Wildschäden: Kein Geld für Gartenbesitzer

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Die Schäden, die Wildschweine anrichten, können erheblich sei. Durch die Zunahme der Schweine nimmt auch die Zahl der Schäden zu. Und während der Landwirt entschädigt wird, bekommt der Gartenbesitzer nichts.

Kierspe - „Zum Teil sind die Schäden, die von Wildschweinen angerichtet werden, dramatisch“, berichtet der Leiter des Hegerings Kierspe-Rönsahl Matthias Heveling.

Im Gespräch mit der Meinerzhagener Zeitung erklärt er, wer für die Beseitigung der Schäden zuständig ist, welche Schäden bezahlt werden – und auch, warum die Gartenbesitzer leer ausgehen, wenn die Schweine den Vor- oder Hausgarten vernichten.

Grundsätzlich ist nach Bundesjagdgesetz der Jagdverpächter zuständig, also meist die Jagdgenossenschaft“, so Heveling. Das Jagdgesetz erlaubt es Grundbesitzern, auf dem eigenen Gelände zu jagen, wenn dieses mindestens 75 Hektar groß ist, die Flächen zusammenhängen und der Eigentümer einen Jagdschein hat. Da dies nur in wenigen Fällen zutrifft, müssen sich die Grundbesitzer, deren Flächen kleiner sind, in sogenannten Jagdgenossenschaften zusammenschließen. Üblicherweise übertragen diese dann die Ersatzpflicht bei Wildschäden auf den Jagdpächter.

Kommt es zu einem Wildschaden, muss der Pächter dem Eigentümer den vollen Schaden ersetzen, der auf Feldern und im Wald entstanden ist. Doch gerade in den vergangenen Jahren haben auch Schäden in Vor- und Hausgärten dramatisch zugenommen. Selbst vor Innenstädten machen die Wildtiere nicht halt. „Dann bleibt der Gartenbesitzer aber auf seinem Schaden sitzen, weil das bebaute Gebiet als befriedet gilt, dort also nicht gejagt werden darf“, sagt Heveling. Doch auch die Land- und Waldwirte müssen einiges beachten, um entschädigt zu werden. Heveling: „Der Landwirt ist zur Schadensminderung verpflichtet. Vor allem bei Grünland bedeutet das, dass der Landwirt einen Schaden früh beseitigen sollte. Er kann also nicht im Herbst Ersatz für alle ausgefallenen Schnitte verlangen, sondern muss möglichst schnell nachsäen.“

Die Schweine nehmen das Futter, das sie finden. Gerne gehen sie bei der Suche nach Eiweisnahrung auch ins Grünland – aber sie lassen sich auch Mais und Getreide schmecken.


Bei Schäden im Mais oder Gereide sehe das anders aus, weil die Schweine meist erst kurz vor der Ernte dort eindringen würden. Um die Schäden in ihrer Höhe zu begrenzen, würden die Jäger aber oft nicht nur den Schaden bezahlen, sondern diesen mit eigenem Gerät in Ordnung bringen.

Grundsätzlich hilft gegen Wildschweine nach Ansicht der Jäger vor allem die Jagd, wobei nach den Erfahrungen von Heveling die Zahl der Tiere derart zugenommen hat, dass die Jäger gar nicht nachkämen. So berichtet er von Revieren, die üblicherweise bei Ansitzjagden rund fünf Wildschweine im Jahr erlegten, im vergangenen Jahr aber 20 und mehr Schweine geschossen hätten. Auch bei den Drückjagden würden immer gute Erfolge erzielt.

Ein Interesse, an möglichst vielen geschossenen Schweinen haben Landwirte und Jäger aber auch im Hinblick auf die Afrikanische Schweinepest (ASP). Diese ist derzeit zwar noch nicht in Deutschland festgestellt worden, aber in zahlreichen Länden, die sich mit Deutschland eine Grenze teilen – wie Belgien, Polen oder auch Slowenien. Heveling: „Die ASP ist bis auf zwölf Kilometer an Deutschland herangekommen. Meiner Meinung ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Afrikanische Schweinepest auch bei Tieren in Deutschland festgestellt wird.

Die ASP ist nicht die einzige Krankheit, die den Schweinen, aber auch allen, die mit ihnen zu tun haben, das Leben schwer macht. So wurde erst vor Kurzem ein Wildschwein im Bereich Plettenberg aufgefunden, das an einer Salmonellenvergiftung erkrankt war. „Das ist gar nicht so selten“, teilt der Märkische Kreis auf Anfrage mit. Nach Auskunft des Kreisveterinärs sei es deshalb auch sehr wichtig, dass keine Bestandteile des Wildschweins roh – beispielsweise als Mett – verzehrt würden, da die Krankheit übertragbar ist. Das Fleisch müsse vor dem Genuss erhitzt werde. „Grundsätzlich kommen die Schweine mit der Salmonellenerkrankung aber klar. Dadurch ist der Bestand an sich wohl nicht gefährdet“, sagt Ursula Erkens, Pressesprecherin des Märkischen Kreises.

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