Absatzprobleme für Waldbesitzer

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Vollernter sollen auch möglichst schnell in Kierspe wieder zum Einsatz kommen. Allerdings sind die infrage kommenden Betriebe derzeit in den Nachbarkreisen im Einsatz.

Kierspe - Auf den Spargelfeldern fehlen die Osteuropäer für die Ernte – doch dort können zumindest Menschen einspringen, die derzeit wenig anderes zu tun haben. Im Wald sieht das ganz anders aus, dort sind Fachleute gefragt.

Die Fahrer von Vollerntern (Harvester) brauchen nicht nur die entsprechenden Führerscheine, sondern am besten jahrelange Erfahrung. Aber auch der Umgang mit der Kettensäge lässt sich durch Zuschauen nicht innerhalb von Stunden erlernen, genauso wie das Fahren der großen Holztransporter, die über unebene, enge und kurvenreiche Waldwege gesteuert werden müssen.

Wie einfach diese Kette der Zusammenarbeit unterbrochen werden kann, erlebt im Moment ein Betrieb, der seine Waldarbeiter auch immer wieder in Kierspe einsetzt. Förster Uwe Treff berichtet, dass der polnische Fahrer eines Vollernters aus familiären Gründen in sein Heimatland Polen reisen musste, jetzt sei die Wiedereinreise nach Deutschland alles andere als selbstverständlich.

Doch der Ausfall dieses Fachmanns verhindert derzeit nicht die Arbeiten im Kiersper Wald. „Zurzeit haben wir keine Betriebe im Kiersper Wald, die für uns zuständig sind“, sagt Treff. Das liege daran, dass man zwischenzeitlich wenig Arbeit gehabt hätte, da das Käferholz weitestgehend aufgearbeitet gewesen sei. Treff: „Danach sind die Betriebe in die Nachbarkreise gegangen. Derzeit bemühen wir uns sehr um sie, da ja nun die beiden Stürme Sabine und Julia aufgearbeitet werden müssen." Problematisch sei aber auch, dass es auf nicht absehbare Zeit Probleme beim Absatz gebe.

Da sind zum einen die fehlenden Container, mit denen das Holz nach Asien verschifft werden könnte, wobei dieses Geschäft an sich deutlich zurückgegangen sei, das hatte Forstamtsleiter Jörn Hevendehl bereits vor einiger Zeit im Ausschuss für Umwelt und Bauen erklärt. Nun kommen aber auch noch Absatzprobleme bei den heimischen Sägewerkern hinzu.

„Ein Großteil des Holzes, das wir an die Sägewerke liefern, wird zu Verpackungsmaterial verarbeitet. Wenn die Industriebetriebe aber nichts oder wenig produzieren, dann brauchen sie auch keine Kisten oder Paletten“, erklärt Treff. Der Förster sagt, dass man das Holz aber trotzdem aufarbeiten werde, da man ansonsten die idealen Voraussetzungen für eine weitere Verbreitung des Borkenkäfers schaffen würde.

Bislang keine Einschränkungen gibt es bei den landwirtschaftlichen Betrieben in Kierspe, kann der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Reiner Grafe mitteilen. „Unsere Betriebe haben sich auf Milchviehhaltung spezialisiert, da werden Erntehelfer nicht gebraucht. Gemüseanbauer gibt es bei uns so gut wie gar nicht“, sagt Grafe.

Er schränkt aber auch ein, dass ein Kollege ein Erdbeerfeld in Kierspe habe, dem würden die Helfer, die üblicherweise aus Rumänien kommen, derzeit fehlen, da die Pflanzen jetzt in Folie gepackt würden. „Dort gibt es auch große Sorgen, dass diese Helfer in sechs oder acht Wochen nicht zur Verfügung stehen, wenn die Ernte beginnt“, so Grafe.

Er selbst hat aber auch schon gemerkt, was es bedeutet, dass die Menschen derzeit alles kaufen, was mit dem Bereich Hygiene zu tun hat: „Wir nutzen Küchenrollen für die Reinigung der Euter. Diese Tücher sind aber derzeit nicht so einfach zu bekommen. Zum Glück haben wir aber noch einen größeren Vorrat.“

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