Für Landwirte war erste Jahreshälfte zu trocken

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Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Heinz Wennekamp will mit einer abschließenden Beurteilung des Jahres noch warten, bis auch der dritte und vierte Schnitt eingebracht wurde. ▪

KIERSPE ▪ „Wie das Jahr aus Sicht der heimischen Landwirte verläuft, können wir abschließend erst sagen, wenn wir wissen, wie der dritte und vierte Schnitt ausfällt“, erklärt Heinz Wennekamp als erster Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins.

Generell beklagt Wennekamp, der selbst als Landwirt im Vollerwerb in Höhlen tätig ist, dass gerade die erste Jahreshälfte doch deutlich zu trocken war: „Als wir den ersten Schnitt einbringen wollten, war es noch viel zu kalt und trocken. Deshalb waren viele ziemlich spät dran. Und wer zu lange gewartet hat, ist dann mit dem zweiten Schnitt in die warme und extreme trockene Zeit gekommen. Grundsätzlich ist die Menge aber deutlich geringer ausgefallen.“

Ärgerlich für viele Landwirte ist dabei, dass sie deutlich mehr Zukauf-Grundfutter erwerben mussten. Nach Angaben von Wennekamp ist dieses aber in den vergangenen Wochen deutlich teurer geworden.

Jetzt hängt für die Bauern in der Region viel vom dritten Schnitt ab, der derzeit wächst. „Wenn ein Jahr optimal verläuft, können auch mal fünf Schnitte eingebracht werden, davon kann aber in diesem Jahr keine Rede sein. Bereits jetzt merken wir am verlangsamten Wachstum des Grases, dass die Tage wieder kürzer werden.“

Doch nicht nur das Grünfutter auch der Futtermais sei in diesem Jahr gegenüber durchschnittlichen Jahren schlechter gewachsen. „Der Mais hat zwar durch den Regen der vergangenen Wochen noch mal aufgeholt, aber da war die Wachstumsphase im Grunde schon abgeschlossen“, so Wennekamp, der darauf hinweist, dass bei dieser Pflanze auch viel von den Böden abhänge. Dort, wo viel Gestein beziehungsweise Fels vorherrsche, sei das Wachstum noch deutlich schlechter gewesen, als auf Feldern, die über einen „tiefen“ Boden verfügen würden.

Ähnlich sehe es auch beim Getreide aus, wobei dieses keine große Rolle in der Region spiele. Wennekamp: „Während das Wintergetreide sehr gut war, sieht es bei dem Sommergetreide deutlich schlechter aus.“ Der Landwirt weist aber auch darauf hin, dass der Getreidepreis an der Börse festgelegt werde, und deshalb auch durch Spekulation bestimmt werde.

Grundsätzlich sieht der Kiersper aber höhere Preise auf die Verbraucher zukommen, da die Flächen, auf denen Futtermittel und Frucht angebaut würden, in zunehmender Konkurrenz mit Flächen ständen, auf denen nachwachsende Rohstoffe für die Energiegewinnung wüchsen.

Erfreut zeigte sich Wennekamp darüber, dass sich der Milchpreis ein wenig erholt habe. „Wir sind aber immer noch weit von Gewinnen entfernt. Aber immerhin können wir mit den 26 bis 28 Cent, die wir derzeit für ein Kilo Milch bekommen, die Kosten decken“, so der Bauer.

Einem Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen erteilt der Landwirt eine klare Absage: „Da bin ich mir mit meinen Berufskollegen einig. Wir wollen produzieren, was die Verbraucher möchten. Und gentechnisch veränderte Lebensmittel gehören auf keinen Fall dazu.“ Wobei er darauf hinweist, dass die Saatgut-Hersteller schon ein großes Interesse daran hätten, die Verbreitung von gentechnisch veränderten Pflanzen zu fördern. „Doch damit haben diese Firmen in unserer Region keine Chancen. Wie das allerdings einmal in 20 oder 30 Jahren aussehen wird, weiß niemand zu sagen“, so der Kiersper Landwirt. ▪ Johannes Becker

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