Grafe: Politik ist Verursacher der Wildschäden

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Dieter Grafe fordert eine Änderung des Landesjagdgesetzes, um die Schäden durch Wildschweine – wie auf dieser Fläche – zu begrenzen.

Kierspe - Ist das noch Wiese oder schon Acker? Diese Frage drängt sich unwillkürlich auf, wenn man sich die Flächen anschaut, die zum Hof Grafe gehören und eigentlich zur Gewinnung von Silage dienen sollen. Doch auf vielen dieser Wiesen wird das Mähen – wenn überhaupt – erst im Herbst möglich sein. Direkte Ursache der Schäden sind Wildschweine, doch Dieter Grafe macht vor allem den NRW-Umweltminister, das Jagdgesetz und auch die Jäger für diese Situation verantwortlich.

„Wenn ich die betroffenen Flächen zusammenzähle, werden es wohl 15 bis 20 Hektar sein. Auf jeder zweiten Fläche gibt es Schäden, mal sind sie klein, mal ist fast die ganze Wiese betroffen. Bei der Siloernte werden wir wohl fünf bis sechs Hektar liegen lassen müssen, das führt zu Ausfällen in der Futter-Ernte. Denn jede Verunreinigung führt zur Schimmelbildung im Silo“, schildert Dieter Grafe die Situation auf dem Hof seiner Familie. Was den Landwirt am meisten ärgert, ist die Zunahme der Schäden „Jahr für Jahr“.

Die Population der Wildschweine habe aufgrund des veränderten Klimas mit milden Wintern, einem sehr gutes Nahrungsangebot und guter Deckung für die Tiere auf den Kyrillflächen stark zugenommen. „In den vergangenen Jahren gab es große Mengen an Eicheln und Bucheckern, an denen sich die Schweine bedienen konnten. Diese Ernährung führt zu einem Eiweißmangel, der dann mit Würmern ausgeglichen wird. Diese finden die Schweine am leichtesten auf dem Grünland. Um dort an die Würmer zu gelangen, wühlen sie die ganze Wiese auf“, erklärt Grafe.

Letztlich würden höhere Abschusszahlen zu einer Eindämmung der Problematik führen, glaubt der Bauer. Doch dem stände das Landesjagdgesetz im Wege. So sei es in NRW nur zwischen August und Januar erlaubt, Wildschweine zu schießen – außer Frischlingen, die während des gesamten Jahres geschossen werden dürften. Überläufer (Schweine im zweiten Lebensjahr) wiederum dürften in anderen Bundesländern ebenfalls während des gesamten Jahres geschossen werden, in NRW hingegen nicht, da man vermeiden möchte, dass schwangere (belegte) Tiere der Kugel zum Opfer fallen. Grafe: „Auch darf in Nordrhein-Westfalen bei der Jagd auf die Schweine weder ein Schalldämpfer noch ein Nachtsichtgerät verwendet werden. Das ist in anderen Bundesländern ebenfalls anders geregelt.“ Dabei brauche man aufgrund der milden Winter solche Hilfsmittel, um den fehlenden Schnee „auszugleichen“, der es den Jägern in klaren kalten Nächten erlaube, einen Schuss auf das Wildschwein abzugeben. Ein weiteres Problem sieht Grafe darin, dass das Anlegen von Kirrungen (künstlichen Futterplätzen), um die Tiere von den landwirtschaftlichen Flächen abzulenken, erschwert sei. Und zu guter Letzt würde das Verbot der bleifreien Munition die Jagd erschweren, da die Tiere oft nicht tödlich getroffen würden.

Grafe: „NRW hat ein unmögliches Jagsgesetz, aber das ist ja bei einem grünen Minister (Johannes Remmel) auch nicht verwunderlich. Wer vier bis fünf Mal im Jahr bei der Siloernte jeweils drei Tage lang 12 bis 13 Stunden am Tag auf dem Schlepper sitzt und durch die Schweinelöcher fährt, der kann sich am vierten Tag nicht mehr bewegen.“ Er sei sich sicher, wenn die verantwortlichen Politiker mal drei Tage auf dem Trecker mitfahren würden, dann gäbe es schnell ein anders Jagdgesetz.

Doch in der Verantwortung sieht Grafe nicht nur die Politiker, sondern auch die Jäger. Diese seien zwar zur Regulierung verpflichtet, „doch wenn wir den tatsächlichen Schaden in Rechnung stellen würden, dann finden wir auf Dauer keinen Pächter mehr. Letztlich lassen sich die Probleme nur durch ein vernünftiges Miteinander von Landwirten und Jägern lösen.“

Trotz dieser Ankündigung kritisiert er das Verhalten etlicher Jäger: „Es gibt viele, die sich weigern, an revierübergreifenden Drückjagden teilzunehmen. Manche weigern sich auch, Jungjäger in ihr Revier zu lassen, damit diese bei der Schweinejagd Erfahrungen sammeln.“ Darüber hinaus gebe es einen großen Unterschied bei den finanziellen Möglichkeiten der Jäger: „Der eine zahlt die Schäden aus der Portokasse, andere können sich die Regulierung kaum leisten.“

Doch Grafe bleibt dabei, letztlich seien die Politiker an der Situation Schuld, die die Probleme der Landwirte nicht ernstnehmen würden. „So schlimm das klingen mag, ich bin überzeugt, dass das Landesjagdgesetz in NRW erst dann geändert wird, wenn die Wildschweine in noch stärkerem Ausmaß auch auf Sportplätzen, in Vorgärten und auf Golfplätzen wühlen.“

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