Naturdenkmale in Kierspe

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Die Stileichengruppe auf dem Hüttenberg bei Loh ist ein Naturdenkmal. Allerdings hat sich die mittlere Eiche bei weitem nicht so entwickelt, wie vermutet.

Kierspe - Sie stammen oft noch aus einer Zeit, in der es weder elektrisches Licht, noch asphaltierte Straßen oder Autos gab. Denn meist handelt es sich bei Naturdenkmalen um alte, oft orts- oder landschaftsbildprägende Bäume.

Auf Kiersper Stadtgebiet sind insgesamt 36 Naturdenkmale eingetragen – fünf ehemalige Steinbrüche und 31 geschützte Bäume.

Ganz langsam muss Hermann Reyher den Wagen über die Straße nahe der Kerspe-Talsperre lenken, um die Einfahrt in den Steinbruch nicht zu verpassen. Aber Einfahrt ist auch zu viel gesagt. Seit Jahrzehnten ist die völlig zugewachsene Schranke neben dem Weg nicht mehr geöffnet worden – und auch, wenn das Hindernis nicht da wäre, es käme wohl niemand mehr auf die Idee, den Weg in Richtung des Steinbruchs zu nehmen. Meterhoch steht der Wilde Rhabarber inmitten von Brennnesseln, die ebenfalls eine beachtliche Höhe erreicht haben.

Für den Landschaftswächter Reyher ist dieser Zustand wünschenswert, denn eine Zufahrt, die man nicht findet, lädt auch nicht dazu ein, den Weg zu nutzen, um dort Müll abzuladen. Generell ist das Betreten des ehemaligen Steinbruchs nur in Ausnahmefällen erlaubt. „Den Mitarbeitern von Lehr- und Forschungsanstalten ist das Betreten erlaubt, so dieses einem beruflichen Zweck dient. Außerdem darf man dorthin, um den überwuchernden Pflanzenwuchs zu entfernen – oder eben, um den Müll zu entfernen. Das alles aber nur nach Maßgabe der Unteren Landschaftsbehörde des Märkischen Kreises“, erklärt Reyher.

Steinbruch westlich Schmidthausen wurde schon vor mehr als 100 Jahren geschlossen.


Über die Bedeutung des Steinbruchs, in dem schon seit Jahrzehnten kein Stein mehr gebrochen wurde, musste sich Reyher auch erst einmal informieren. Der frühere Ortsheimatpfleger Hans Ludwig Knau konnte ihm behilflich sein. Demnach wurden in dem Bruch grünlich-graue Tonsteine gefördert, die Einlagerungen von Karbonat, Rotschiefer und Feinsandstein enthalten.

Die Nutzung des Steinbruchs geht auf die Zeit vor dem Bau der Kerspe-Talsperre (1910 bis 1912) zurück. Damals hatte der Ort Mühlen-Schmidthausen noch deutlich mehr Einwohner, Gehöfte und Wohnhäuser als heute. Nach Auskunft von Knau gehörte der Steinbruch damals zwei Ortsansässigen, die die Steine für den Bau von Häusern und Ausbesserungsarbeiten nutzten. Unter Schutz wurde der Steinbrauch aufgrund seiner erdgeschichtlichen sowie seiner geo- und biowissenschaftlichen Bedeutung gestellt.

So schwer auch der Steinbruch zu finden ist, so unübersehbar sind viele der als Naturdenkmal ausgewiesenen Bäume – wobei man schon genau wissen muss, wo sie stehen, um die von anderen, nicht weniger imposanten Bäumen zu unterscheiden. Das gelang dem Landschaftswächter bei der Suche nach einer Linde in der Nähe des Ortes Becke aber nicht. Dort sollte auf einem Privatgrundstück eigentlich eine rund 250 Jahre alte Linde stehen, deren Stammdurchmesser rund 1,2 Meter betragen soll. Doch von dieser war weit und breit nichts zu sehen.

Landschaftsbildprägend ist die Eiche nördlich Wienhagenerhaus auf jeden Fall.


Letztlich fand Hermann Reyher heraus, dass der mächtige – aber innen hohle – Baum einem Sturm vor rund zwei Jahren zum Opfer gefallen ist. In vier Metern Höhe war die Linde, die bereits durch Stahlverbindungen zusammengehalten wurde, abgebrochen. Der Märkische Kreis übernahm damals die Kosten für die Beseitigung und finanzierte die Neuanpflanzung einer Linde unweit des alten Standorts. Doch es wird wohl viele Jahrzehnte dauern, bis diese eine so landschaftsbildprägende Funktion einnimmt.

Ohne Schwierigkeiten sind aber die Buche beziehungsweise Hainbuche zu finden, die auf Grundstücken bei Feld und Hemecke stehen. Den Abschluss der Rundfahrt bildet eine Stileichengruppe auf dem Hüttenberg bei Loh. Drei Eichen sind dort als Gruppe geschützt – ob das so bleibt, ist aber ungewiss. Während zwei der Bäume in ihrer ganzen Pracht auf einem Hügel stehen, ist die dritte Eiche recht klein geblieben – und wirkt auch nicht ganz gesund. Reyher: „Ob man diese Bäume weiter als Gruppe schützen wird, oder ob irgendwann einmal die beiden großen Bäume als Solitäre geschützt werden, ist noch unklar.“

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