Lange Nächte für Kiersper Jäger

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Rönsahl - Die Felder und Wiesen sind weiß und schneebedeckt, der Mond erhellt die Szenerie. Dann fällt ein Schuss, dass mächtige Wildschwein sinkt zu Boden. Von solch idealen Jagdbedingungen sind die Sauerländer Jäger in diesem Jahr weit entfernt. Und manchmal wird ihnen die Jagd auch noch von unerwarteter Seite erschwert.

Der Jäger traute seinen Augen nicht, als er nachts auf seinem Hochsitz saß, um auf Wildschweinjagd zu gehen. So zumindest hat er es Michael Heveling, dem Leiter des Hegerings Kierspe-Rönsahl, berichtet. „Vor einigen Wochen saß der Jagdfreund aus Rönsahl auf seinem Hochsitz und beobachtete einige Sauen, die in Richtung seines Hochsitzes unterwegs waren. Doch plötzlich erklang das Geräusch eines Traktors und kurz darauf konnte der Jäger einen Bauern beobachten, der mitten in der Nacht Gülle ausfuhr.

 Da konnte er gegen Mitternacht seinen Hochsitz verlassen, denn von den Schweinen war nichts mehr zu sehen“, berichtet Heveling. Warum der Bauer mitten in der Nacht unterwegs war, dazu hat Heveling eine Vermutung, äußert diese aber nicht. Doch seine Verärgerung ist ihm deutlich anzumerken. Denn die Jagd auf die scheuen und schlauen Tiere ist auch ohne solche Störungen schon schwierig genug. Wenn dann lärmende Landwirte und Menschen, die Hochsitze mutwillig zerstören, hinzukommen, wird es noch einmal deutlich schwieriger. 

Dabei ist gerade derzeit der Druck auf die Jäger hoch, möglichst viele Schweine zu schießen. Zum einen besteht die große Gefahr, dass die Afrikanische Schweinepest (ASP) bald nach Deutschland kommt, zum anderen nehmen die Schäden, die die Schweine in der Landwirtschaft, aber auch in Wohngebieten anrichten, immer mehr zu. Im Osten sei die ASP mittlerweile fast an der Grenze angekommen und seit 2018 auch in Belgien beobachtet worden, berichtet Heveling. Und da Schweine nicht fliegen könnten, war es wohl der Mensch, der die Krankheitserreger von Ost nach West gebracht hat.

 „Das Virus hält sich in Rohwurstwaren viele Monate. Wenn dann diese Lebensmittel unbedacht entsorgt werden, kann sich das Schwein bei seiner Futtersuche anstecken“, erklärt der Hegeringvorsitzende. Heveling geht davon aus, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Seuche auch in Deutschland ausbricht. „Um in diesem Fall die Ansteckungsgefahr möglichst gering zu halten, ist es wichtig, dass der Wildschweinbestand ausgedünnt wird“, sagt der Jäger. 

Zudem habe es im Herbst 2019 kaum Buchen- und Eichenmast gegeben. Dadurch fürchteten Jäger und Landwirte, dass die Schweine auf der Suche nach Nahrungsalternativen die Böden durchwühlen, um an Larven und Würmer zu gelangen. „Der Regen weicht derzeit die Böden auf und erleichtert den Schweinen ihr Tun“, so Heveling, der dadurch enorme Schäden im Grünland befürchtet. 

Doch wie jagt man die scheuen Tiere, die sich im Unterholz aufhalten, gut getarnt sind und außerdem nachtaktiv? „Zunächst muss der Mond genügend Licht bringen, um die Tiere überhaupt sehen zu können, das ist aber nur in Vollmondphasen gegeben, sowie an wenigen Tagen zuvor und danach. Außerdem muss der Wind aus der richtigen Richtung wehen, da die feine Nase der Schweine sofort den Jäger registriert. Aber auch, wenn alles stimmt, heißt das nicht, dass die Schweine auch tatsächlich auftauchen. Oft verbringt der Jäger viele Jagdstunden, ohne erfolgreich zu sein“, berichtet Heveling.

 Doch selbst wenn der Jäger erfolgreich ist, ist seine Arbeit nicht getan. „Das schwere Schwein muss geborgen und in die vorgeschriebene Kühlung gebracht werden. Gerade bei Wildschweinen, die 150 Kilogramm wiegen können, geht das nicht, wenn man alleine ist“, so der Jäger. Sei der Transport erledigt, müsse ein Teil des Tieres zum Veterinär gebracht werden, damit eine Untersuchung auf Trichinen erfolgen könne. Heveling: „Erst nach der amtlichen Freigabe darf das Tier in den Verkehr gebracht und zum Verzehr freigegeben werden.“ 

Damit alle Wege nachvollziehbar blieben, müsse das Tier mit einer Wildmarke gekennzeichnet und alle Schritte auf einem Wildursprungsschein vermerkt werden. Zudem müsse der Jäger als Lebensmittelunternehmer angemeldet sein und über einen entsprechenden Sachkundnachweis verfügen. Letztlich müsse auch noch der sogenannte Aufbruch (die nicht verwertbaren Innereien) ordnungsgemäß entsorgt würden. Dabei würden Gebühren in Höhe von rund 70 Euro anfallen. 

„In Zukunft wird die Jagd auf Schwarzwild noch schwieriger, da sich die Wälder durch den Borkenkäferbefall stark verändern. Dazu kommt, dass die Wildschweine wehrhaft sind und bei Drückjagden Treiber und Hunde angreifen. Das kann zu schwersten Verletzungen führen“, erzählt Heveling abschließend.

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