Gemeinsam im Einsatz für sauberes Trinkwasser

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Stießen mit frischem Trinkwasser auf die Kooperation an, die seit 25 Jahren besteht: Ludwig Krämer, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Märkischer Kreis, Ernst Berbecker, Landwirt, Friederike Mürkens, Wupperverband, Ralf Crummenrl, Vorsitzender der Kooperation und Landwirt, Marius Bußmann, Landwirtschaftskammer, und Markus Höner, Landwirt (von links).

Kierspe - Die Nitratbelastung des Trinkwassers ist bedenklich hoch und die Landwirte sind schuld. Doch diese Rechnung geht nicht auf. Gerade die Kiersper Landwirte leisten einen enormen Beitrag, damit das Trinkwasser der Wuppertaler einen sensationell niedrigen Nitratwert aufweist.

Der Grenzwert für Trinkwasser liegt bei 50 Milligramm pro Liter. In der Kerspetalsperre werden gerade einmal acht Milligramm pro Liter gemessen. „Das entspricht nahezu der natürlichen Nitratbelastung von Flüssen und Bächen, die nicht durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet fließen“, erklärt Friederike Mürkens, zuständig beim Wupperverband für die Kerspetalsperre. Diese Sperre wird vor allem durch die namensgebende Kerspe gespeist und diese fließt auf Kiersper Stadtgebiet. Deshalb sind es vor allem Kiersper Landwirte, die eine Kooperation mit dem Wupperverband eingegangen sind, um jeden unnötigen Eintrag in diesen Bach und seine Nebenbäche zu verhindern. 

Das hat in den 25 Jahren, in denen die Kooperation besteht, viel zur Qualität des Wassers beigetragen. So betrug der Nitratgehalt vor einem Vierteljahrhundert noch etwas 18 Milligramm pro Liter. „Man muss aber auch sagen, dass die Probleme mit der Nitratbelastung vor allem dort auftreten, wo das Trinkwasser aus Grundwasserbrunnen gewonnen wird. In Regionen, in denen vor allem Oberflächenwasser verwendet wird, gibt es diese großen Probleme nicht“, ordnet Marius Bußmann von der Landwirtschaftskammer NRW die Zahlen ein.

Doch auch er ist von der Kooperation überzeugt, da damit auch andere Stoffe von dem Wasser ferngehalten werden. Dafür nehmen die zur Kooperation gehörenden Landwirte auch einige Einschränkungen in Kauf. So ist beispielsweise die Zeit, in der sie Gülle ausbringen können, sechs Wochen kürzer. Das bedingt, dass mehr Gülle gelagert wird. Den Bau dieser größeren Lagerkapazitäten fördert der Wupperverband.

Aber auch bei der Befestigung von Bachübergängen für Vieh und landwirtschaftliche Fahrzeuge, beim Setzen von Weidezäunen an Gewässern, der Gülleausbringung durch Lohnunternehmer, der Aufkalkung, der Grünlandnachsaat oder der Einrichtung von Pflegeschutzflächen in gewässersensiblen Bereichen unterstützt der Wupperverband die Landwirte, um Nachteile auszugleichen. Rund 80.000 Euro lässt sich der Verband das jährlich kosten. „Der Förderkatalog ist regelmäßiges Thema im Beirat der Kooperation und wird auch ständig angepasst“, erklärt Landwirt Ralf Crummenerl aus Rönsahl als Vorsitzender der Kooperation. Seit zehn Jahren hat er diese Funktion und kann sich noch gut daran erinnern, wie es in der Zeit vor der Kooperation war. „Die Landwirte wollten sich nicht beschränken lassen. Das hat sich geändert, mittlerweile ist aus dem Gegeneinander ein Miteinander geworden – mit einem Nutzen für alle Seiten.“

Heute gehören der Kooperation 31 Landwirte an, die 75 Prozent der Fläche bewirtschaften, die für den Wupperverband eine Rolle spielt und die damit in der Wasserschutzzone liegt.

Dass sich die Förderung für diese Landwirte immer weiterentwickelt, wird deutlich beispielsweise beim Kauf von Fässern zur Gülleausbringung. Bislang üblich sind Fässer, die ihren Inhalt auf sogenannte Prallteller entleeren, die dann für eine Verteilung des übel riechenden Inhalts sorgen. Mittlerweile gibt es aber auch Fahrzeuge, die über zwei lange Schwenkarme verfügen, mit deren Hilfe die Gülle dann bodennah oder sogar oder unterhalb der Grasnarbe ausgebracht werden kann. Für den Wupperverband hat diese Technik den Vorteil, dass gerade im Uferbereich wesentlich präziser die Abstände eingehalten werden können und der Landwirt profitiert davon, dass die Pflanzen gezielter und verlustfreier gedüngt werden. 

Vor allem ist diese Technik aber auch ein Gewinn für die Anwohner, die so gut wie keine Geruchsbelästigung mehr erleben. „Das ist schon eine tolle Technik, da wir auch in Trockenzeiten und damit öfter Gülle ausbringen können“, sagt Landwirt Ernst Berbecker aus Halver. Er macht aber auch klar, dass diese Fahrzeuge aufgrund der Hanglagen nicht überall eingesetzt werden können. Allerdings macht der hohe Preis der neuen Technik die Anschaffung für die Bauern nicht eben leichter. Betragen die Zusatzkosten rund 30.000 bis 40.000 Euro und verdoppeln damit die Anschaffung eines solchen Anhängers. Doch durch die Förderung lohnt sich für Landwirte mit großer Fläche die Investition. „Da wir aber auch die Ausbringung der Gülle durch einen Lohnunternehmer unterstützen, können auch Landwirte, die die Investition scheuen, von der neuen Technik profitieren“, erklärt Friederike Mürkens.

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