Ein Heim für Grundschüler, Familien und Wanderer

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Das idyllisch gelegene Landheim Oberheukelbach gehört bereits seit 80 Jahren der Sektion Barmen des Deutschen Alpenvereins.

Kierspe - Die Reichsbahndirektion Wuppertal ließ mit sich reden: Auf Bitten des Deutschen Alpenvereins hielt auch im Winter sonntags um 9.23 Uhr der Personenzug 1553 in Ohl-Rönsahl. Das war eine wesentliche Voraussetzung für Ausflüge der Wuppertaler Wanderer zum Landheim Oberheukelbach.

Von Johannes Becker 

Den Bahnhof gibt es schon lange nicht mehr, das Landheim schon. Das idyllisch gelegene Fachwerkhaus ist vor allem am Wochenende gut besucht, so dass Interessenten mitunter lange im Voraus buchen müssen.

Seit 80 Jahren gehört das kleine Haus der Sektion Barmen des Deutschen Alpenvereins, ist aber mehr als viermal so alt. Der ehemalige Kotten wurde wahrscheinlich im Dreißigjährigen Krieg oder kurz danach errichtet, Fach- und Mauerwerk und zahlreiche andere Merkmale weisen darauf hin. In Verbindung mit dem Bau der Kerspetalsperre kam das Haus, zu dem bis dahin eine Hufschmiede gehörte, in den Besitz der Stadt Wuppertal. Die verkaufte es 1934 an den Alpenverein und nach einigen Umbauten wurde es noch im gleichen Jahr als Landheim eingeweiht. Ursprünglich war es als Wanderheim und für Kurzferien der Vereinsmitglieder gedacht, inzwischen steht es auch Nicht-Mitgliedern zur Verfügung.

Die Kiersper Grundschulen wissen das zu schätzen. Immer wieder wandern Schulklassen nach Oberheukelbach und verbringen eine Nacht im Landheim. Das hat mit 24 Schlafplätzen gerade die richtige Größe für Ausflüge dieser Art und die Kinder sind begeistert, wenn sie gemeinsam in Matratzenlagern und Etagenbetten übernachten können. Aber auch Geburtstagsfeiern finden dort statt oder Rönsahler Familien bringen dort ihre Gäste unter, wenn der eigene Platz nicht ausreicht.

Das Landheim ist ein Selbstverpflegerhaus, eine kleine Küche steht zur Verfügung, bei gutem Wetter auch ein Grillplatz. Die Ölheizung sorge für die Grundwärme, hauptsächlich werde aber mit zwei Kohleöfen im Erdgeschoss geheizt, erläuterte Werner Hefendehl. Er ist der nächste Nachbar des Landheims, verwaltet den Schlüssel und steht als Ansprechpartner zur Verfügung. Auch Hefendehls Eltern hatten schon ein Auge auf das Kommen und Gehen im Nachbarhaus und verkauften Milch und Eier an die Wanderer. Werner Hefendehl selbst ist inzwischen Ehrenmitglied des Alpenvereins.

Seit dem Tod des langjährigen Hauswarts Siegfried Siemon wird das Landheim kommissarisch von einem Vereinsmitglied aus Gummersbach betreut. Die Gäste müssen das Haus sauber verlassen, gelegentlich ist aber doch eine Grundreinigung oder die ein oder andere Reparatur fällig.

In den 1970er-Jahren wurde das Haus umfassend renoviert, an die Wasserleitung angeschlossen und Sanitäranlagen eingebaut. Seitdem brauchen die Gäste auch nicht mehr auf Plumpsklo und Schwengelpumpe zurückzugreifen. Eine Dusche gibt es allerdings immer noch nicht. Das ist für Sabine Baumer von der Geschäftsstelle des Alpenvereins in Barmen der Hauptgrund, warum nur wenige längere Zeit Ferien machen möchten im Landheim Oberheukelbach. Für die Wochenendgäste ist das offensichtlich kein Problem: Erst ab Anfang November hätte sie wieder Lücken im Kalender, erklärte Sabine Baumer auf Anfrage.

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