Hofladen: Nur wenige Meter zwischen Stall und Theke

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Ein qualifiziertes Team im Hofladen der Familie Schriever: die staatlich geprüfte Landwirtin (Landwirtschaftsmeisterin) Michaela Schriever, der Landwirtschaftsmeister Fritz-Hermann Schriever und die Hauswirtschaftsmeisterin Silvia Schriever (von rechts).

Kierspe - Vom Stall zum Schlachthaus sind es nicht mal 20 Meter – und vom Schlachthaus zum Hofladen ist es noch kürzer. Wenn der Verkauf von Produkten aus der Umgebung als regional bezeichnet wird, dann ist das, was auf dem Hof der Familie Schriever passiert, wohl hyperregional.

„Einer unserer Stammkunden kam aus Berlin. Immer wenn er seine Schwester in Hagen besuchte, kaufte er vorher bei uns Hähnchen. Oder, besser gesagt, immer, wenn es bei uns Hähnchen gab, besuchte er seine Schwester“, erzählt Michaela Schriever. Grundsätzlich kämen die Kunden aber aus einem Umkreis von rund 25 Kilometern – also aus Kierspe, Meinerzhagen, Halver und Lüdenscheid. Doch es seien auch einige Exoten dabei, die aus Köln, Mühlheim oder Hagen den Weg nach Vorderste Berg finden würden.

In den vergangenen sechs Jahren haben sich Schrievers auf jeden Fall einen großen Kreis an Stammkunden aufgebaut. Wobei sie bereits vor der Eröffnung des Ladenlokals mit der Direktvermarktung begonnen hatten.

1995 wurde mit dem Verkauf von Puten begonnen, 1998 dann das Schlachthaus gebaut – und 2002 der Hofladen. Der Hof selbst besteht bereits seit 1740, die Kinder von Michaela Schriever sind die zehnte Generation.

Die Familie ist in Kierspe so bekannt, wie die sprichwörtliche bunte Kuh. Von denen stehen übrigens rund 70 Stück in den eigenen Ställen – und im Sommer auf den eigenen Weiden. Aber auch Schweine, Masthähnchen, Legehennen und derzeit auch noch Puten tummeln sich auf dem Hof. Wie die Tiere dort leben? Davon kann sich jeder selbst überzeugen. Fritz-Hermann Schriever führt die Besucher gerne über sein Anwesen, aber auch, wenn sich ein Kunde selbst umschaut, hat der Landwirt damit kein Problem. „Wir leben die Transparenz, die immer wieder gefordert wird“, sagt der Landwirt nicht ohne Stolz.

Während in den Schweine-ställen der großen Züchter das Besichtigen nur mit Vollschutzkleidung und desinfizierten Stiefeln möglich und denkbar ist, steht der Stall bei Schreivers offen. Die Tiere recken neugierig ihre Schnauze den Besuchern entgegen, sehr zur Freude der Gruppen aus Kindergärten und Grundschulen, die immer wieder zu Gast auf dem Hof sind.

Produkte, die zugekauft werden, stammen vom Erzeuger und fügen sich damit in das Konzept des Hofladens ein.


Gleich nebenan laufen die Puten – allerdings nicht mehr lange, denn diese gehen noch in dieser Woche über die Theke. Das Schlachten übernimmt der Bauer selbst. Die Genehmigung zum Betäuben, Töten und Verarbeiten der Tiere hat er schon Jahrzehnte. Gleich neben dem Schlachthaus stehen über einem Schreibtisch die Ordner mit den Rezepten, nach denen er die Wurstwaren zubereitet. „Da kommen nur Einzelgewürze rein. Fertigmischungen haben hier nichts verloren.“

Was der Landwirt so alles zubereitet, findet sich in der großen Kühltheke des Hofladens. Rund die Hälfte der Fläche nehmen diese Waren ein. Die andere Hälfte wird zum großen Teil von Käseprodukten belegt, die aus einer Hofkäserei aus dem Allgäu kommen. Michaela Schriever erklärt, dass alle Produkte direkt vom Erzeuger kämen und sich so gut ins Konzept einpassen würden. Damit zielt sie auf den Wein, die Nudeln oder Gurkenspezialitäten. Denn die Marmeladen und Fruchtaufstriche, die die Regale füllen, werden selbst gemacht, genau wie die Milchprodukte. Und wer möchte, kann auch Rohmilch kaufen.

Aber bei Schrievers kann man nicht nur Einkaufen, sondern auch feiern. Im Partyraum gleich neben dem Laden finden rund 70 Besucher Platz – und in der Scheune rund 200, wobei Letztgenannte nur im Sommer zur Verfügung steht. Komplettiert wird das Angebot dann noch mit einem Partyservice, der für rund 100 Hungrige das Essen liefern kann.

Schrievers Hofladen in Kierspe, Vorderste Berg 1, ist montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 13 Uhr geöffnet. Weitere Informationen gibt es unter der Rufnummer 0 23 59/21 68.

Frisches Fleisch

Neben den Fleisch- und Wurstwaren, die sich immer in der Kühltheke finden, gibt es auch Termine, an denen bestimmte Fleischarten schlachtfrisch erworben werden können. So werden Puten am 2., 3. und 4. November verkauft. Später folgen Schweine (23. und 24. November), Rinder und Kälber (14. und 15. Dezember) sowie Hähnchen (18. und 19. Januar). Allerdings sind für diese Käufe Vorbestellungen erwünscht unter 0 23 59/21 68.

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