode und Lifestyle und besucht täglich verschiedene Blogs zu diesem Thema.

Die Kombination aus Mode und Journalismus sprach sie schon recht früh an. Im Internet wurde die 18-Jährige dann fündig: „Ich stieß auf eine Modeakademie die neben einem Studium zum Modedesigner auch den Ausbildungsgang Modejournalismus und Medienkommunikation anbietet. Natürlich war mir auch wichtig, wie die Chancen nach der Ausbildung sind eine Stelle zu finden, was man verdient und ob dieser Beruf überhaupt Zukunft hat. Um das alles zu erfahren, besuchte ich einen Infoabend der AMD Düsseldorf. Dort wurde mir genau erzählt, wie die Anforderungen sind, welche Chancen es nach der Ausbildung gibt und was genau diese Ausbildung beinhaltet.“

In Kierspe bleiben möchte Valentina nicht. Ihr Wunsch ist es, nach Düsseldorf zu gehen um dort zu studieren. „Ich finde, in der heutigen Zeit ist es wichtig, nicht irgendeinen Beruf im Umkreis zu wählen, der den Vorstellungen nicht entspricht, nur um bei der Familie und den Freunden zu bleiben. Man muss auch was riskieren im Leben, um seinen Träumen ein Stück näher zu kommen. Die vielen verschiedenen Berufsmöglichkeiten liegen nunmal nicht direkt vor der Tür.“

Hendrik Kulse hat das erkannt und tritt im September seine Ausbildungsstelle als Einzelhandelskauffmann bei Peek & Cloppenburg in Düsseldorf an. Sein Ziel ist es, sich in der Modewelt zu etablieren. „Um mein Ziel zu erreichen, halte ich mich ständig auf dem laufenden. Ich kaufe mir zahlreiche Modezeitschriften, informiere mich Vorort in Geschäften und führe einen Modeblog unter der Adresse http://www.heendrik-couture.blogspot.com. Auf der Website teile ich mein modisches Wissen mit anderen, was mir sehr viel Spaß macht.“

Über die Ausbildung informierte er sich auf der Website des Unternehmens. An den Einstellungstest kann der Fashionista sich noch genau erinnern: „Man hat ziemlich viel über sich selbst gelernt, weil Fragen gestellt wurden, über die man noch nie nachgedacht hat.“

Auch Jenny Niklas hat sich für eine Ausbildung entschieden. Die Abiturientin möchte allerdings im Umkreis bleiben und nicht sofort in eine Großstadt ziehen. „Ich möchte erstmal eine Ausbildung machen. Am liebsten zur Buchhändlerin. Danach studiere ich vielleicht Englisch oder gehe in das Verlagswesen“, schildert sie. Um Erfahrungen zu sammeln setzt Jenny auf Praktika. Dafür hat sie sich Vorort bei Buchhandlungen erkundigt.

Katharina Hettesheimer hat sich ebenfalls für eine Ausbildung in ihrer Heimatstadt entschieden: „Ich arbeite seit dem 1. August bei der Volksbank in Kierspe. Dort mache ich meine Ausbildung zur Bankkauffrau.“ Ihr Tipp für die Informationsbeschaffung ist die Berufsbörse, die regelmäßig in der Gesamtschule Kierspe stattfindet. „Während der Berufsbörse kann man unschätzbare Kontakte knüpfen. Ich habe durch die Veranstaltung einen Praktikumsplatz erhalten. Später hatte ich bei der Bewerbung um eine Ausbildungsstelle natürlich gute Voraussetzungen“, reflektiert die angehende Bankkauffrau.

Fast alle Jugendlichen setzen während ihrer Berufssuche auf praktische Erfahrung und Informationen über Studiengänge oder Ausbildungsstellen. Zu finden sind diese Informationen im Internet auf den jeweiligen Seiten der Unternehmen und Universitäten. Helen Arnhold gibt den Schülern noch einen weiteren Tipp mit auf den Weg: „Ich schaue regelmäßig auf der Website der Arbeitsagentur. Dort gibt es die Jobbörse, in der man gezielt nach Ausbildungsplätzen suchen kann. Außerdem gibt es zu den verschiedenen Berufen ausführliches Infomaterial.“ Die Schülerin sucht selbst noch nach der passenden Berufung. „Vielleicht wäre Immobilienmaklerin etwas für mich.“

Naima Fischer

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