Landwirte: Trockenheit verdirbt Futtermittel-Ernte

Mais ist neben Grünschnitt ein wichtiges Futtermittel.

KIERSPE ▪ Immer Ärger mit der Witterung: Viel Schnee und sommerliche Trockenheit machten den Landwirten das Leben schwer. 2010 war für die Bauern in Kierspe und Rönsahl nur bedingt ein gutes Jahr. „Die Preise für die Milch stiegen etwas an“, stellt Michael Kremer im Rückblick zufrieden fest. 2009 hätten der Schriftführer des Landwirtschaftlichen Ortsverbands Kierspe und seine Kollegen noch draufzahlen müssen. In diesem Jahr sorgten jedoch steigende Futter- und Energiepreise für Unmut.

„Die schneereichen Monate bis März waren sehr problematisch. Die haben viel Geld gekostet“, resümiert Heinz Wennekamp. Wasserleitungen durften nicht einfrieren. Der Ortsverbandsvorsitzende bearbeitete sie mit dem Gasbrenner. Das Vieh brauchte schließlich Wasser. Beheizt wurden die Ställe zwar nicht – frische Luft sei für die Tiere viel gesünder. „Wenn es kalt ist, fressen die Kühe aber mehr“, erklärt Reiner Grafe, stellvertretender Vorsitzender. Und damit werde das zweite Problem der hiesigen Bauernschaft offenbar: Die Futtermittel reichten nicht aus.

„Beim Ortsverbandsfest im März lag noch richtig hoher Schnee“, erinnert sich Wennekamp: „Dadurch kamen wir erst verspätet auf die Felder.“ Die Frühjahrsarbeit verzögerte sich. Abtauender Schnee und Regen durchnässten die Felder. Die Pflege des Grünlands verschob sich.

Um die von Frost und Wühlmäusen gelöste Grasnarbe anzudrücken und die Wiesen und Weiden zu düngen, bliebe stets nur ein kleines Zeitfenster. Bis das Grün zu wachsen anfange, müssten die Arbeiten abgeschlossen sein. Mit Mühen gelang den Milchbauern dies. „Und dann kam der Umschwung mit viel Trockenheit“, so Kremer. Das Gras wuchs langsamer. „Vor allem die Hitze im Juni und Juli sorgte für einen absoluten Wachstumsstopp“, merkt der Schriftführer an.

Zu wenig Futter aus eigenem Anbau

Der Grünschnitt, der eigentlich viermal im Abstand von mehreren Wochen ansteht, verzögerte sich. Die Landwirte konnten nicht so viel Silage einlagern, wie erhofft. Zudem mussten die Kühe, die auf den Weiden grasten, mit bereits produziertem Winterfutter zugefüttert werden.

„Dadurch haben die meisten Betriebe in diesem Winter zu wenig Futter“, fasst Wennekamp zusammen. Eine gute Milchkuh fresse am Tag rund vierzig bis fünfzig Kilogramm Grundfutter. Rund ein Viertel müssten er und seine Kollegen derzeit als Mais oder Treber zukaufen. „Das machen wir auf jeden Fall. Die Tiere sollen ja nicht hungern“, so Wennekamp.

Konkurrenz durch Biogasanlagen

Mit Blick auf die kommenden Monate hofft der Vorstand des Landwirtschaftlichen Ortsverbands, dass der Winter nicht zu lang und hart wird. „Wir müssten 2011 deutlich mehr Grundfutter ernten, sind aber leider absolut wetterabhängig“, stellt Grafe fest.

Mit Argwohn blicken die drei Kiersper Landwirte auf die Konkurrenz durch Biogasanlagen. „Für gute Gärprozesse müssen die Anlagen gefüttert werden wie eine gute Milchkuh, mit hochwertigem Futter“, erklärt Wennekamp: „Die erneuerbaren Energien können bessere Preise für das Getreide zahlen.“ So entstehe die Konkurrenz.

Der Landwirtschaftliche Ortsverband Kierspe hat zum Jahresende 135 Mitglieder, inklusive der so genannten Betriebe im Nebenerwerb. Dem Verband gehören laut Schriftführer Michael Kremer fast alle, also 99 Prozent der Landwirte aus Kierspe und Rönsahl an. Den Großteil der Verbandsmitglieder stellen Ehemalige dar, zurzeit rund 80 Prozent. 22 aktive Höfe lebten von der Landwirtschaft, seien also Vollerwerbsbetriebe. Sie hielten überwiegend Milchvieh, durchschnittlich etwa 100 Kühe. Ein Betrieb in der Volmestadt halte Schweine. Zudem gebe es Landwirte, die Rinder wegen ihres Fleisches aufzögen. Reine Ackerbaubetriebe gibt es in Kierspe nicht mehr, stellt Ortsverbandsvorsitzender Heinz Wennekamp fest. Derartige Betriebe seien insgesamt rückläufig. Viehhalter bewirtschafteten ihre Felder nur für die Futterproduktion. ▪ Pia Käfer

Die Jahreshauptversammlung des Ortsverbandes findet am Mittwoch, 12. Januar, statt. Um 10.30 Uhr treffen sich alle Mitglieder im Hotel Unter den Linden, direkt im Anschluss an die Sitzung der Jagdgenossenschaft. Unter anderen referiert dann Dr. Bernhard Schlindwein zum Thema „Nationale und internationale Agrarpolitik“.

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