Landwirtschaftlicher Ortsverband blickt auf Jahr 2015 zurück

+
Reiner Grafe, Björn Hettesheimer, Fabian Hedfeld, Peter Frettlöh und Michael Kremer (von links) trafen sich in Vornholt zum Jahresrückblick des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes.

Kierspe - Das Wetter hat den Landwirten in Kierspe in diesem Jahr in die Karten gespielt, während die Markt- und Preislage der Milch eher Anlass zur Sorge bereitete. So hatte der Vorstand des Landwirtschaftlichen Ortsverbands Kierspe beim Rückblick gute und schlechte Nachrichten zu vermelden.

An Weihnachten 15 Grad und strahlender Sonnenschein – was vielen Deutschen unpassend und komisch vorkommt, macht den Landwirten zunächst keine Sorgen. „Das schadet uns gerade eigentlich nicht. Jetzt darf nur keine dicke Schneeschicht ohne Frost kommen. Denn dann könnten die Feldmäuse vieles kaputt fressen“, erklärte Schriftführer Michael Kremer.

Und der zweite Vorsitzende Fabian Hedfeld führte weiter aus: „Dann würden die Wurzeln der wertvollen Gräser zerfressen und im Frühjahr kämen Unkräuter durch.“ So lange der Boden unter dem Schnee gefroren sei, hätten die Mäuse aber keine Chance, die Wurzeln zu zerstören.

Die Vorstandsmitglieder, die sich am Montag auf dem Hof des ersten Vorsitzenden Reiner Grafe in Vornholt bei Kaffee und Plätzchen trafen, blicken wettertechnisch insgesamt auf ein positives Jahr zurück.

Das trockene Frühjahr habe es erlaubt, zeitig mit Grünland- und Ackerarbeiten zu beginnen, wie Kremer sagte. „Im Juni hatten wir eine kleine Trockenperiode, aber das war hier in der Region nichts im Vergleich zur Situation in Süd- und Ostdeutschland. Bei uns sind die Getreidebestände nicht vertrocknet.“

Günstig sei auch die Wetterlage im Oktober gewesen. Da es „lange gut war“, sei man mit dem Mais- und Grünlandschnitt nicht unter Druck geraten, so Kremer. Grafe fasste für 2015 zusammen: „Qualität und Quantität bei Mais-Silage und Getreide sind sehr gut.“

Überangebot führt zu schlechten Preisen

Schwierig und mitunter haarsträubend ist für die Landwirte allerdings weiterhin der Milchmarkt. Im Vergleich zum Vorjahr habe man eine Überproduktion von zwei Prozent zu verzeichnen. „In dem Markt merkt man zwei Prozent schon deutlich“, so Grafe.

Hintergrund: Durch das Embargo, das Russland bereits im August 2014 gegen deutsche Agrar-Produkte verhängt hatte, brechen nach wie vor Einnahmen in Milliardenhöhe weg, da deutsche Molkereien nicht nach Russland exportieren dürfen. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte das Embargo als Reaktion auf EU-Sanktionen während der Ukraine-Krise verhängt.

„Wo zu viel im Angebot ist, gehen die Preise runter. Das ist halt Angebot und Nachfrage“, verdeutlichte Grafe. Dementsprechend sei der Milchpreis seit Anfang 2015 um zehn Cent gefallen und liege derweil bei 26 Cent. Wie Beisitzer Björn Hettesheimer zur Verdeutlichung der Lage einwarf, könne man erst bei allem, was über 40 Cent liegt, von einem guten Preis sprechen.

Kassierer Peter Frettlöh: „Das stimmt schon. In der derzeitigen Situation ist etwa an Modernisierungen oder Investitionen bei den Milchbetrieben nicht wirklich zu denken.“ Auch Grafe zeigte sich nicht optimistischer: „Es sieht nicht nach einem Aufwärtstrend für uns aus. Das sind gerade keine rosigen Zeiten.“

Nitratbelastung kein Anlass zur Sorge

Beruhigt sind die Kiersper Landwirte immerhin, was die Nitratbelastung des Grundwassers angeht. Das Thema hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht (MZ berichtete). In Kierspe und Meinerzhagen seien aber lediglich 5 Milligramm pro Liter (mg/l) festgestellt worden, während die Grenze in Deutschland bei 50 mg/l liege, führte Kremer aus.

Ausblick auf Programm für 2016

Und einen hoffnungsfrohen Blick warfen die Landwirte schon mal auf das kommende Jahr. Am 2. Februar trifft sich der Landwirtschaftliche Ortsverband Kierspe zu seiner Jahreshauptversammlung auf dem Funkenhof. Am 13. Februar steht ebenfalls dort der traditionelle Trecker-TÜV auf dem Programm und für Samstag, 19. März, planen die Landwirte erstmals nach vier Jahren Pause wieder ein Frühlingsfest auf Gut Haarbecke.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare